Wochenmarkt
Eggenthaler Landwirt Benno Bönisch verkauft Fleisch aus Mutterkuh-Haltung

Seit 18 Jahren verkauft Benno Bönisch Fleisch von seinem Biohof in Eggenthal. Inzwischen hat er donnerstagvormittags auf dem Wochenmarkt in Kaufbeuren sowie freitags in Türkheim und am Nachmittag auf dem Biomarkt in Irsee überwiegend Stammkundschaft, die bei ihm einkauft.

Die Kunden seien neben seiner Frau Zenta und den Behörden die besten Kontrolleure: << Wer bei mir einkauft und etwas passt dem nicht, der sagt mir das auch >>, so der 54-Jährige. Ohnehin ist Bönisch ein Mann der klaren Worte. Mit seinen Stammkunden könne er genauso über Ernstes wie Amüsantes reden.

<< Ich fühle mich daheim, wenn ich auf einem Markt bin >>, so Bönisch. Dabei ist der Eggenthaler nicht unbedingt der Prototyp eines Fleischverkäufers. Der gebürtige Irseer studierte zunächst und machte sich dann als Diplom-Designer selbstständig. << Werbung macht manchmal Spaß, manchmal aber auch nicht >>, sinniert er über die schillernde Branche.

Doch dann kam Tschernobyl: Der Super-GAU in dem ukrainischen Atomkraftwerk politisierte ihn, er ging zu den Grünen. Acht Jahre war er Mitarbeiter von Abgeordneten im Bayerischen Landtag, bis es massive Probleme mit einem bayerischen Großfabrikanten von Milchprodukten gab. Der reagierte heftig auf Kritik an seinem Geschäftsgebaren und ging deshalb gegen einen Abgeordneten juristisch vor. << Als ich morgens in unser Büro kam, hieß es, ich solle mir einen Rechtsbeistand suchen. Das war haarig >>, erzählt Bönisch.

Nach dieser schmerzhaften Erfahrung führte er ab 1991 den Hof seines Schwiegervaters weiter. << Da er in Rente ging und ich ihm schon immer geholfen hatte, übernahm ich die Landwirtschaft. >> Bönisch baute einen neuen Viehbestand auf, dessen erste Kühe zwei Stück Braunvieh des Landtagsabgeordneten Adi Sprinkart waren.

Fleisch in Spezialmetzgerei

Außerdem stellte der Hof sofort auf Bioproduktion mit Mutter-Kuh-Haltung um. Dabei behalten die Kühe ihre Kälber unmittelbar bei sich, damit sie sie direkt am Euter säugen können. Nach einem Jahr wird dann das Jungvieh geschlachtet. Das Fleisch lässt Bönisch von einer Spezialmetzgerei zu Wurst, Braten oder Steaks verarbeiten und teilweise auch in Gläser einmachen.

Inzwischen hat Bönisch rund 30 Mutterkühe, 25 Jungrinder, etwa 25 freilaufende Hühner und ist als Biobauer für Grünland, Eier, Geflügel und Mutter-Kuh-Haltung zertifiziert. Dazu kauft er Schweine- und Lammfleisch von Biohöfen hinzu, um das Angebot an seinem Marktstand zu erweitern.

Von der Politik hat Bönisch derweil nicht gelassen: Von 1989 bis 2001 war er Kreisrat, von 2001 bis 2008 Gemeinderat, und seitdem ist er wieder im Kreisrat. Als Biobauer aus Prinzip erbost er sich über die industrielle Fleischproduktion und deren Folgen: << Das Fleisch ist auf dem Markt im Prinzip nichts mehr wert. Im Vergleich dazu ist Müll wertvoller. >> Zwar sei der Arbeitsaufwand als Biobauer größer, aber das Gewissen reiner.

Der zweifache Vater wird dabei von seiner Frau unterstützt. << Zenta macht die Buchführung und ist meine Qualitätskontrolle >>, so Bönisch. Die Kunden danken es ihm: Insbesondere seine grobe Leberwurst und sein Leberkäse sind Geheimtipps auf dem Kaufbeurer Markt. Umgekehrt hat es Bönisch der Marktbetrieb angetan: << Ohne den könnte ich mir nicht vorstellen, eine Landwirtschaft zu machen. >>

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