Gitarrenkonzert
Ebenhofen: Streifzug zurück ins Barock

Mit einem bemerkenswerten Solo-Konzertabend nahm der Gitarrist Christian Wernicke das Flötenhof-Publikum im fast voll besetzten kleinen Konzertsaal auf einen faszinierenden Gitarren-Streifzug von der Barockzeit bis in die Moderne. Dabei wurde deutlich, welch autonomes Volksinstrument die Gitarre parallel zur klassischen Musiktradition darstellt.

Mit der Vielfalt an Farbtönungen, den akkordisch-melodischen und insbesondere perkussiven Spielmöglichkeiten sowie dem feinen Zierreichtum bietet sie ein betörend schönes Klangbild. Vor allem Spanien und Lateinamerika bescherten auch ein hochvirtuoses Repertoire. Wernicke hat in Köln und Madrid studiert und und schien sich vollkommen einzufühlen in das filigran tänzerische Idiom seines Instrumentes.

Von den ersten Klängen an verzauberte der 36-jährige Gitarrist sein Publikum, schon bei der kleinen Barockgitarre mit ihren fünf Doppelsaiten und einem geheimnisvoll verwobenen Klangbild, dem er feinste Akkordgespinste entlockte.

Angesichts Francisco Gueraus einfallsreichen Variationen des 'Xácara', eines spanischen Barocktanzes, die Wernicke mit tänzerischem Charme vortrug, versank das Publikum in andächtigem Lauschen.

Vor allem vermochte der Gitarrist sein Spiel wie die Instrumente inspirierend zu erklären, auch die romantisch 'Biedermeiergitarre' mit ihren sechs Saiten und einem wunderbar mittigen melancholischen Klangbild. Anhand einer Sonate des bedeutenden Fernando Sor zeigt er, wie adrett und wohlgeordnet Melodie und Themen in der Romantik auch auf der Gitarre daherkommen.

Moderne Klangexperimente

Wernicke spielte weitgehend auswendig und konnte sich ganz auf sein virtuoses Fingerspiel konzentrieren, denn beide Hände formen Töne, Dynamik und Artikulation. Auch der Zierreichtum des Wiener Gitarrenvirtuosen Johann Kaspar Mertz bezauberte das Publikum.

Ebenso brachte Christian Wernicke die moderne Gitarre mit ihrer härteren Durchschlagskraft zum Klingen. Bei Franciscos Tárregas 'Carnaval de Venecia' entzückte er geradezu mit unendlicher Zartheit und feinstem Singsang.

Mit seinem Schwenk nach Argentinien und Brasilien zum Folklorespezialisten Ginastera und dem Weltmusiker Gismonti machte der Solist deutlich, wie sehr die Gitarre auch modernen Klangexperimenten entgegenkommt.

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