Kino
Die Verfilmung eines Mordes, der zu NS-Zeiten in Irsee geschah

Ernst Lossa wurde nur 14 Jahre alt. Getötet wurde er 1944 in der Nervenheilanstalt in Irsee durch eine Giftspritze, die ihm die Krankenschwester Pauline Kneissler verabreichte. Der Ärztliche Leiter Dr. Valentin Faltlhauser und Verwaltungschef Josef Frick standen daneben.

Lossa wurde getötet, weil er den Nazis als lebensunwert, unerziehbar, schwierig galt. Seine tragische Lebensgeschichte ist nun verfilmt worden. . 'In diesen Tagen wird auch der Bildschnitt beendet', sagte der Münchner Filmproduzent Ulrich Limmer ('Schtonk!', 'Das Sams') auf Nachfrage unserer Zeitung.

Der Film soll nächstes Jahr in die Kinos kommen. Zudem beginnt am Freitag, 23. Oktober, eine Ausstellung mit dem Titel 'In Memoriam. Euthanasie im Nationalsozialismus' im Kaufbeurer Stadtmuseum. Und zwei Wochen später werden im Kunsthaus Kaufbeuren Arbeiten von psychisch Kranken, die teils Opfer der Euthanasie wurden, gezeigt.

Grundlage für den Film Limmers ist das Buch 'Nebel im August', das der in Irsee lebende Schriftsteller Robert Domes 2008 veröffentlichte. Domes, viele Jahre auch Redakteur unserer Zeitung, hatte das Leben Ernst Lossas literarisch verarbeitet. Der Autor (er hat die Verfilmung bislang selbst auch noch nicht gesehen) suchte dann einen Filmproduzenten für sein Buch und war auf Ulrich Limmer gestoßen.

Gedreht wurde an drei verschiedenen Orten. Die Innenaufnahmen fanden im psychiatrischen Krankenhaus im westfälischen Warstein statt. Feldarbeiten und Szenen an einem See wurden in Kissing bei Augsburg nachgestellt. Ein Schloss im niederösterreichischen Schwarzenau diente als Außenmotiv für die Anstalt. 'Die Arbeiten waren aufwendig.

180 Komparsen, zum Teil mit Handycap, mussten gewonnen werden', sagt Limmer. Wie teuer die Produktion ist, verrät er nicht. Auch hält er sich noch bedeckt, auf welchem Filmfestival 'Nebel im August' erstmals gezeigt wird. Frühestens werde der Film im Frühjahr in die Kinos kommen. Hauptdarsteller sind die bekannten Schauspieler Sebastian Koch als Chefarzt Dr. Veithausen und Fritzi Haberland als Schwester Sophia (Originalnamen für den Film geändert). Ernst Lossa wird von Ivo Pietzcker dargestellt.

Dass der Film nun fertig gestellt wird und zugleich in Kaufbeuren gleich zwei Ausstellungen zum Thema stattfinden, sei zwar nicht unbedingt geplant gewesen, sagt Petra Weber, Leiterin des Kaufbeurer Stadtmuseums. 'Aber das Ganze passt natürlich gut zusammen.' Eine Vielzahl der in der Ausstellung gezeigten Schicksale entstamme der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren und der Nebenstelle Irsee, einem zentralen Schauplatz der Euthanasie-Verbrechen in Schwaben.

In Kooperation mit dem Stadtmuseum werden zudem Werke von psychisch Kranken zum Thema im Kunsthaus Kaufbeuren gezeigt. 'Diese Kombination war bewusst gewählt. Die Ausstellungen sollen sich ergänzen', sagt Weber. Die Ausstellung 'In Memoriam. Euthanasie im Nationalsozialismus' im Kaufbeurer Stadtmuseum beginnt am Freitag, 23. Oktober, und endet am 31. Januar 2016.

Die Ausstellung 'Kunst und Stigma - Grenzgänger zwischen Zwang und Freiheit' im Kaufbeurer Kunsthaus beginnt am 6. November und endet am 22. Februar 2016.

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