Porträt
Der Musiker, Komponist und Dirigent Freek Mestrini denkt allmählich an den Ruhestand

Freek Mestrini macht einen zufriedenen Eindruck. In seinem bisherigen Leben habe er Glück gehabt, sagt der gebürtige Niederländer, der am Montag 65 Jahre alt wird und der seit über 25 Jahren in Blonhofen heimisch ist. Alle wichtigen Entscheidungen seines Lebens seien im Nachhinein richtig gewesen: die Karriere als Berufsmusiker, der Wechsel zu Ernst Mosch und die Gründung seines eigenen Musikverlages.

Mestrini stammt aus Terwinselen, einem Ortsteil von Kerkrade in den Niederlanden, der damals weitgehend vom Bergbau lebte. Schon mit sechs Jahren wurde er von seinem Vater in den Trompetenunterricht geschickt und durfte bereits ein Jahr später im Verein mitspielen. << Heute würde ich keinem Kind empfehlen, vor einem kompletten Wechsel der Schneidezähne mit dem Unterricht auf einem Blechblasinstrument zu beginnen >>, sagt er und verweist auf seinen nicht gerade ebenmäßigen Unterkiefer.

Nach einem Vorspiel beim örtlichen Bergmannsorchester nahm man ihn auf und er erhielt Unterricht an der Kerkrader Musikschule. Da der Bergbau damals der mit Abstand größte Arbeitgeber in Terwinselen war, wäre auch Mestrini nach Abschluss der Schule Bergmann geworden. Doch das wollte er nicht. << Dann musst du halt üben >>, habe ihm sein Lehrer an der Musikschule geraten.

Gesagt, getan - und Mestrini bewarb sich mit 16 Jahren bei der Militärmusik. Nach einem Vorspiel bei der Marine in Rotterdam, gefordert war der erste Satz des Trompetenkonzerts von Joseph Haydn, wurde Mestrini unter 17 Bewerbern ausgewählt. << Da war ich stolz wie ein Gockel >>, so der Musiker. Parallel zu seinem Orchesterdienst studierte er am Konservatorium Rotterdam. Als Mestrini nach acht Jahren Solotrompeter im Orchester war hatte er dort alles erreicht: << Ich wollte dann weg. >>

Eine erste Begegnung mit Ernst Mosch 1972 sollte seine Karriere nachhaltig beeinflussen. Bei der TV-Show << Grand Gala de Disque >> spielte er bei einer Intrade zur Eröffnung mit. Mosch, der mit seinem Orchester ebenfalls an der Show teilnahm, sprach ihn nach einer Probe an: Er suche einen ersten Flügelhornisten.

Mestrini wurde zu LP-Aufnahmen nach Ludwigsburg eingeladen und sein Pultkollege, der kürzlich verstorbene Franz Bummerl, sagte schon am zweiten Tag: << Das passt wunderbar mit Ihnen. >> Im März 1973 startete Mestrini zu seiner ersten Tournee mit Mosch. << Das war ein hartes Musikantenleben >> so Mestrini. Wenn er nicht mit Mosch unterwegs war, wirkte er bis 1980 auch bei Josef Augustins << Donauschwäbischer Blasmusik >> mit.

Mit der Gründung des Mosch-Ewoton-Verlages ging Mestrini 1980 als Lektor zunächst nach Queidersbach in die Pfalz und kam mit dem Bau des Mosch-Verlagsgebäudes in Germaringen ins Allgäu. Bis 1994 war er dort tätig, bevor er seinen eigenen Verlag an seinem Wohnort Blonhofen gründete. << Ich wollte meine Werke und die meiner Freunde bei mir haben und selbst herausbringen.

>> Das Verlags-Repertoire erstreckt sich bis zur gehobenen Oberstufe. << Kunststufe sollen die anderen Verlage machen. >> In den 1990er Jahren leitete Mestrini zudem die Stadtkapelle Kaufbeuren und hat viele schöne und auch lustige Erinnerungen an diese Zeit.

Trompete spielt er seit seinem 60. Lebensjahr nicht mehr. Da müsste er täglich mindestens 90 Minuten üben und dazu fehle ihm die Zeit. Denn an viele Wochenenden ist Mestrini er als Leiter von Workshops im In- und Ausland unterwegs. Seit Jahren ist er zudem ein viel gefragter Juror, beispielsweise bei den Europameisterschaften der böhmisch-mährischen Blasmusik. Bei den nächsten beiden Auflagen dieses Wettbewerbs in Seedorf in der Schweiz und in Stuttgart wolle er noch mitmachen. << Dann bin ich 67 und dann höre ich auf. Denn ich möchte mit meiner Frau Finy noch ein paar Jahre von meiner Rente genießen. >>

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