Oal-merkwürdig 146
Das Leid der Blöcktacher Bauern

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Lage des gemeinen Volkes wenig ersprießlich. Seine Not war groß, seine Rechte umso kleiner.

Adel und Kirche wollten zugleich ihre Privilegien verteidigen. So kam es 1524/25 zum sogenannten Bauernkrieg in Süddeutschland, der auch das Kloster Irsee schwer mitnahm. Der ehemalige Pfarrer Philipp Guggemos berichtet in seiner Chronik über die Zeit:

'In Blöcktach gab es 1500 nur zwei freie Bauern. Alle übrigen waren Zinser und Leibeigene des Stiftes Kempten. Um 1500 waren außerdem noch circa 1200 Personen um ihre Freiheit gebracht worden und bemühten sich vergeblich, vom Stift gegen Geldentschädigung ihren alten Stand zu erwirken. Allein der feige, anrüchige und gewalttätige Fürstabt blieb unbeugsam.'

Bei diesem Klima war für Guggemos klar: 'Ein großer Aufstand des Landvolkes war deshalb 1520 ohne besondere Prophetengabe für nahe Zeit vorauszusagen."

Doch während die Aufzeichnungen aus Obergünzburg und Irsee ein düsteres Bild von den aufständischen Bauern zeichneten, seien die Blöcktacher ruhig geblieben – weil ihnen das Kloster eine eigene Kirche kurz vorher gebaut hatte und ihnen die Mönche oftmals 'human' entgegenkamen, vermutet Guggemos.

'Sie waren zudem ein tief religiöses Volk. Die Blöcktacher, wie auch die Romatsrieder, welche auch nicht mittaten, waren von jeher eine ganz andere Rasse wie die Eggenthaler und Friesenrieder.' Das meinte der Pfarrer jedoch nicht nur historisch, sondern auch auf seine Amtszeit (1914 bis 1954) bezogen.

Dennoch waren die Blöcktacher nach der Niederwerfung des Aufstandes 1525 von der Brandsteuer betroffen, die alle beteiligten Ortschaften zahlen mussten, die 'nicht treu geblieben' waren. Demnach zahlten 39 Blöcktacher Höfe je sechs Gulden Brandsteuer.

Quelle: Renate Grieshaber (Hg.): Pfarrer Philipp Guggemos – Chronik von Blöcktach, 2011.

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