Bücher aus der Irseer Klosterzeit

Mit dem philosophischen Hauptwerk des Irseer Mönchs Ulrich Weiß (1713 – 1763) und einem umfangreichen dogmatischen Lehrbuch von Pater Ulrich Peutinger (1751 – 1817) konnte das Schwäbische Bildungszentrum Irsee zwei wichtige Bücher der katholischen Aufklärung aus der ehemaligen benediktinischen Reichsabtei Irsee zurück erhalten.

Das Konvolut aus Privatbesitz umfasst darüber hinaus ein bereits 1624 in Münster gedrucktes Lehrbuch mit dem Besitzvermerk der ehemaligen Klosterbibliothek, der zur Jahreswende 2018/19 eine Ausstellung im Stadtmuseum Kaufbeu­ren gewidmet sein wird.

Pater Ulrich Weiß wurde 1713 in Augsburg geboren und trat 1728 im Kloster Irsee in den Benediktinerorden ein. Nach Studien in Augsburg und Salzburg wurde er Professor der Philosophie und Theologie in Irsee und Lehrer der Mathematik im Kloster Weingarten.

In seinem Werk 'Liber de emendatione intellectus humani' von 1747 versucht er, die übliche theologische Denkweise seiner Zeit – die in der Tradition von Thomas von Aquin stehende Scholastik – durch eine rationale Philosophie, Erkenntnistheorie und Methodenlehre zu ersetzen.

Der 1751 zu Inningen bei Augs­burg geborene Ulrich Peutinger legte 1771 in der Benediktiner-Abtei Irsee seine Ordensgelübde ab und wirkte zwischen 1793 und 1804 als Professor der Dogmatik in Salzburg, bevor er nach Irsee zurückkehrte, wo er am 12. Juni 1817 verstarb.

Sein 1795 in Salzburg veröffentlichtes Werk 'Religion, Offenbarung und Kirche' versucht in Auseinandersetzung mit dem Philosophen Immanuel Kant die Vernünftigkeit des katholischen Glaubens darzulegen, indem es fragt: 'Was ist Religion?', was sind 'Grundbestimmungen der göttlichen Offenbarung' und wie lässt sich ein 'logischer Begriff der Kirche' finden.

Das dritte Werk – ein 1624 gedrucktes Handbuch der Gegenreformation des in Köln, Würzburg, Mainz und Wien lehrenden Jesuiten Martinus Becanus – ist über hundert Jahre älter als die vorgenannten Werke und nicht in Irsee entstanden. Durch den Besitzvermerk 'Monasterij Vrsinensis' lässt es sich jedoch eindeutig der Irseer Klosterbibliothek zuordnen, zumal auf dem Titelblatt verzeichnet ist, dass sich das Buch 1671 im Besitz des Baisweiler Pfarrers Franz Köpfle befand, der ein Bruder des Irseer Abtes Romanus Köpfle (1692 – 1704) war.

Im Zuge der Auflösung der Irseer Bibliothek war das Buch nach der Säkularisation vermutlich als Makulatur aussortiert worden. Für die Verwertung in einer Papiermühle hatte man bereits den Einband entfernt. Doch das Buch hat aus unbekannten Gründen überlebt.

Für den Leiter des Schwäbischen Bildungszentrums Irsee, Dr. Stefan Raueiser, stehen die drei Neuerwerbungen im Zusammenhang mit einer zur Jahreswende 2018/2019 in Zusammenarbeit mit der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg im Stadtmuseum Kaufbeuren geplanten Ausstellung über die Irseer Klosterbibliothek: 'Zweihundert Jahre nach dem Abtransport der ersten Bücher aus Irsee in die Augsburger Stadtbibliothek wollen wir auf die Bedeutung der ehemaligen Klosterbibliothek Irsee hinweisen'.

Erste Frucht eines vorbereitenden, von dem Augsburger Historiker Dr. Helmut Zäh bearbeiteten Forschungsprojekts der Staats- und Stadtbibliothek Augs­burg ist ein Online-Katalog, der bereits über 900 Bücher der ehemaligen Klosterbibliothek Irsee verzeichnet.

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