Bauarbeiten
Braunkohle liegt auf der Straße: Beim Aushub eines Fundaments stoßen Handwerker auf ein kleines Flöz

In Irsee liegt die Kohle buchstäblich auf der Straße herum. «Man findet sie überall», so Bürgermeister Andreas Lieb. Dabei handelt es sich tatsächlich um Braunkohle. 170 Jahre wurde in der Gemeinde nämlich Braunkohle abgebaut, und noch immer werden vor allem bei Neubauten Flöze, also abgesetzte Lagerstätten des Rohstoffes, gefunden. So wurden jetzt bei Ausgrabungen für das Fundament einer Lagerhalle fast 50 Kubikmeter ausgegraben.

Die Schreinerei Angerer am Rande des Dorfzentrums will dort ihren Betrieb vergrößern. Dafür ließ sie sich die Abrissgenehmigung für eine benachbarte Halle geben, an deren Stelle der Anbau entstehen soll.

Als das Fundament ausgehoben wurde, stießen die Bauarbeiter auf das Flöz. Ein Teil davon war mitten in der Baugrube, ein anderer Teil erstreckte sich sogar unter ein bestehendes Gebäude. «Es waren fast 50 Kubikmeter Braunkohle von unterschiedlicher Qualität», berichtet der Vorarbeiter.

Ein Teil davon zerbröselte beim Aushub, aber einige Brocken blieben erhalten. An ihnen sind Sedimentationen (Absetzungen) ähnlich wie Baumringe zu sehen: einzelne Schichten, die durch das Zusammenpressen und Absacken von organischen Stoffen, nämlich Holz, entstanden.

Bereits 1778 wurden erste Probebohrungen im Irseer Ortsteil Oggenried vorgenommen, recherchierte der Kaufbeurer Lothar Wiedenmann, der darüber schrieb, und von dem heuer noch ein Buch darüber erscheinen soll. Zwar war die Kohle wohl von Anfang an von «geringer Qualität» und war das Bergwerk in Oggenried defizitär.

Doch das schreckte diverse Betreiber nicht ab: Zwischen Hammerschmiede und Oggenried wühlten sie sich durch den Boden, Loren brachten die Kohle an eine extra gebaute Bahnlinie bei Pforzen. Selbst internationale Anleger interessierten sich für das «braune Gold».

Doch die Qualität konnte nicht kaschiert werden, zudem vernachlässigten die Bergwerksbetreiber die betriebswirtschaftlichen Grundsätze oder brannten in einem Fall sogar mit der Kasse durch, fand Wiedenmann heraus. 1948 war endgültig Schluss mit dem Abbau.

Dennoch kommen nach wie vor zumeist kleinere Flöze bei Bauarbeiten zum Vorschein. «Teilweise liegt die Kohle sogar an der Oberfläche», erläutert Lieb. Aber weder Sammeln noch Abbau sei lohnend, dass habe Wiedenmann bei seinen Recherchearbeiten dargestellt, so Lieb.

Die Familie Angerer hat jedenfalls keinen Nutzen aus dem Kohlefund: Stattdessen musste sie einen Geologen kommen und stärkere Fundamente einbauen sowie eine überdimensionierte Baugrube ausheben lassen.

Aber der gröbste Kohleklotz soll vielleicht erhalten bleiben: Wenn er die Bauarbeiten und den Winter überstehen sollte, will ihn die Familie neben dem neuen Ausstellungspavillon aufstellen lassen.

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