Natur
Biber lässt sich nicht vertreiben - 1000 Tiere im Allgäu

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Seit den 70er Jahren hat sich die Population der Biber in Bayern explosionsartig entwickelt - mit den dazu gehörigen Folgen: Allein im Ostallgäu geht man derzeit von etwa 100 Biberbauten aus. Biberberater Holger Voss informierte dazu die Landwirte.

Wie Voss bei einem Vortrag des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Ebenhofen erläuterte, wurden in den 70er Jahren 120 Biber durch Bund Naturschutz und Freistaat in bayerischen Flüssen eingesetzt. Der Bestand ist seitdem auf etwa 14.000 Tiere angewachsen. 1000 Tiere haben sich aufs Allgäu verteilt. Circa 100 Standorte gälten als problematisch, so Voss.

'Bei allem Verständnis' gegenüber Landwirten, denen der Biber Ärger bereitet, erklärte Voss, dass der Biber als EU-rechtlich geschütztes Tier nicht weggefangen werden könne, sondern ein gemeinsamer Weg mit ihm gefunden werden müsse.

Im Wasser gleiche er einem Torpedo, auf dem Land einer Schnecke, deshalb staue er ganz einfach Bäche ab dreißig Zentimeter Wassertiefe auf und gebe sich aufgrund des begrenzten Lebensraumes auch mit kleineren Gewässern und Entwässerungsgräben zufrieden, so der Berater.

Der Biber gelte als guter Baumeister und lasse sich ohnehin nicht vertreiben, wenn er erst mal angekommen sei, betonte Voss. Besser sei es schützenswerte Bäume mit einer Drahthose zu umgeben, als angeknabberte Bäume gänzlich zu entfernen. Verboten sei es, den fertigen Lebensraum eines Bibers, die Biberburg, zu zerstören.

Man könne aber versuchen, dem Biber sein Bauvorhaben zu verleiden, wenn man es rechtzeitig bemerke.

Nur wenn die öffentliche Sicherheit gefährdet ist, dürfen Biber im Zeitraum zwischen 10. September und 15. März abgefangen und getötet werden – zum Beispiel an Triebwerkskanälen von Wasserkraftanlagen sowie an gefährdeten Stau- und Hochwasserschutzanlagen wie Wehren, Deichen oder Dämmen.

Als 'völlig unbefriedigend' bezeichnete Voss die Entschädigungssumme von insgesamt 350.000 Euro im Jahr, die das bayerische Umweltministerium für betroffene Landwirte zur Verfügung stelle. Zur Frage nach natürlichen Feinden des Bibers nannte Voss Luchs, Bär und Wolf. Diese Tierarten würden heutzutage 'aber wohl andere Probleme' erst schaffen.

Tierschutzgesetze angeprangert

BBV-Kreisobmann Josef Nadler betrachtet nicht nur den Biber 'sehr skeptisch', wie er nach Voss’ Vortrag sagte, sondern auch die generelle Entwicklung von Tierschutzgesetzen. Diese stellten Landwirte 'vor immer mehr neue Herausforderungen'.

BBV-Geschäftsführer Thomas Kölbl empfahl den Landwirten, sich bei Handelsgeschäften und Pachtverträgen Zeit für das Kleingedruckte zu nehmen und die Beratung der BBV-Geschäftsstelle in Anspruch zu nehmen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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