Milchwirtschaft
BBV-Versammlung in Ruderatshofen: Mehr Mut zu Milch!

Über das Thema 'Milchproduktion 2020 – Strategien für Milcherzeuger und Molkereien' sprach Chefredakteur Bertold Achler von 'top agrar' bei einer Versammlung des BBV Ostallgäu in Ruderatshofen. Die Milcherzeugung und -verarbeitung benötige verbesserte Vermarktungsstrategien und mehr Bündelung, stellte dazu Kreisobmann Josef Nadler im Gasthof 'Walburg' fest.

Für Bertold Achler, Chefredakteur des Fachblattes 'top agrar' und Kenner der Milchszene, steht außer Frage, dass die Weltbevölkerung wächst, die Nachfrage nach Nahrungsmitteln steigen wird und die Kaufkraft in den Drittländern zunimmt. Dem Export schreibt er künftig eine sehr hohe Bedeutung zu: 'Die Milch muss raus'. Allerdings sieht er ein Verschieben der Märkte: 'China, Indien, Brasilien und Russland rücken auf.'

Quote läuft aus

Achler ist sich sicher, dass die Milchquote 2015 ausläuft. Dabei stagniere in der EU, dem größten Erzeugergebiet, die Produktionsmenge. Doch könnten mehr Exporte und Weltmarktanteile eine größere Produktionsmenge aufnehmen. Als nicht umsetzbar sieht er eine private Mengensteuerung und eine Molkereiquote.

Am deutlichsten werde das in der Schweiz, wo 30 Erzeugerorganisationen bei 25 000 Erzeugern vergeblich nach erfolgreichen Modellen suchten.

'Sprengstoff' Anbindehaltung

Die Strukturen, günstiges Klima, gute Böden, beste Beratung und Ausbildung sowie eine hohe Motivation bewirken laut Achler, dass Deutschland als Milcherzeugerland noch bedeutender wird. Als 'Sprengstoff' bezeichnete er, dass von 90 000 Milcherzeugern noch 50 000 im Anbindestall arbeiten. Hinzu kämen die 30 Prozent Betriebe ohne Milchleistungsprüfung. Nur 30 Prozent aller Betriebe nähmen eine intensive Beratung in Anspruch. 'Also geben 20 000 bis 30 000 Betriebe das Tempo vor, an denen sich auch die Agrarpolitik orientiert.

' Ferner werde der technische Fortschritt nicht von allen genutzt. Größte Probleme für die Wachstumsbetriebe seien gute Mitarbeiter, anspruchsvolles Management, hohe Tierverluste und Fruchtbarkeitsprobleme. Zehn Prozent der Betriebe hielten über 100 Kühe und produzierten 40 Prozent der Milch in Deutschland. Für 2020 rechnet Achler noch mit 60 000 Betrieben mit im Schnitt 65 Kühen.

Große Molkereien gefragt

Auch auf das Thema Molkerei ging Achler ein: 'Der Milchüberschuss steigt, die staatliche Absicherung sinkt und Privatmolkereien besetzen die Regale'. Für die Genossenschaftsmolkereien sei es von großer Bedeutung, eine gute Geschäftsführung zu haben, die auf Größe, Exporte und Markenartikel setze. Auch müsse die Wertschöpfung aus der Milch gesteigert werden.

Die besten Milchpreise in 2011 zahlten zwei Holländer, Friesland Campina und DOC Knaas, aus. An dritter Stelle liegt die Milcherfassung Uelzena, gefolgt von der MVO Rückholz und Ehrmann.

Die Bauern müssten sich aber trotzdem auf stark schwankende Milchpreise einstellen, warnte Achler: 'Deshalb in guten Zeiten Reserven bilden und Risiko streuen.' Für ihn ist eine Milchproduktion im Vollerwerb ebenso im Zuerwerb mit Mast, Wald, Tourismus oder auch Biogas denkbar. Nebenerwerbsbetriebe mit professioneller Milchviehhaltung kann er sich weniger vorstellen. Biogas funktioniere nur mit Wärmenutzung. Wichtig sei auch, auf den Tierschutz, verpflichtende Weidehaltung, den Laufhof am Stall sowie den Umweltschutz zu achten.

Auch betonte er: 'Wirken Sie rechtzeitig auf die Politik ein, dass in Bayern die Stallbauförderung bleibt und die Nachrüstpflicht für Gülleanlagen nicht kommt.'

Der Chefredakteur von 'top agrar' riet den Bäuerinnen und Bauern, sich Ziele zu setzen, eine Betriebsstrategie für die nächsten fünf bis zehn Jahre zu erstellen und auf Zufriedenheit in Beruf und Privatleben zu achten. Wer im Vollerwerb Milch produziere, müsse:

professionell agieren,

Wachstum und Leistung steigern,

Kosten weiter senken,

Arbeit optimal organisieren,

Kooperationen nutzen,

Fläche sichern,

die Verpächter pflegen,

ein Risiko-Management erstellen

gute Vermarktung beherrschen.

Nach Ansicht Achlers sollte das Milchleistungsziel bei Holsteins 10 000 kg Milch, bei Braunvieh 9500 kg und bei Fleckvieh 9000 kg lauten. Auch dem Rindfleischmarkt gibt er gute Chancen. Sein Fazit: 'Mit der Milchviehhaltung geht es aufwärts, aber die Betriebe müssen sich anpassen und mitbewegen. Haben Sie mehr Mut zu Milch.'

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