Kirchenmaler
Arbeitsplatz zwischen Engelschören und himmlischen Heerscharen

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Besonders andächtig bewegt sich Günter Hörmann nicht zwischen den Kirchenbänken oder wenn er hinter den Altar schlüpft. Aber er ist schließlich auch nicht gekommen, um zu beten. Vielmehr sind Kirchen sein Arbeitsplatz - ein ganz «besonderer», wie der 42-Jährige betont. Ein Arbeitsplatz zwischen Kruzifixen, Engeln und Heiligen. Und das nötigt ihm natürlich eine besondere Ehrfurcht ab.

Als Kirchenmaler und Restaurator sorgt Hörmann dafür, dass das Werk früherer Baumeister und Künstler erhalten wird. Aber wer Kirchen neuen Glanz verleiht, Altarbilder reinigt, Orgeln vergoldet und Gotteshäuser frisch streicht, geht eben anders zum Altar als ein «normaler» Gottesdienstbesucher.

Es waren die Heiligen, die Hörmann schon mit acht Jahren begeisterten. Und wenn er den Blick durch die Kirche in Immenhofen schweifen lässt, wo er derzeit tätig ist, entdeckt man eine deftige Bildsprache: Da trägt der heilige Dionysius seinen abgeschlagenen Kopf durch das antike Paris. Der heilige Erasmus hat eine Seilwinde mit seinen herausgedrehten Gedärmen in der Hand. «Mittlerweile kenne ich schon die meisten», sagt Hörmann über die Begleiter im Berufsalltag.

Doch der Weg führte ihn nicht direkt zu den himmlischen Heerscharen. Zunächst lernte er Maler und Lackierer, schloss 1986 die Gesellenprüfung als Innungsbester ab. Danach konnte er bei einem Kirchenmaler arbeiten. Das genügte ihm nicht. Er besuchte nebenbei die Meisterschule für Kirchenmaler und Restauratoren in München. Und 1995 - ein Jahr nach der Meisterprüfung - machte er sich in Ruderatshofen selbstständig.

Inzwischen hat er in der Branche Fuß gefasst. Bauämter und die Kirchenstiftungen der Diözese Augsburg sind seine wichtigsten Auftraggeber. Zu seiner Tätigkeit gehört ein breites abwechslungsreiches Spektrum.

Rund zwei Wochen beispielsweise brachte er in Immenhofen zu, um die Schäden an Gemälden und Altären genau zu untersuchen und den Plan für die Restaurierung zu entwickeln. «Die Ruhe und Stille, die man in dieser Zeit verspürt, ist ein besonderer Reiz meiner Arbeit», sagt er. Danach nimmt es einige Monate in Anspruch, um die Engel und Heilige wieder auf Vordermann zu bringen. Dabei arbeite er aber nicht mehr wie seine Kollegen früherer Jahrhunderte, so Hörmann. So sollen die Künstler, die in Marktoberdorf St. Martin ausmalten, nach jeder Kalkschicht bei den Fresken die Trockenzeit in der Wirtsstube verbracht haben: Jede Schicht trocknet mindestens einen Tag; bis die Pigmente decken, muss man vier bis siebenmal streichen.

Doch auch heute noch üben sich die Kirchenmaler in Geduld - und in großer Sorgfalt. Denn die oft riesigen Fresken und Altargemälde der Kirchen werden mit Radierschwämmchen gereinigt. Dass sich dabei eine intensive Beziehung zwischen Handwerker und dem zu sanierenden Objekt aufbaut, versteht sich von selbst. «Die Künstler arbeiteten früher sehr genau, mit viel Geschick und Zeit», erkennt Hörmann die Leistung alter Meister an.

Das gilt auch für Hörmanns weltliche Einätze, die meist ebenso ungewöhnlich sind, wie die in Sakralbauten. Heuer war er beispielsweise im erzbischöflichen Palais in München im Einsatz, wo er mit einem Diplom-Restaurator ein Fresko in der Wohnung von Erzbischof Reinhold Marx restaurierte.

Schon mehrfach kam er auch mit dem bayerischen Königsgeschlecht eng in Kontakt: Nach einer Mitarbeit bei der Fassadensanierung von Schloss Hohenschwangau durfte er heuer auf 1866 Metern Höhe die Ölfarbe am Jagdhaus Ludwigs II. am Schachen bei Garmisch mit Ölfarbe erneuern. Gerüst und Material transportierte anfangs ein Quad zur Baustelle. Hörmann und seinTeam übernachteten im Berggasthof. Um zusätzliches Material zu holen, stieg Hörmann am Wochenende drei Stunden vom Berg herab. Dennoch ein besonderer Höhepunkt für Hörmann, der nicht nur die Heiligen und ihre Legenden kennt, sondern auch den sagenumwobenen Märchenkönig verehrt.

Hörmann sieht seine Arbeit als Beitrag zum Erhalt seiner Heimat. Denn nirgendwo sonst gebe es so viele schöne Kirchen wie in Bayern, weshalb in München lange Zeit die einzige deutsche Meisterschule für Kirchenmaler war. Seine Heimat hält er auch in Fotografien und Bildern fest, bei denen er nicht den Pinselstrich früherer Meister nachzeichnet, sondern selbst kreativ ist. Und natürlich kommen auch seine beiden Söhne, fünf und sieben Jahre alt, gerne in die Werkstatt - nur helfen dürfen sie (noch) nicht überall.

 

 

 

 

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