Wochenende
Allgäu-Orient-Rallye: Kneippstadt Füchse 99 aus Bad Wörishofen auf großer Fahrt nach Baku

Wenn sich in Oberstaufen 330 alte Fahrzeuge an der Startlinie aufreihen, es überall nach Benzin riecht und die letzten Abschiedstränen in den Augenwinkeln getrocknet sind, beginnt die Allgäu-Orient-Rallye 2012. Unter den 660 Teilnehmern sind sechs Männer aus Bad Wörishofen, die das Team 'Kneippstadt Füchse 99' bilden.

Das Team aus dem Unterallgäu fährt heuer zum ersten Mal bei der Allgäu-Orient-Rallye mit. Teamleiter Ralf Wessel erklärt, wie es dazu kam: 'Wir haben uns letztes Jahr den Start angeschaut und wir haben alle gesagt: Da müssen wir unbedingt mitmachen! Es war einfach irre, wie die Autos über die Startrampe rüber sind und was für eine Gaudi dabei war.'

Zittern bis zur letzten Minute

Die Teilnahme der 'Kneippstadt Füchse 99'an der Rallye blieb bis zur letzten Minute am Tag des Auswahlverfahrens ungewiss. Am Ende fiel das Los auf die Startnummer 99 von 100 – bei über 400 Anmeldungen. Eine Prise Glück war also auch dabei.

"Bis 2010 hat die Leitung der Allgäu-Orient-Rallye am Zielort alle Platzierungen vergeben – von eins bis hundert. Die Teams haben sich Jahr für Jahr beschwert, dass ihr Roadbook, das auch in die Wertung miteinfließt, doch besonders schön und ausführlich gestaltet und geschrieben war. Darauf haben die Organisatoren reagiert und nominieren seit 2011 nur noch die ersten drei Plätze, der Rest fährt kollektiv auf Platz vier", erklärt einer der „Kneippstadt Füchse 99“ Andreas Sontheimer grinsend. Das Team hat sich deshalb vorgenommen, unbedingt auf Platz vier zu fahren.

Der Weg ist, wie es so schön heißt, das Ziel. Darin sind sich die sechs Bad Wörishofener einig. Stefan Mayer, im richtigen Leben Industriemechaniker, erklärt den Sinn hinter der 6.500 Kilometer langen Fahrt: "Die Allgäu-Orient-Rallye ist eines der letzten automobilen Abenteuer, das es noch gibt. Wer den Motorsport mag, weiß, wovon ich spreche. Das Erlebnis der Fahrt abseits von Autobahnen steht für uns als Erst-Teilnehmer an erster Stelle. Der karitative Hintergrund der Allgäu-Orient-Rallye kommt erfreulicherweise noch dazu."

Der Ablauf der Allgäu-Orient-Rallye

Traditionell ist der erste Platz mit einem Kamel dotiert. Das nehmen die Gewinner aber nicht mit nach Hause, sondern übergeben es vor Ort für einen guten Zweck. Letztes Jahr beispielsweise bekam das Kamel ein junger Beduine, der sich davon eine Existenz aufbauen konnte. Auch auf der Fahrt müssen die Teilnehmer der Rallye Aufgaben lösen, die einen karitativen Zweck verfolgen.

Jedes Team nimmt am Start ein Musikinstrument mit, das sie dann einer Musikschule für Kinder in Istanbul überreichen müssen. Ein Foto mit einem Bürgermeister hier, eine beglaubigte Urkunde dort – Das Roadbook ist der Beweis für erfolgreich absolvierte Aufgaben und durchfahrene Länder.

Die Fahrzeuge: alt, aber bewährt

Das Team fährt mit den drei Autos, einem Ford Transit (Baujahr 1982), einem Mercedes E 220 T (Baujahr 1992) und einem Mercedes E 300 T (Baujahr 1994). Das Reglement der Allgäu-Orient-Rallye sieht vor, dass die Autos entweder älter als 20 Jahre sein müssen oder weniger als 1.111,11 € gekostet haben. Die 'Kneippstadt Füchse 99' haben ihre Autos natürlich nach der Anschaffung auf Herz und Nieren geprüft und - wo notwendig - Reparaturen vorgenommen. Teilweise auch vorsorglich, denn auf den Tausenden Kilometern Rallyestrecke sind Werkstätten mit Ersatzteillagern eher selten. Für eventuelle Pannen ist eine Mindestausstattung an Ersatzteilen ist daher unverzichtbar.

Einen groben Plan für den täglichen Ablauf haben die 'Kneippstadt Füchse 99' schon ausgearbeitet. Die drei Autos fahren immer im Konvoi und halten den Kontakt untereinander per Funk aufrecht. Außerdem wechseln sie jeden Tag die Autos und die Zweier-Gruppen – diese Maßnahme soll das 'Team-Klima' harmonisch halten.

Bei solch einer Fahrt wollen die 'Kneippstadt Füchse 99' auch Neues, Unbekanntes entdecken. Sie versuchen mit den Einheimischen in Kontakt zu treten, wollen erfahren, wie die Menschen leben, und auch selber schmecken, was man dort so isst. Eine Vorschrift, die jedes Team befolgen muss, sind die Tageskilometer: 600 sollen es durchschnittlich sein. Ansonsten würde der Zeitrahmen der Rallye, dieses Jahr vom 28. April bis 12. Mai, gesprengt.

Jeder bringt etwas ein

Die Unterallgäuer haben eine lange Vorbereitungszeit hinter sich. Seit Anfang Juli letzten Jahres schrauben die 'Kneippstadt Füchse 99' an ihren Autos herum und organisieren das 'Drumherum'. Jeder bringt sein 'Fachwissen' in das Team ein: Manfred Müller, von Beruf Automechaniker, hat die drei alten Autos hergerichtet. Elektriker Andreas Sontheimer kümmert sich um die improvisierte Stromversorgung.

Teamleiter Ralf Wessel, von Beruf Einkäufer, schreibt fleißig Listen. Stefan Mayer, Industriemechniker, und Ingo Börner, Lokomotivführer, bringen beide ihr technisches Know-How in die Gruppe ein. Und Christian Martin, in Berlin tätiger Journalist, übernimmt die Pressearbeit von unterwegs.

Vor den sechs Männern liegt eine spannende Zeit. all-in.de wird regelmäßig berichten. Am 28. April geht die Rallye los. Wenn die 'Kneippstadt Füchse 99' mit ihren zwei alten Mercedes und dem Ford über die Startrampe in Oberstaufen donnern, die Zuschauer jubeln und zum Abschied winken, drückt bestimmt ganz Bad Wörishofen die Daumen.

Autor:

Larissa Pucher aus Kempten

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