«Klang und Raum»
Abschlusskonzert der Meisterkurse im Kloster Irsee

Noch vor dem großen Finale des Festivals «Klang und Raum», gab es im Kloster Irsee bereits die «kleine» Eröffnung: das Abschlusskonzert der Meisterkurse für Alte Musik unter der bewährten Leitung von Elizabeth Wallfisch. Der Charme dieser Konzerte liegt zweifellos in einer gewissen Nicht-Planbarkeit.

Sie entwickeln sich aus der gemeinsamen öffentlichen Probenarbeit und sind im positiven Sinne echte Überraschungspakete. Thema der diesjährigen internationalen Meisterkurse war Johann Sebastian Bach. Im voll besetzten Festsaal hing ein Hauch von Wehmut in der Luft, als die Musiker aus 15 Nationen zur Tat schritten.

Auch die Werkauswahl war sacht auf Abschied getrimmt: Zu Beginn erklang die Kantate << Bleibe bei uns, denn es will Abend werden >> (BWV 6). Nach einer samtigen, in den tiefen Streichern manchmal wattigen, aber insgesamt gut strukturierten Einleitung durch die 15 Instrumentalisten zeigte der siebenköpfige Kammerchor mehr Fülle und Substanz, als es seine Größe vermuten ließ.

Chor und Orchester agierten in sich sehr homogen - nur beim Übergang in die Fuge beim Eingangschor war kurzzeitig die rhythmisch ordnende Hand von Wallfisch nötig.

Die solistischen Einzelleistungen waren - wie auch in der Kantate << Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir >> (BWV 131) als Schlussstück sowie in Auszügen aus dem << Weihnachtsoratorium >> und der h-Moll-Messe - erfreulich bis hochgradig überzeugend.

Die Sopranistin Miglena Pavlova beeindruckte allein schon dadurch, dass sie das gesamte Konzertprogramm auswendig sang, was ihrer direkten, mädchenhaften Stimme mit auch satten tiefen Nuancen entsprechend viel Raum für innige, sensible Gestaltung bot. Speziell im << Laudamus te >> aus der h-Moll-Messe korrespondierte die Sängerin gut mit dem Violinsolo Wallfischs.

Steuart Pincombe stahl der Sängerin fast die Show in << Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ >>. Der Cellist bewältigte die teilweise halsbrecherischen Läufe elegant, absolut sicher und klar akzentuiert - vor allem aber mit einem göttlichen Mienenspiel. Wie im << Prelude >> aus der Suite Nr. 4 in Es (BWV 1010) verschmolz er regelrecht zu einer Einheit mit seinem Instrument.

Sehr kernig, dunkel, fast maskulin im Timbre kam Marie-Sophie Richters Alt über die Rampe. Jan Kuschel gefiel in der Tenor-Arie aus << Bleibe bei uns, denn es will Abend werden >> vor allem mit einer ausgeglichenen, geschmeidigen Mittellage. Martin Popps Bass zeigte sich erdig, substanzreich und prägnant.

Nicht ganz in den Kalender passte << Ich will nur zu Ehren leben >> aus dem << Weihnachtsoratorium >>, von Martti Anttila mit seinem Heldentenor hell, aber mit kleinen Unschärfen gesungen.

Ingrid Lindström und Stephan Dollansky spielten die Violin-Soli überlegt, vorwärts preschend und impulsgeladen.

In der Schlusskantate galt es, die Oboe und das Fagott durch Streicher zu << ersetzen >>: Amanda Babington (Violine) erledigte diese Aufgabe sauber und gekonnt, dachte gelegentlich vielleicht nicht << bläserisch >> genug. Viktor Töpelmann gelang es hingegen perfekt, seinem Cello den treffenden, knackig-fagottesken Anstrich zu geben.

Ein Glanzlicht an diesem Abend war zunächst Jakob Lehmanns Interpretation der Violin-Partita Nr. 1 in h-Moll, die er sehr verhalten, zart und intellektuell ausdeutete, ohne opulente Klangfülle und vor allem ohne Brüche zwischen den verschiedenen << Etagen >> des Stücks. Absoluter << Knaller >> des Abends war aber das 3.

Brandenburgische Konzert, das die Streicher mit umwerfender Leichtigkeit, Lässigkeit und einem berauschenden Swing hinlegten, der dem Publikum trotz der Bekanntheit des Werks abwechselnd heiße und kalte Schauer über den Rücken jagte.

Zuvor hatte man als eine Art gelungenes gruppendynamisches Experiment beobachten dürfen, wie Wallfisch mit betörender Unkompliziertheit mitten im Spiel ihre Violin-Kollegen anfeuerte und locker parlierte, als ob es um << Bruder Jakob >> als Einspielstück ginge. Da waren Könner nicht nur bei der Arbeit. Die hatten auch ihren Spaß.

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