Heimatreporter-Beitrag: Weekend to go!
75 Cent Umsatz für einen Liter Milch?

Hallo und Grüßt Euch.

Irgendwie, nach dem der letzte Bundeslandwirtschaftsminister die Milchquote herausgenommen hatte, scheint der Wurm in der Landwirtschaft zu sein.
Und, wieso muss sich der Milchpreis eigentlich, nach dem Weltmarktpreis richten?
Verstehe ich nicht.
Ein Arbeiter in China verdient derzeitlich ca. 500 € im Monat, also nur ein Drittel dessen was man hier verdienen muss um überleben zu können und für ein Chinesen müssen 36,02 Cent je Liter Milch ein wahrer Geldsegen sein. Auch weiß ich nicht in wievielen Drittstaatländern auch noch Milch produziert wird, aber wenn ich mir den letzten Durchschnittspreis von 36,02 Cent (Jahr 2018) je Liter Kuhmilch anschaue, müssen das ziemlich viele sein.
Nein, nein, nicht nur irgendwie, sondern damit hat man den Milchbauer und Landwirt zum „Restgeldempfänger“ gemacht und das auch noch als Produzenten!!!
Warum erinnert mich das gerade an das Kinderspiel „Blinde Kuh“?
Vielleicht weil ein Milchbauer jeden Tag neu nachschauen muss, wieviel Geld es heute für ein Liter Milch gibt?
Das ist mehr nur als eine fürchterliche Situation, wenn z.B. ein Spekulant der nur in seine eigene Tasche wirtschaftet, ohne Zustimmung und Handschlag dafür sorgt, dass dem Landwirten und Milchbauern zum Jahresende 6.000 oder 10.000 € an Umsatz fehlen werden, ohne zuvor von Jemanden darüber aufgeklärt worden zu sein, wie man mit dem finanziellen Loch über das Jahr kommen soll, alias: „Nun siehe mal zu wie Du zurechtkommst!“.
Was dann beginnt ist absolut wahnwitzig.
Um die laufenden Kosten irgendwie auffangen zu können, fangen die Landwirte und Milchbauern an zu expandieren und schaffen sich mehr Kühe, Kraftfutter inklusive an und somit wird der Weltmarkt mit Milch geflutet und je mehr Milch auf diesem Markt vorhanden ist, je weiter sinkt der Milchpreis – Eine Teufelsspirale.
Was dann folgt ist das typische „Die sollten Mal“ Zuweisungen.
Die Landwirte und Milchbauern schimpfen über die Verbraucher, weil „Die sollten Mal“ freiwillig bereit sein für einen Liter Milch 1,- € und mehr auszugeben und die Verbraucher schimpfen über die Landwirte und Milchbauern und über all die finanziellen Förderungen die die Landwirte und Milchbauern erhalten und „Die sollten dafür Mal“ ökologische Bioanbau betreiben.
Was dann wieder keiner versteht, ist, dass der einzige der darüber wirklich lachen kann, der Spekulant selbst ist, weil dessen Kassen klingeln, oder: „Wenn 2 sich streiten…..“

Vielleicht sollten Wir Uns mal wieder an Herrn Karl Hirnbein der hier im Allgäu die Milchwirtschaft eingeführt hat erinnern, weil man damals bezogen auf den Flaks- und Hanfanbau vor genau derselben Situation stand.
Einmal im Jahr hatte man eine Ernte und mit all den Ernten von allen Landwirten entstand das Überangebot, worüber die Großhändler den Preis gnadenlos nach unten drückten.
Hatte ein Landwirt dann seine Ernte an einem Großhändler verkauft, dann war das das Geld mit dem Er das ganze Jahr überleben musste. Nebenverdienst? Fehlanzeige!
Karl Hirnbein erkannte damals, dass wenn man nebst dem Flaks- und Hanfanbau ein zusätzlichen und täglichen Geldfluss wie die Milchproduktion einführen würde, dieses das einzig wirksame Mittel gegen die Ausbeute durch die Großhändler ist.
Gut, so ein wirksames Gegenmittel haben Wir heute in Bezug auf die Milch leider (noch) nicht außer man würde Nutzhanf mal näher in Betracht ziehen und war`s das schon mit Karl Hirnbein?
Nein keines Falls!
Denn die wahre Schwierigkeit dieser Unternehmung lag damals im Vertrieb und nicht in der Milchproduktion selbst und da sollte man einmal genauer hinschauen.
Genauso wie auf dem Punkt, dass wenn der Milchmarkt durch den Wegfall der Milchquote ein deregulierter Markt ist und fast Jeden die Möglichkeit bietet, die eigenen Marktgesetze zur Anwendung kommen zu lassen, man dieses nicht unbedingt gleich als etwas negatives ansehen muss.
Denn positiv betrachtet man dazu auch positive Marktbedingungen und ein Milchpreis von 75 Cent als Umsatz schaffen kann, ohne dass der Verbraucher tiefer in die Tasche greifen muss.

Um überhaupt positive Marktbedingungen schaffen zu können, bedarf es für die Landwirte und Milchbauern eine zugewiesene Abnahmemenge zum Preis von 75 Cent je Liter um die Sicherheit gewährleisten zu können, das bei so und so vielen Kühen und Milch auch so und so viel Geld gesichert ins Hause kommt. Also Geld mit dem man immer rechnen kann.

Die Gemeinde Biessenhofen zum Beispiel besteht aus mehr als 4.000 Einwohnern und man müsste zuvor einfach mal wissen, wieviel Liter Milch trinkt denn Jeder in der Woche?
Auch gesellt sich dazu die Frage, wieviele Landwirte und Milchbauern es gibt und ganz wichtig wieviel Milch in der Gemeinde produziert wird?
All das kann man über eine Umfrage erfragen.

Wenn z.B. alle Bürgerin und Bürger der Gemeinde Biessenhofen 2.000 Liter wöchentlich verzehren (Es ist nur ein Beispiel!!) und von den Landwirten und Milchbauern werden 2.000 Liter Milch je Woche produziert, dann kann man von einem „gesättigten Markt“ sprechen, wo kein Verbraucher und auch kein Landwirt oder Milchbauer auf den Gedanken kommen würden, als Verbraucher viel mehr Milch zu trinken oder als Landwirt oder Milchbauer mehr Milch zu produzieren, um darüber den Milchpreis senken zu können.
Betrachtet man den Preis von 75 Cent, dann ist das nicht bedeutend mehr, was man als Verbraucher bezahlt, wenn der jetzige Preis im untersten Preismilieu derzeitlich bei ca. 63 Cent je Liter mit 1,5 Fett und ca. 70 Cent je Liter mit 3% Fett im Supermarkt liegt.

Worauf es aber wie damals bei Karl Hirnbein drauf ankommt, ist das Vertriebssystem damit der Liter Milch auch beim Kunden ankommt.
Genauso wie es doch heute vollkommen normal ist, dass Morgens die Zeitungen nach Hause angeliefert werden, genauso würde ich es für ganz normal halten, wenn man mir auch die Milch anliefert.
Verzeihen Sie bitte und ich finde solche Projekte wirklich gut, wenn z.B. in Apfeldrang ein Milchautomat steht, wo ich als Verbraucher dann auch wirklich weiß, dass mein Geld den Landwirt oder Milchbauern erreicht, nur rechnet sich das für mich leider nicht und ökologisch endet das in einer Katastrophe, wenn Jeder sich seinen Liter Milch dort einkauft und so wie ich ca. 15 km (hin und zurück) mit dem Roller zurücklegen müsste, nur um mir einen Liter Milch dort einkaufen zu können.
Mein Roller verbraucht ca. 3 Liter auf 100 km und wenn ich von Montags bis Freitags jeden Tag ein Liter Milch dort einkaufen würde, dann ergäbe das 300 km die ich im Monat fahren müsste und bei 1,21 € je Liter Spritpreis und 9 verbrauchte Liter Kraftstoff, mich jede Fahrt 54 Cent pro Tag kosten würde und somit die Milch auch um 54 Cent teurer wäre.
Von dem was ich da an CO² in die Luft blase mal ganz abgesehen.

Was man für einen regulierten Markt benötigt ist ein abgestecktes Gebiet, wo so und so viele Landwirte und Milchbauern an so und so viele Verbraucher die Milch für den Preis von 75 Cent verkaufen können / sollen / dürfen.
Die Voraussetzung dafür wäre aber, dass der Verbraucher sich eine Milchkanne vor die Türe stellt, was bei einem täglichen Liter Milch 365 Tetrapacks im Jahr als Sondermüll erspart und die Landwirte und Milchbauern müssten in einer Zusammenarbeit, vielleicht mit einer Ape und 1000 Liter Gittertanks die Milch einsammeln und auch ausfahren.
Allein die Tatsache, dass ich mir mit meinen 54 Jahren hätte über 10.000 Tetrapacks ersparen können, um damit nicht die Umwelt zu belasten, ist für mich überzeugend genug, sich mal eine Milchkanne anzuschaffen, um sich die Milch nach Hause bringen zu lassen.
Was aber die Landwirte und Milchbauern auf keinen Fall machen dürfen, ist, sich schon vor Schaffung solch eines Projektes sich wegen dem „Wer bekommt am meisten?“ Problematik in die Haare zu bekommen. Denn auch wenn Sie den anderen Landwirt oder Milchbauer als Ihren Konkurrenten ansehen, dann sollten Sie sich vorher erst mal ganz genau umschauen, wo Sie sehr schnell feststellen werden, dass all Ihr Landwirte und Milchbauern in einem Boot sitzt.
Säuft das ab, dann ertrinken alle.
Allein die Tatsache, dass mit der Verdoppelung des Verkaufspreises sich die Betriebskosten, Aufwand und Zeit um die Hälfte reduzieren lassen, sich aber die Milchproduktion bei einer Kuh genauso wie die Ländereien sich nicht vergrößern lassen, ist die Voraussetzung für einen ökologischen Anbau.
Zwar weiß ich, dass eine Kuh die im Normalfall 15 Liter pro Tag produziert, es auch noch die Turbokühe gibt die vielleicht 30 Liter produzieren, nur versterben diese Kühe auch viel früher, wo nach Aussage des B5 – Aktuell Radio und der Sendung „Aus Umwelt und Landwirtschaft“ (jeden Sonntag) diese Turbokühe gerade einmal 8 Jahre alt werden, da die Biologie der Kuh dafür einfach so nicht von Gott geschaffen wurde.
Das die Kühe unter diesem Zustand leiden und das für den Landwirt und Milchbauer eine absolute Minusrechnung ist, erkennt man auf den ersten Blick gar nicht – ist aber so.
Jedenfalls berichten die Tierverbrennungsanlagen über einen starken Anstieg von toten Kühen, die eigentlich im besten Lebensalter verstorben sind.
So wie ich auch hörte, kann eine normale Kuh 15 – 20 Jahre alt werden und produziert wenn man das mal gegen einer Turbokuh zum Lebensalter gegenrechnet, sogar mehr Milch als eine Turbokuh. Hingegen ist eine normale Kuh im Einkauf weit aus kostengünstiger als eine Turbokuh.
Und was die Vergrößerung der Ländereien betrifft, die kann man auch nur damit größer machen, indem man einen anderen Landwirt oder Milchbauer seine Ländereien abkauft oder pachtet – aber größer wird auch da nichts, außer die Betriebskosten.

Was unter den jetzigen Bedingungen jedenfalls nicht möglich ist, ist dieses „Rettet die Bienen“ Projekt, wo die Landwirte und Milchbauern Ländereien abgeben und gleichzeitig dieselbe Menge an Geld erwirtschaften müssen. Denn erst wenn ein Landwirt oder Milchbauer erkennt, dass sich die Bewirtschaftung durch einen erhöhten Milchpreis, es sich betriebswirtschaftlich einfach nicht mehr rechnet, die Ackerflächen durch Monokulturen zu bewirtschaften, erst dann kann Er diese auch für die Bienen zur Verfügung stellen.
Vor dem aber nicht.

Eigentlich ist dafür die Bundespolitik verantwortlich, nur arbeiten die hauptsächlich für die Lobbyisten und Spekulanten, wo über sehr große Mengen es vollkommen ausreichend ist, ein Zehntel, hundertstel oder tausendstel Cent an Gewinn einzufahren, um darüber mehr Geld zu erwirtschaften als der Landwirt oder Milchbauer eines Dorfes.
Die Folgen, also das ein Landwirt oder Milchbauer min. 50 Cent je Liter verdienen muß, aber nur 36,02 Cent erhält, schlagen sich in der Zerstörung der Ländereien durch Monokulturen und nicht artgerechte Tierhaltung nieder, wo man zum Schluss die Landwirte und Milchbauern zu den Schuldigen erklärt, obwohl Jeder von Uns in solch einer Situation genauso handeln würde wenn sich z.B. der Monatslohn um ca. ¼ reduzieren würde.
Wer´s nicht glaubt, das auch er so handeln würde, sollte sich Mal mit dem Zitat:
„Wenn nichts mehr zu Essen auf den Tisch kommt, dann ist es mit der Moral vorbei“ auseinander setzen.
Da man aber weiß, dass die Schuldfrage der Verbraucher bei den Landwirten und Milchbauern sucht und die Landwirte und Milchbauern die Schuld beim Verbraucher obwohl der Verbraucher sowieso zwischen 65 und 75 Cent je Liter im Supermarkt bezahlt – also das Geld auch vorhanden ist – streitet man lieber über die Schuldfrage als sich Gedanken über einen regulierten Markt zu machen, damit das Geld auch dort ankommt wo es auch für einen ökologischen Anbau benötigt wird – bei den Landwirten und Milchbauern.
Vielleicht sollten Wir damit mal aufhören und nachhaltige Märkte schaffen die ein gesichertes Einkommen ermöglicht ohne dabei ständig expandieren zu müssen.
Und, so schwer ist es auch nicht dieses umzusetzen. Steck ein Gebiet ab wo so und so viele Verbraucher so und so viel Milch trinken und sorge mit einem eigenen Vertriebssystem dafür, dass der Verbraucher auch seine Milch zu fast denselben Preis wie im Supermarkt bekommt.
Für Außenstehende die auch in den Markt mit Billigangeboten eindringen wollen, besteht dann keine Chance mehr, da die Verbraucher wissen, dass mit dem Erwerb eines Liter Milch, dieses Geld auch bei den Landwirten und Milchbauern ankommt und wieder in die Region einfließen wird und solche Projekte wie „Rettet die Bienen“ erst ermöglichen kann.
Wir stehen derzeitlich an einem Scheideweg, wo auf Dauer die Landwirtschaft so nicht mehr weiterbetrieben werden darf bzw. sollte, nur muss man zuvor von der Gesellschaft Rahmenbedingungen für die Landwirte und Milchbauern schaffen, die ein gesichertes Einkommen erst ermöglicht, um weitere Projekte wie „Rettet die Bienen“ umsetzen zu können. Ach und das noch zum Schluss.
Landwirte und Milchbauern müssen sehr naturverbundene Menschen sein, weil sie einfach die Natur lieben und viel mehr als andere Menschen ein Interesse daran haben, dass die Natur nicht zerstört wird, weil man weiß, stirbt die Natur dann versterben die Landwirte und Milchbauern gleich mit. Hingegen muss der Verbraucher endlich mal verstehen, dass Er mit ein und demselben Geld – also 75 Cent – die eigentliche Macht besitzt, also Wen er mit diesen 75 Cent fördern will. Gibt er es den Landwirten und Milchbauern dann investiert er damit auch in den ökologischen Anbau bzw. in Projekte die der Natur helfen sollen wieder auf die Füße zu kommen. Kauft man sich aber den Liter Milch im Supermarkt, dann finanziert man nur die dazwischenliegende Kette bis der Liter Milch im Supermarkt landet, ohne das der Landwirt oder Milchbauer auch nur einen Cent mehr erhält.
Karl Hirnbein Wir können noch ne ganz Menge von Dir lernen, gerade heute!!!
Denk mal darüber nach.
Bis demnächst Thomas Borchert

Autor:

Thomas Borchert

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