Theater
DIE PHYSIKER

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Redaktioneller Hinweis: Dies ist ein Heimatreporter-Beitrag. Er spiegelt die Meinung des Verfassers wider.

Komödie in zwei Akten von Friedrich Dürrenmatt
Tournee-Theater Thespiskarren
Veranstalter: Kulturring Kaufbeuren

Mit Hellena Büttner, Peter Bause, André Vetters, Stephan Bürgi,
Regula Steiner-Tomic, Christian A. Hoelzke, Raimond Knoll,
Tina Rottensteiner, Katrin Schwingel
Regie: Herbert Olschok, Ausstattung: Alexander Martynow

In dem Schweizer Sanatorium Les Cerisiers werden zwei Krankenschwestern ermordet, angeblich von Patienten erdrosselt. Auf den ersten Blick erscheinen die Verdächtigen recht harmlos: Der eine hält sich für Albert Einstein, der andere für Sir Isaac Newton und der dritte, Johann Wilhelm Möbius, wird von Visionen von König Salomon heimgesucht. Doch unter dem geschärften Blick des mit dem Fall betrauten Inspektors Voß offenbart sich immer mehr, dass hier nichts so ist, wie es den Anschein hat. In Wahrheit hat sich der Physiker Möbius in das Sanatorium zurückgezogen, um die Welt vor den Konsequenzen seiner Entdeckungen zu schützen. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse hätten katastrophale Folgen für die Menschheit. Doch wie lange kann er die Verbreitung seiner Forschungsergebnisse und Ideen aufhalten, ihren Missbrauch verhindern? Seine Gegenspielerin ist Mathilde von Zahnd, die Besitzerin und Chefärztin des Sanatoriums, die bereits Kopien der Aufzeichnungen Möbius’ erstellt hat und mithilfe seiner Formel die Weltherrschaft erringen will. Mit mörderischer krimineller Energie macht sie das Sanatorium zur unentrinnbaren Falle, und so treibt die Handlung, allen Bemühungen Möbius‘ zum Trotz, unaufhaltsam auf eine Krise zu.
Dürrenmatts Komödie wurde zu einer Zeit geschrieben als ein allgemeines Bewusstsein dafür entstand, dass die Zerstörung der gesamten Erde als Ergebnis fehlgesteuerter Politik und Technologie möglich geworden war. Die düstere Vision Friedrich Dürrenmatts hat auch Jahrzehnte später nichts von ihrer Brisanz verloren.
Das Publikum im, nach Pandemiebeginn wieder einmal gut besuchten, Stadttheater war zu Anfang der Vorstellung noch leicht amüsiert über die Irren im Sanatorium. Zum Schluss des Stückes bleiben die drei Physiker zurück, mindestens genauso angestrengt nachdenkend wie das Publikum. Als einzige Irre in dieser Aufführung hatte sich die Chefärztin erwiesen, wobei bei dem Ein- oder Anderen wohl Assoziationen zur heutigen Lage der Weltpolitik entstanden. Zum Schluss bejubelt das Publikum die Vorstellung mit langanhaltendem rhythmischem Applaus.

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