Heimatreporter-Beitrag
Vom Geldvermehrungsinstitut zur Geldverschwendungsbank?

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Freundlich wurde ich beim letzten Onlinebanking-Login begrüßt: Ich könne jetzt NOCH mehr von meiner VR-Bank profitieren. Wenn ich mein Konto mit der Firma „OptioPay“ verknüpfe, erhielte ich bei jedem Zahlungseingang Einkaufsgutscheine, deren Wert deutlich über dem Wert des Zahlungseingangs liege (z. B. 120 EUR Gutschein bei 100 EUR Zahlungseingang).

Klingt interessant? Darüber will ich mehr herausfinden. Erhält diese Firma etwa Zugang zu meinem Konto? Wo bleibt da der Datenschutz?
Ein Anruf bei der Bank ist ernüchternd: Die Mitarbeiterin muss sich erst einmal erkundigen und ruft zurück, nur, um mir mitzuteilen, dass sie eigentlich immer noch nicht recht viel mehr wisse, aber ich mich gerne an den Kundenservice von OptioPay wenden könne, unter folgender Nummer...

Hört sich das vertrauenserweckend an? Wenn meine Bank mich ermuntert, meine Bankdaten einem externen Dienstleister zu überlassen, sie mir aber nicht mitteilen kann, welche Zugriffsrechte dieser dann genau erhält?

Nach einem Anruf bei OptioPay und gezielter Recherche im Internet weiß ich mehr: Das „FinTech-Start-up“ kann nicht nur nachvollziehen, wann und wie oft ich mich in mein Konto einlogge, sondern auch sämtliche Kontoeingänge sehen. Die Kontoinformationen werden analysiert, „um den Kunden ein möglichst passendes Angebot zu präsentieren. „Weisen also zum Beispiel viele Kontobewegungen darauf hin, dass ein Kunde besonderes Interesse an Mode hat, werden wir ihm vor allem Gutscheine unserer Fashion Retailer […] präsentieren,“ so ein OptioPay-Mitarbeiter in einem Interview.

Auf den ersten Blick eine „Win-Win-Situation“: Die gründlich durchleuchteten Kunden erhalten dank Algorithmen einen Bonus für ihr Geld, die Bank kassiert eine Umsatzprovision und die Händler verdienen ebenfalls. Ein „Mehrwertprodukt“ nennt man das.

Auf den zweiten Blick finde ich das Modell total daneben. Gerade eine genossenschaftliche Bank, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, nachhaltig zu wirtschaften und das Geld ihrer Kunden zu mehren verrät jetzt in Zeiten der Niedrigzinsen ihre Ideale und motiviert ihre Kunden, einmal eingenommenes Geld sofort wieder auszugeben. Konsum, Konsum, Konsum? Befeuert wird das Ganze durch die zeitlich befristete Gültigkeit der Gutscheine: ein Schnäppchen, aber nur für 48 Stunden. Greif zu, kaufe, denke nicht darüber nach, ob das sinnvoll ist oder du es dir leisten kannst.

Der Genossenschaftsgründer F. G. Raiffeisen hatte es im 19. Jahrhundert den Menschen ermöglicht, zu sparen und Vermögen anzuhäufen. Ein Glück, dass er nicht mitansehen muss, was aus seiner Idee geworden ist. Zwei Dinge stören mich an dieser Zusammenarbeit. Erstens passt es nicht zusammen, dass wir immer engagierter über Nachhaltigkeit diskutieren und eine einst so solide Bank zugleich solch unkritischen Konsum fördert. Zweitens wird hier das für eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft so wichtige Bankgeheimnis leichtfertig auf dem Altar des Profits geopfert.

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