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Wölfe im Allgäu

Raubtier
Drei Schafe in Immenstadt gerissen: War es wieder der Wolf?

Alexandra Hauf und ihre Tochter Magdalena vermuten, dass ein Wolf ihre Schafe gerissen hat.
  • Alexandra Hauf und ihre Tochter Magdalena vermuten, dass ein Wolf ihre Schafe gerissen hat.
  • Foto: Matthias Becker
  • hochgeladen von Pia Jakob

Für Schafhalterin Alexandra Hauf besteht kein Zweifel: „Das war der Wolf.“ Drei ihrer 13 Schafe wurden in der Nacht zum Montag oder am Vormittag gerissen und ausgeweidet. Die Kadaver haben Haufs am Nachmittag auf der Wiese und im benachbarten Wald gefunden. „Wir haben uns kaum noch getraut, in den Wald zu gehen“, sagt die Nebenerwerbslandwirtin. Die neun Monate alten Lämmer „Blacky“ und „Flecky“ sind tot. Der ebenfalls gerissene halbjährige Bock habe noch keinen Namen gehabt, erzählt die Schafhalterin. Sie sagt: „Das hat uns schockiert und gelähmt.“ Jedes Tier sei bei ihnen ein Mitglied der Familie.

So wie ihre 19-jährige Tochter habe sie vergangene Nacht kaum schlafen können, schilderte die Frau gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Ihre Schafe weiden jetzt in der Nähe der Mittagbahn-Talstation. „Ich hoffe, dass sie da sicher sind.“ Das dachten die Haufs natürlich auch über die frühere Weide, die nur etwa 100 Meter von der nächsten Siedlung entfernt liegt. Und doch hat wahrscheinlich der Wolf zugeschlagen. Eine Veterinärin sicherte noch am Montag Spuren an den ausgeweideten Tieren. Ob es tatsächlich ein Wolf war, wird die DNA-Untersuchung zeigen.

Für Alexandra Hauf steht fest: „Der Wolf passt nicht in unsere Landschaft mit Weidehaltung.“ Ein wirksamer Herdenschutz sei unmöglich. Zum Schutz der Schafe hatten die Haufs einen 1,10 Meter hohen Elektrozaun angebracht. Man habe eigens ein besonders starkes Weidezaungerät angeschafft. „Aber ein Wolf springt da wohl drüber“, sagt die Frau. Wolfsbefürworter könne sie einfach nicht verstehen. Auch der Einsatz von Herdenschutzhunden sei in dem Gebiet am Mittag-Berg schwierig, weil dort viele Wanderer unterwegs sind.

Viele offene Fragen

Viele neue Fragen stellen sich seit Dienstag: Woher kommt der Wolf vom Mittag ? – wenn es denn wirklich einer war. Und: Kann es sein, dass es sich um dasselbe Tier handelt, das im Raum Burgberg, Rettenberg und Wertach unterwegs war und Weidevieh gerissen hat? Dann hätte das Raubtier die Iller und die B 19 überqueren müssen und wäre wohl auch eine längere Strecke durch besiedeltes Gebiet gelaufen. Dass ein Wolf eine Brücke benutzt – beispielsweise um über die Iller zu kommen – sei nicht ungewöhnlich, meint Wildbiologe Henning Werth vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Spekulationen über die Herkunft des Wolfs vom Mittag – wenn es denn einer war – seien zum jetzigen Zeitpunkt unsinnig. Man müsse die DNA-Untersuchung abwarten, sagte Werth.

Ein überraschendes Ergebnis kam am Dienstag aus dem DNA-Labor: Laut Landesamt für Umwelt (LfU) stammt der im Oberallgäuer Burgberg am 27. Juli nachgewiesene männliche Wolf aus der „zentraleuropäischen Flachlandpopulation“. Das bedeute, dass das Tier aus Westpolen stamme, erläuterte Biologe Werth. Dieses Ergebnis habe ihn auch verwundert. Denn Biologen hatten vermutet, dass im Allgäu auftauchende Wölfe vom sogenannten Calanda-Rudel im Schweizer Kanton Graubünden abstammen. Biologen hatten festgestellt, dass die aus dem „Quellgebiet“ Westpolen stammenden Wölfe vornehmlich in nordwestliche Richtung abwandern. Doch auch fünf der sechs in Nordbayern heimischen Wolfsrudel stammen aus Westpolen. „Bisher ist man aber davon ausgegangen, dass sie sich von den Bergen fernhalten“, erläutert Werth.

Eine weitere Frage stellt sich: Kann es wirklich sein, dass die Risse von Nutztieren im Allgäu alle auf die Kappe eines einzelnen männlichen Wolfs gehen, der auf der Durchreise ist? Davon waren Wildbiologen bisher ausgegangen. „Es könnte auch sein, dass es sich um mehrere standorttreue Tiere handelt, sagt Henning Werth jetzt. Verwundert habe ihn, dass als Beute bevorzugt Nutztiere gerissen würden. Dass mehrere Wölfe in der Region unterwegs sind, glaubt man inzwischen auch im Oberallgäuer Landratsamt: „Es werden wohl immer mehr kommen“, vermutet Pressesprecher Andreas Kaenders.

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