Eishockey
Zoff mit Großsponsor: Feuer unterm Dach beim ERC Sonthofen

ERC Sonthofen-Trainer Heiko Vogler will, dass das Thema "die Mannschaft nicht berührt".
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  • Foto: Christoph Specht
  • hochgeladen von Camilla Schulz

Stell’ Dir vor, es ist Play-off-Zeit und keiner spricht darüber. Das könnte dem ERC Sonthofen vor dem Auftakt in der „Best-of-Five“-Serie der Eishockey-Oberliga gegen die Ice Fighters Leipzig drohen. Am Freitag starten die Bulls in Leipzig (20 Uhr), ehe die Sachsen am Sonntag ab 18 Uhr zu Spiel zwei in Sonthofen auflaufen. Und pünktlich zur heißen Phase ist Feuer unterm Dach bei den Bulls.

Da ist auf der einen Seite das jähe Aus des Engagements mit den beiden Wittmann-Brüdern Christian und Robert. Hier gab die Spielbetriebs GmbH am Donnerstag, einen Tag vor dem Beginn der Play-offs, bekannt, man habe sich von dem Duo, das in der laufenden Saison gemeinsam 81 Spiele für den ERC bestritt, getrennt. Über die Gründe könne aufgrund einer derzeit laufenden juristischen Auseinandersetzung keine Auskunft erteilt werden, teilte der Club mit. Und vielmehr wollte auch der Sportliche Leiter Heiko Vogler nicht sagen. Und doch konnte der 34-jährige Trainer nicht überspielen, dass ihm diese Geschichte mindestens so quer sitzt, wie die zweite Entwicklung hinter den Kulissen, die hohe Wellen schlagen dürfte: Denn die Spielbetriebsgesellschaft des ERC hat die Zusammenarbeit mit dem Großsponsor „Allgäu Outlet“ beendet.

Grund sei – so teilte der ERC ebenfalls am Donnerstag mit – die Anmeldung des „ERC-Sonthofen-Bulls“-Logos“ durch Marc Wenz’ Unternehmen beim Deutschen Patent- und Markenamt „ohne Rücksprache und Genehmigung“. ERC-Vereinsmitglieder sollen das Logo entworfen und dem Verein unentgeltlich zur Verfügung gestellt haben. Die „Outlet Ventures GmbH“, die das „Allgäu Outlet“ betreibt, habe mit der Anmeldung gegen das Markenrecht verstoßen, erklärt der Club. Daraufhin kündigte der ERC dem Sponsor am 21. Februar fristlos – „Allgäu-Outlet“-Geschäftsführer Wenz dagegen sagt, er habe effektiv gekündigt, nämlich am 27. Februar. Schon zum Ende der Meisterrunde hin waren in der vergangenen Woche die „Outlet“-Banner in der Eissporthalle abgehängt worden, die Logos an den Trikots überklebt.

Und so bahnt sich eine Auseinandersetzung nach siebenmonatiger Zusammenarbeit an, deren Ursprung – darin sind sich die Parteien einig – ganz offenkundig in unterschiedlicher Erwartungshaltung der Vereinbarungen zu finden ist. „Ich bin im Frühjahr 2017 mit großen Versprechungen gelockt worden, die aber nicht immer umgesetzt worden sind“, erklärt Wenz. Dabei gehe es um mögliche Werbeflächen im Stadion, Versäumnisse des ERC zu Vereinbarungen als Spieltagssponsor oder um die Kleidung der Mannschaft.

Vonseiten des Clubs heißt es dazu, dass die Zusammenarbeit „von Beginn an holprig“ gewesen sei. „Vielleicht ist der Sponsor mit überhöhter Erwartungshaltung in die Zusammenarbeit gegangen“, teilte der ERC mit: „Es ist legitim, als Partner zu fordern, dass beispielsweise die ausgerüsteten Spieler in allen Lebenslagen die Kleidung tragen. In der Realität ist das aber nicht zu 100 Prozent umsetzbar.“
Zwar räumt auch ERC-Geschäftsführer Albert Füß ein, man habe „auch gewisse Kleinigkeiten nicht beachtet. Wir müssen aber aufpassen, dass sich nicht Teilwahrheiten verbreiten.“

Ungeachtet der bisherigen Kooperation hat aber der Streit um das Logo das „Fass zum Überlaufen gebracht“, wie Füß deutlich macht. Die Kettenreaktion ausgelöst hat demnach ein Auftrag Wenz’, eine Merchandise-Reihe für den ERC in China produzieren zu lassen. „Das Recht, das Logo verwenden zu dürfen, haben wir. Für die Produktion in Fernost wird aber auch eine Markenanmeldung benötigt – das mussten wir beim Patentamt machen“, beteuert Wenz. Die Marke sei zuvor noch nicht eingetragen gewesen – eine von Wenz’ Unternehmen veranlasste Eintragung sei demnach auch nur vorübergehend gewesen.

Nun wurden dem ERC Nutzungsrechte des Logos von den Urhebern erteilt – Sponsoren inklusive. „Es besteht ein großer Unterschied, ob man das Logo zur Herstellung von Artikeln verwendet, oder ob man sich als Inhaber einer Marke eintragen lässt“, erklärte der Club am Donnerstag. Die Eintragung Wenz’ in das Markenregister ohne Genehmigung des ERC habe die Kündigung zur Folge gehabt.

So oder so: Der finanzielle Schaden beim ERC sei nach Angaben der GmbH „überschaubar“, Wenz dagegen beklagt: „Für mich ist es ein Totalschaden im sechsstelligen Bereich. Das ist eine ganz harte Nummer.“ Beide Parteien haben inzwischen ihre Anwälte aktiviert. Dem eigentlichen Anliegen des ERC – dem Spielbetrieb – sollte also nichts mehr im Wege stehen. Das hofft auch Heiko Vogler. Der für gewöhnlich alles andere als wortkarge Heilbronner schiebt in Sachen Streit mit dem Sponsor sodann doch hinterher: „Es ist traurig, dass man ausgerechnet in dieser Phase, in der besten Eishockey-Zeit des Jahres, über dieses Thema sprechen muss. Das geht einfach nicht in meinen Kopf. Und ich sorge dafür, dass es die Mannschaft nicht berührt.“

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