Ski nordisch
Thomas Freimuth nimmt am legendären Vasalauf in Schweden tei

Ihm wird nachgesagt, dass er der beste Volksläufer Deutschlands ist - auf Langlaufski. Und er ist der bestplatzierte Deutsche in der Gesamtwertung des FIS-Marathoncup, der aus elf Rennen über mehr als 42 Kilometer besteht. Am kommenden Sonntag stellt sich Thomas Freimuth einer ganz besonderen Herausforderung: der 30-jährige Langläufer, der in Sonthofen wohnt und für das Team der Bahnhof-Apotheke Kempten startet, nimmt in Schweden am legendären Vasalauf (auf schwedisch Vasaloppet) über 90 Kilometer in der klassischen Technik von Sälen nach Mora teil.

Lange versucht sich zu drücken

Wohl nicht nur in Schweden ist der Vasaloppet das bekannteste Langlauf-Rennen und der Höhepunkt der Saison. Wer diesen Wettkampf gewinnt, ist in Schweden nahezu unsterblich und steht in der Siegerliste neben Olympiasiegern. «Am Sonntag nehmen über 16000 Läufer teil. Der Vasalauf ist in Schweden ein Volksfest.

Es ist eine ganz andere Welt», ist Freimuth fasziniert. Lange hat er versucht, sich vor dieser fast fanatischen Langlauf-Welt zu drücken. «90 Kilometer sind schon eine krasse Herausforderung. Das macht man nicht einfach so aus dem Stegreif», hat der 30-jährige Sportwissenschaftler Respekt.

Dabei hat der Wahl-Allgäuer die doppelte Marathondistanz in der klassischen Technik schon im vergangenen Jahr bewältigt. In 4:03 Stunden war Freimuth als 17. mit der führenden Gruppe ins Ziel gekommen. «Am Schluss haben mich die Kräfte verlassen. Im Ziel war mir sogar richtig schlecht», sagt er.

20 Stunden im Auto

2000 Kilometer in 20 Stunden nimmt Freimuth im Auto auf sich, um sich diesem einzigartigen Erlebnis zum zweiten Mal zu stellen. Etwa drei Stunden von Oslo entfernt wird der Vasalauf gestartet, wo derzeit die Nordische Ski-Weltmeisterschaft stattfindet - und die beobachtet Freimuth mit Argusaugen. Dort gibt seine Lebensgefährtin, Nicole Fessel (27) vom SC Oberstdorf, in der Loipe ihr Bestes. «Wir sind nur drei Stunden voneinander entfernt, schaffen es aber trotzdem nicht, uns zu sehen», sagt er.

Seit elf Jahren sind sie ein Paar und wohnen seit zwei Jahren in Sonthofen. «Über den Winter sind wir es aber gewohnt, uns selten zu sehen.» Gerne wäre Freimuth, der ursprünglich aus dem niederbayerischen Lindberg stammt, seiner Freundin bei der WM im norwegischen Oslo zur Seite gestanden, aber die Reise nach Schweden wollte sich der 30-Jährige nicht entgehen lassen. «Das Rennen ist etwas Besonderes. An der Landschaft hat sich seit dem ersten Wettkampf 1922 wenig verändert», weiß er. Das Streckenprofil über 90 Kilometer hat er sich haargenau eingeprägt. «Vom Start weg muss man über zwei Kilometer den härtesten Anstieg der Strecke überwinden. Schon da trennt sich die Spreu vom Weizen», so der Marathonspezialist, der schon seit 23 Jahren auf den Langlaufskiern steht.

«Und die letzten 30 Kilometer schiebt man quasi nur im Doppelstock vor sich hin.» Im Alleingang nimmt der ehemalige C-Kader-Athlet, der im Sommer auch mit dem Sonthofer Stefan Dotzler trainiert, die Strapazen aber nicht auf sich.

Zweiköpfiges Helferteam

Sein Vater Volker (60) und Servicemann Sepp Stadler (57) begleiten ihn über die gesamte Wettkampfzeit in einem Auto, das neben der Loipe versucht, mitzuhalten. «Das sind schon abenteuerliche Wege, die sie da fahren müssen. Oft sind es sogar weite Umwege. Zum Glück kennen wir aber einen alten Schweden, der vorn wegfährt und ihnen den richtigen Weg zeigt», sagt Freimuth. Die Aufgabe seiner Begleiter ist, ihn beim Wettkampf mit Essen und Trinken zu versorgen.

Tote Punkte überwinden

Die Verpflegung ist aber nicht die einzige Hürde, die der 30-Jährige hinter sich lassen muss. «Wichtig ist, die toten Punkte zu überwinden. Das Rennen ist wirklich extrem lang und da muss man sich einfach durchquälen», ist sich Freimuth bewusst. Sein Traum wäre es, wieder mit der führenden Gruppe die Ziellinie zu überqueren. «Wenn ich es schaffe, mit den Spitzenläufern mitzuhalten, dann bin ich mehr als zufrieden. Ein Platz unter den besten zehn Teilnehmern wäre fantastisch», sagt er.

Freimuth hat die Chance, als bester Deutscher nach 90 Kilometern die Ziellinie in Mora zu überqueren - schließlich wird ihm nachgesagt, der beste Volkslangläufer Deutschlands zu sein.

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