Tourismus
Mehrere alternative Projekte statt Skischaukel am Riedberger Horn

Das Riedberger Horn hat Karriere gemacht wie kaum ein anderer Berg – wenn man so etwas über einen Gipfel sagen kann. Durch die seit Jahren so kontrovers geführte Diskussion über den Bau einer Skischaukel, also den Zusammenschluss zweier Skigebiete, hat es das Horn zu einem beträchtlichen Bekanntheitsgrad gebracht. Um den von Naturschutzverbänden heftig umstrittenen Liftverbund im Allgäu zu ermöglichen, hatte der bayerische Landtag mit CSU-Mehrheit im vergangenen Jahr den Alpenplan geändert. Erstmals seit über 40 Jahren wurde die Grenzziehung der höchsten Schutzzone C so geändert, dass der Bau eines Liftverbundes theoretisch möglich wäre.

Dann kam bekanntlich alles anders. Wohl in erster Linie, um das lästige Thema Riedberger Horn vor Beginn des Landtagswahlkampfs loszuwerden, zog Ministerpräsident Markus Söder die Notbremse. „Ein Skigebietszusammenschluss zwischen dem Riedberger Horn und Grasgehren wird zunächst nicht beantragt“, verkündete der örtliche CSU-Landtagsabgeordnete Eric Beißwenger einer verblüfften Öffentlichkeit. Mindestens für die nächsten zehn Jahre sei das Thema vom Tisch. In den beiden ansässigen Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein laute das Motto künftig „Öko-Tourismus statt Skigebietszusammenschluss“. Mit einer solchen Kehrtwendung hatte niemand gerechnet.

20 Millionen Euro haben Söder und die CSU den beiden Hörnerdörfern versprochen. Viel Geld, sagen manche hinter vorgehaltener Hand, und im benachbarten Ostallgäu schielen einige bereits neidisch auf die Hörnerdörfer. Der Münchner SPD-Politiker Florian von Brunn bezeichnet die zugesagten Millionen als „Skandal“ angesichts der Finanznot anderer hoch verschuldeter Alpengemeinden, „die sogar ihre Schwimmbäder zusperren müssen“.

Im etwa 1.000 Einwohner zählenden Obermaiselstein hat Bürgermeister Peter Stehle (CSU) bei einer Bürgerversammlung in der vergangenen Woche offen gesagt: „Das Umdenken ist uns mit dem neuen Maßnahmenpaket relativ leicht gefallen.“ Damit meint er die Vorschläge aus München zum Thema sanfter Tourismus. Im Gespräch sind fünf Projekte, wobei die „Förderung für die umweltfreundliche Modernisierung von Liften und Seilbahnen“ darin auch enthalten ist – aber eben kein Zusammenschluss der beiden bestehenden Pistengebiete.

In den betroffenen Gemeinden gibt es allerdings nach wie vor Stimmen, die lieber eine Skischaukel hätten. Dazu gehört Berni Huber, ehemaliger Ski-Rennfahrer und Geschäftsführer der Grasgehren-Lifte. „Wir sind um eine große Chance gebracht worden“, sagte er in der Bürgerversammlung. Auf die Frage, wie er die neuen Projekte beurteile, meinte er, er sei noch „hin- und hergerissen“.

Mehr über das Thema erfahren Sie in der Mittwochsausgabe unserer Zeitung vom 18.04.2018.

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