Amtsgericht
Zahme Rabenkrähe erschlagen: Jäger in Sonthofen vor Gericht

Wer darf entscheiden, ob ein Tier lebenswert ist oder nicht? Wann ist eine Tötung gerechtfertigt? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Verhandlung am Amtsgericht Sonthofen. Wegen 'Strafbarer Tiertötung' angeklagt war ein 33-jähriger Jäger, der zu einer Fehleinschätzung gekommen war: Von einer Familie zu Hilfe gerufen, erschlug er eine Rabenkrähe mit einem abgebrochenen Eishockeyschläger.

Der Mann hatte das Tier als gefährlich und erkrankt eingestuft, sagte er vor Gericht aus. In Wahrheit handelte es sich um ein zahmes Tier, das regelmäßig von einer Familie gefüttert worden war. Als die Rabenkrähe, auf einem Balkon in Sonthofen um Futter bettelte, kam es zu dem Vorfall.

Der Fall sorgte für Aufsehen, auch der damalige Vorsitzende des Kreisjagdverbands, Ekkehard Voigt, kritisierte das Vorgehen des Jägers: 'Er hätte das Tier nicht erlegen dürfen, dazu hatte er keine Berechtigung.'In einem sogenannten 'befriedeten Gebiet' wie einer Stadt sei es verboten, Tiere zu töten.

Nur wenn große Gefahr für Menschen bestehe, dürfe ein Jäger einschreiten. Diese Einschätzung teilte jetzt auch Richterin Brigitte Gramatte-Dresse. 'Von der Rabenkrähe ging eine Gefahr aus, ich wollte die Familie schützen', hielt der Angeklagte dagegen. 'Ich bin nicht mit der Intention hingefahren, das Tier zu töten.

' Erst als er auf dem Balkon einen laut krähenden Vogel vorfand, der – neben äußeren Anzeichen einer Erkrankung – vermeintliche Angriffe flog, habe er den Entschluss gefasst, das Tier zu töten: Er erschlug den Vogel mit dem Griff eines Eishockeyschlägers und trat ihm, als der am Boden lag, ins Genick.

Sein Mandant sei zu Hilfe gerufen worden und habe sich zum Eingreifen gezwungen gefühlt, argumentierte der Verteidiger. Der Rechtsanwalt hatte im Auftrag des 33-Jährigen den Strafbefehl, der eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen vorsah, angefochten, weil der Mann damit auch Jagd- und Waffenschein verloren hätte. Da hätte den 33-Jährigen wohl seine berufliche Anstellung gekostet.

Dazu kam es aber nicht: Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage von 5000 Euro eingestellt, die der Angeklagte unter anderem an den Vogelschutzbund zahlen muss. Die Voraussetzung für diese Einigung, der auch der Staatsanwalt zustimmte, bestand darin, dass sich der Angeklagte doch noch einsichtig zeigte.

'Ich habe falsch gehandelt', sagte der Jäger vor Gericht. 'Wenn ich gewusst hätte, dass es ein zahmer Vogel ist, hätte ich ihn nicht getötet', richtete er auch eine Entschuldigung an die Familie, bei der das Tier gelebt hatte. 'Es tut mir leid. Ich hab’ ja selbst auch einen Hund und weiß, was das bedeutet.

'Die Richterin sagte abschließend zum Angeklagten: 'Ich erwarte, dass Sie bei Ihrer weiteren jagdlichen Tätigkeit mehr Respekt vor Lebewesen an den Tag legen.'

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