Rarität
Wiener Glasharmonika-Duo gastiert in Sonthofen-Altstädten

Anfang der 90er Jahre lernte das Wiener Ehepaar Christa (46) und Gerald Schönfeldinger (51) die Glasharmonika kennen. Fortan beschäftigten sich die beiden ausgebildeten Geiger mit den Tönen aus Glas. Sie gründeten das Wiener Glasharmonika-Duo und sind seitdem in ganz Europa gern gehörte Musiker an Glasharmonika und Verrophon.

Beim Oberstdorfer Musiksommer sind sie am kommenden Samstag zu Gast in der Keramikmanufaktur in Sonthofen-Altstädten. Veronika Krull sprach mit Christa Schönfeldinger.

Die Glasharmonika wurde Mitte des 18. Jahrhunderts zu einem regelrechten Modeinstrument. Ist die Glasharmonika auch für zeitgenössische Komponisten ein Thema?

Christa Schönfeldinger: Ja, das ist eine Sache, die uns auch oft sehr freut, dass zeitgenössische Komponisten auf das Instrument aufmerksam werden. Mein Mann komponiert auch für uns - wir sind ja auf der Welt die einzige Duo-Besetzung für Glasinstrumente. Jörg Widmann hat zum Beispiel für die Mozartwoche 2007 in Salzburg das Werk << Armonica >> geschrieben.

Er hat sich das Instrument angeschaut und ein wirklich feines Werk geschrieben. Dann haben wir zu unserem zehnjährigen Bestehen österreichische Komponisten eingeladen, für uns zu schreiben. Daraus ist dann eine CD entstanden. Es gibt, Gott sei Dank, immer mehr, die das Instrument wiederentdecken. Für zeitgenössische Komponisten ist das Klangspektrum einfach interessant.

Was macht für Sie die Faszination der Glasinstrumente aus?

Schönfeldinger: Die Frage bekomme ich oft gestellt. Man kann es nicht beschreiben, man muss es erleben. Ob wir ein klassisches Werk spielen oder Jazz: Die Stimmung ist immer eine komplett andere. Die eigentliche Faszination an dem Klang: Man kann ihn überhaupt nicht irgendwie festmachen.

Viele Leute kommen nach den Konzerten und sagen: Sie hören das Instrument mit dem ganzen Körper. Man kennt ja die Heilwirkung von Musik: Ein erstaunlicher Prozentsatz berichtet nach jedem Konzert, dass zum Beispiel die Schmerzen im Nacken oder am Herzen weg sind. Wir machen ja auch Therapie - in Kleingruppen oder als Einzelbehandlung.

Wie mühevoll ist das Erlernen des Instruments?

Schönfeldinger: Im Prinzip so wie bei jedem anderen Instrument. Man braucht viel Zeit. Das Spannende für uns war damals: Es gab keinen Lehrer, wir mussten das Instrument selber erlernen, herausfinden, wo ist der technische Zenit des Instruments. Das war für uns unglaublich spannend im Entwicklungsprozess.

Glas ist zwar ein bewegtes Material, aber doch starr. Schwierig ist wirklich dieses exakte Spiel. Das ist Knochenarbeit. Und es macht sehr viel Arbeit, die richtigen Stücke zu finden.

Sie spielen in Altstädten das Adagio von Mozart. Was steht außerdem auf dem Programm?

Schönfeldinger: Wir haben zum Beispiel im Programm ein Stück von Hildegard von Bingen. Das ist wirklich eine ganz, ganz feine Komposition, einer der Höhepunkte des Abends, vor allem in der Kombination von Stimme und Glasharmonika. Das macht eine Gänsehaut.

Wir spielen Stücke von Grieg, Haydn, Schubert, von dem Filmkomponisten Morricone. Und zwei Stücke von Arvo Pärt, dem estnischen Komponisten.

Sie gelten weltweit als führende Interpreten auf den Glasinstrumenten. Ist das eine Fulltime-Aufgabe? Spielen Sie auch noch andere Instrumente?

Schönfeldinger: Das war damals einer dieser Lebenspunkte, an denen man nicht herumkommt. Der Großteil unseres Lebens, rund 90 Prozent unserer Arbeit dreht sich um die Glasinstrumente. Wir spielen noch ein bisschen Geige in einem eigenen Ensemble für burgenländische Musik. Unterrichten? Das scheitert an dem großen Instrumentenkoffer. Das Instrument wiegt etwa 18 Kilo.

Meisterkonzert: Samstag, 13. August, 20 Uhr, Allgäuer Keramikmanufaktur Sonthofen-Altstädten.

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