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Gesundheit
Wie mit dem U-Boot durch den Darm

«Pillcam» nennt sich das kleine technische Wunderwerk: eine Mini-Kamera in einer pillenähnlichen Kapsel. Gerade mal 27 Millimeter lang und elf Millimeter breit, kann die Kamera bequem geschluckt werden. Wie ein U-Bötchen gleitet die Kapsel durch das Verdauungssystem und liefert gestochen scharfe Bilder aus dem Dünndarm, bisher eine «Black Box», in die man eigentlich nicht gescheit hineinsehen konnte. Sehr anschaulich und verständlich berichtete Dr. Surina Zakikhani, Fachärztin für Innere Medizin an der Klinik Immenstadt, im Rahmen der Vortragsreihe «Gesundheit im Dialog» über das neue Diagnose-Instrument.

Das Café in der Klinik Sonthofen war gut besucht, als die 38-jährige Medizinerin über Anwendung und Wirkungsweise der «Pillcam» in Wort und Bild informierte. Die bisherigen Methoden, den Dünndarm zu untersuchen, waren entweder unzureichend oder aufwändig und riskant, erklärte Zakikhani. So habe eine Magen- oder Dickdarmspiegelung allenfalls Einblicke in den bis zu fünf Meter langen Dünndarm ermöglicht. Mit Röntgenbildern seien frühe Schäden nicht erkennbar, eine Operation als letzte Möglichkeit sei immer mit Risiken verbunden. Gründe für eine Untersuchung des Dünndarms seien beispielsweise unklare Blutungsquellen, die von Gefäßerweiterungen, Polypen, Entzündungen, Geschwüren oder Tumoren herrühren könnten.

Die so genannte Kapsel-Endoskopie mit der «Pillenkamera» sei für den Patienten kaum belastend, betonte die Expertin. Seit der Einführung vor einem Jahr seien rund 40 Patienten auf diese Weise untersucht worden. Am Tag vor der Endoskopie, die in der Regel stationär durchgeführt wird, darf der Patient noch ein Frühstück und ein leichtes Mittagessen zu sich nehmen. Danach wird mit Abführmitteln der Darm gereinigt. Wasser darf weiterhin getrunken werden, allerdings ohne Kohlensäure, da die Bläschen für irreführende Bilder sorgen können.

Zwei Aufnahmen pro Sekunde

Am nächsten Tag schluckt der Patient die Kamera, die dann pro Sekunde zwei Aufnahmen macht. Über Funk ist die Kamera mit einem Recorder verbunden, der Patient trägt Sensorfelder, ähnlich wie bei einem Langzeit-EKG, und kann sich in den folgenden Stunden frei bewegen. Etwa vier Stunden nach Einnahme der Kapsel kann der Patient schon wieder eine Brühe zu sich nehmen. Die Kamera sendet bis zu neun Stunden lang und wird schließlich auf natürlichem Wege ausgeschieden. Eine «Bergung» der Einmalkapsel sei übrigens nicht notwendig, lautete die beruhigende Antwort auf eine sich aufdrängende Frage. Für die Auswertung der Bilder braucht das Ärzteteam dann etwa anderthalb bis zwei Stunden.

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