Bildung
Wer soll das bezahlen?

Behinderte Kinder in ganz normalen Schulen? «Wir sind alle offen und kooperationsbereit. Aber es müssen auch die Voraussetzungen stimmen.» Mit dieser Auffassung brachte Andrea Fuhrmann als Leiterin der Grundschule an der Berghofer Straße in Sonthofen eine Diskussion um pädagogische Grundsatzfragen auf den Punkt. Eingeladen zu dem Meinungsaustausch hatte der Oberallgäuer Landtagsabgeordnete der Grünen, Adi Sprinkart, nach Immenstadt-Stein. Das Fachgespräch mit Lehrern und Eltern stand unter der Überschrift «Inklusion». Diesen Begriff verwenden die Vereinten Nationen (UN) in einem Abkommen, das den Einschluss auch von Behinderten in ein allgemeines Bildungssystem vorsieht.

Die Konvention ist 2006 verabschiedet und von Deutschland 2009 unterzeichnet worden, erläuterte eingangs Sprinkarts grüner Parlaments-Kollege Thomas Gehring (Blaichach-Gunzesried) als bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion im Landtag. Gehring gehört zugleich einer überfraktionellen Arbeitsgruppe des Bildungsausschusses zu diesem Thema an. Für ihn stellte sich bei der Diskussion die Frage, welche Zukunft denn die herkömmlichen Förderschulen haben, in der lernschwache, aber zumeist behinderte Kinder untergebracht sind. Der Abgeordnete meint, dass solche Lernorte eher weiterentwickelt werden müssten.

Hildegard Schröder ist Leiterin der Albert-Schweitzer-Schule in Sonthofen. Sie sprach von Befürchtungen in der Lehrerschaft, dass Förderschulen abgebaut werden könnten. Bei einem Schulsystem, in dem behinderte Kinder voll integriert seien, müssten die Lehrerausbildung verbessert sowie zusätzliche Schulräume bereitgestellt werden, sagte sie.

Das Schulsystem müsste total geändert werden, glaubt Werner Oppold (Grüne) als Dritter Bürgermeister von Immenstadt. Man bräuchte wesentlich mehr Lehrer und andere Räumlichkeiten. Dafür müssten die Kommunen aber finanziell besser ausgestattet sein. Auch Herbert Sedlmair als Schulleiter der neuen Mittelschule Oberstdorf äußerte «große Bedenken».

Er zeigte sich gespannt, «wer das zahlen soll». Sedlmair kann sich eine Schullandschaft ohne die jetzigen Förderschulen nicht vorstellen.

Dass die Eingliederung behinderter Kinder in den alltäglichen Schulbetrieb möglich sei, berichteten hingegen Lehrer aus Oberstaufen und Rettenberg aus eigener Erfahrung. Manche ältere Schüler hätten für ihre behinderten Kameraden sogar Patenschaften übernommen. Problematisch sei es allenfalls, geistig behinderte Kinder in einer Regelschule zu integrieren.

Das will auch Susanne Flemming unter den jetzigen Umständen nicht. «Da täte mir mein Kind leid», sagte die Lehrerin an der Mittelschule Immenstadt, die selbst Mutter einer Tochter mit geistiger Behinderung ist. Ihre Tochter hätte «keine Heimat in der Regelklasse», glaubt sie.

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