Stammzellenspende
Typisierungsaktion für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei an der Berufsschule

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«Es ist einfach wichtig, dass man anderen Menschen hilft und nicht nur auf sich selbst guckt.» So wie die 19-jährige Chantal Wittenberg aus Langenwang, Auszubildende zur Hotelfachfrau, sehen es viele Berufsschüler in Immenstadt: An ihrer Schule findet unter dem Motto «Leben retten macht Schule» eine Typisierungsaktion für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) statt: Gesucht werden an der Schule zwischen dem 5. und 10. Mai potenzielle Stammzellenspender für leukämiekranke Patienten.

«Es ist ja nur ein Pieks, mehr nicht.» Dass sich die 18-jährige Sonja Forst aus Augsburg typisieren lässt, ist für sie eine klare Sache - auch wenn eine Stammzellentransplantation nicht mit einer bloßen Blutspende vergleichbar ist. «Ich will helfen, nur machen das viel zu wenige.» Einen Grund dafür sieht der Füssener Felix Grandl darin, dass zu wenig über die Stammzellenspende publik gemacht werde. Die Aktion der DKMS spreche hingegen direkt junge Leute an. «Jetzt wo es sich anbietet, werde ich mich auf jeden Fall typisieren lassen.» Für den 20-jährigen Staufner Devran Bag ist der Grund, warum er helfen will, ein anderer: «Ein Bekannter erkrankte an Krebs und ich hab sein Leid miterlebt. Ich will das auf jeden Fall machen.» Denn so bekommt jemand eine zweite Chance, meint der künftige Restaurantfachmann.

Die 20-jährige Oberstdorferin Yvonne Krieger hat zwar noch ein wenig Angst, weil sie kein Blut sehen kann, will sich aber trotzdem in die Spenderkartei aufnehmen lassen: «Es ist ja für eine gute Sache.» Die Angst habe ihr letztendlich ein Informationsgespräch am Montag genommen: Unser Redakteur Etienne le Maire hatte vor zwei Jahren Knochenmark für eine leukämiekranke Patientin gespendet und diskutierte mit den Schülern über seine Erfahrungen damit. «Ganz klar, dass ich da mitmache», sagt auch Chantal Wittenberg nach dem Gespräch.

Schulleiter Dieter Friede und sein Projektleiter Jochen Berges sind stolz auf ihre Schüler: Viele haben sich bereits vorab angemeldet, quer durch die Berufsfelder. «Einige Klassen machen nahezu komplett mit», lobt Berges. Die Bereitschaft, anderen zu helfen, sei unter den jungen Leuten enorm hoch.

Berufsschüler sind übrigens als mögliche Spender hochinteressant, wie Allessandro Hämmerle von der DKMS bestätigt: Zum einen sind junge Menschen in der Regel fit und gesund. Und sie bleiben natürlich auch lange in der Kartei, bis sie die Altersgrenze erreichen.

Bei der Typisierungsaktion selbst werden noch keine Stammzellen gespendet - die potenziellen Lebensretter geben nur eine kleine Menge Blut (ein Röhrchen mit fünf Millilitern) ab. Dieses wird im Labor analysiert. Die Daten werden zentral gespeichert und schlummern dann in einem modernen Computerarchiv, bis ein Patient mit ähnlichen genetischen Merkmalen Hilfe benötigt. Mit jedem registrierten möglichen Spender wächst so die Wahrscheinlichkeit, dass der richtige gefunden wird.

Alleine in Deutschland erkrankt alle 45 Minuten ein Mensch an Blutkrebs. Für viele besteht die einzige Heilungschance in der Spende fremder, aber passender Stammzellen, nachdem das eigene kranke blutbildende System über eine Chemotherapie zerstört wurde. Nach wie vor findet aber jeder fünfte Patient keinen geeigneten Spender. Und dagegen engagieren sich auch die Berufsschüler in Immenstadt - und hoffen, dass sich auch viele Bürger an der Aktion beteiligen.

Breite Unterstützung

Schirmherr der Aktion ist Landrat Gebhard Kaiser - er war selbst bis zum Erreichen der Altersgrenze bei der DKMS registriert.

Breite Unterstützung kommt wie berichtet aber nicht nur vom Landkreis als Sachaufwandsträger der Schule: Die Kliniken Oberallgäu stellen Ärzte und medizinisches Personal, und das Bayerische Rote Kreuz hilft ebenfalls mit Mitarbeitern und der notwendigen Notfallausrüstung.

Wer selbst nicht Stammzellen spenden kann - aus Gesundheits- oder Altersgründen - kann übrigens trotzdem helfen. Denn jede Typisierung kostet die DKMS 50 Euro. Bei der Sparkasse Allgäu wurde deshalb ein Spendenkonto eingerichtet: Konto-Nummer 514678333, BLZ 73350000. Landrat Kaiser ist mit gutem Beispiel vorangegangen und hat aus seinen Verfügungsmitteln 1000 Euro gegeben. (elm/chs)

Am Freitag, 6. Mai, von 11 bis 14 Uhr, ist auch die Öffentlichkeit willkommen: Alle Bürger, die sich typisieren lassen wollen, können in die Berufsschule Immenstadt kommen. Die Registrierung dauert laut DKMS etwa zehn Minuten.

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