Gericht
Tragischer Unfall im Oberallgäu: Tod des Freundes verschuldet

Die Hände hatte der Angeklagte gefaltet, seinen Blick starr vor sich auf den Boden gerichtet, als der Richter das Urteil sprach: eine Geldbuße von rund 8000 Euro wegen fahrlässiger Tötung. Fast regungslos nahm der 53-Jährige das Urteil entgegen.

Seine schwerste Strafe hatte der Mann bereits empfangen: Er wird damit leben müssen, den Tod eines Freundes auf dem Gewissen zu haben. Er wird lernen müssen, zu akzeptieren, dass ein Mann, den er schon seit der Schulzeit kannte, nicht mehr lebt, weil er einen Fehler gemacht hat.

Gemeinsam hatten die beiden Oberallgäuer bei einem Skilift eine Werbetafel errichten wollen. Zu diesem Zweck wollten sie zwei Eisenrohre mit der Schaufel ihres Frontladers in den Boden drücken. Dabei vergaßen die Männer, zu überprüfen, ob die Ladeschaufel durch einen Sperrbolzen gegen das Herunterfallen gesichert war.

Tatsächlich rastete der Sperrbolzen der automatischen Arretierung nicht ein. Als der 53-Jährige versuchte - am Steuer des Baggers - mit der Ladeschaufel die Eisenstange in den Boden zu drücken, löste sich die 440 Kilogramm schwere Metallschaufel in einer Höhe von rund drei Metern aus ihrer Verankerung. Die Schaufel raste zu Boden und begrub den 46-jährigen Familienvater, der die Eisenstange festhielt, unter sich. Er erlag noch am Unfallort seinen Verletzungen.

Den Fehler erkannte der Freund sofort. << Ich bin schuld >>, rief er nach dem Unfall den Polizisten zu. << Ich habe die Schaufel nicht gesichert. >> Auch vor Gericht räumte der Angeklagte seine Versäumnisse ein. << Das Opfer hatte den Angeklagten gebeten, ihm zu helfen >>, führte der Anwalt aus. Dann habe der 53-Jährige einen Moment nicht aufgepasst.

<< Sie tragen schwer an Ihrer Last >>, sagte Richter Dr. Alexander Hirschberg. << Es ist ein sehr tragischer Fall. >> Mit seinem Urteil reduzierte er die Zahl der Tagessätze aus dem Strafbefehl von 150 auf 90. Das hatte auch der Staatsanwalt gefordert. << Sie haben glaubhaft versucht, Wiedergutmachung zu leisten - so weit das in diesem Fall überhaupt möglich ist >>, sagte der Richter. Der Angeklagte erklärte sich bereit, die Familie des Opfers mit 8000 Euro zu unterstützen.

<< Mir ist daran gelegen, den Hinterbliebenen unter die Arme zu greifen >>, sagte der Angeklagte mit bebender Stimme. Er nahm das Urteil an.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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