Erinnerung
Tod im Pfarrwald in Ried bei Ottacker

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Manchmal sind die Geschichten, die das Leben schreibt, makaber und schaurig. Da kehrt der Bauer Peter Plangger aus Moos unversehrt aus dem Krieg zurück. Vier Jahre später, am 28. April 1949, kommt er durch eine Kriegswaffe ums Leben. Mit ihm die Flüchtlingswitwe Maria Gronich aus der ehemaligen Tschechoslowakei. Jetzt haben Plangger-Tochter Helga Schindele und Gronich-Sohn Wilhelm die Gedenkstätte am Unglücksort aufgesucht – sie liegt im Pfarrwald zwischen Ried bei Ottacker und Kühbach. Zuvor hatte Gronich, der schon lange in Wien lebt, eine Gedenktafel an der Friedhofsmauer in Ried angebracht.

Was war geschehen? Kirchenpfleger Peter Plangger und Maria Gronich machten sich am Vormittag des besagten Apriltages auf, um im 'Heiligen Holz' den Wald zu säubern: Sie sammelte Altholz auf, er schlug mit der Axt dürre Äste von den Fichten ab. Schließlich wollte man im Winter eine warme Stube haben. Beide kamen an einem Wasenmoos vorbei. Dort war der heute 83-jährige Josef Spöttle gerade beim Wasenstechen. Freundliche Worte wurden gewechselt – und eine halbe Stunde später tat es laut Spöttle einen 'furchtbar lauten Knall'. Als er nach dem Rechten schaute, stockte ihm der Atem. Maria Gronich lag leblos am Boden, Planggers Beine waren bis über die Knie zerfetzt.

'Zwei andere Wasenstecher waren schon zur Stelle und hatten mit Hosenträgern die Beine des Schwer- verletzten abgebunden', erinnert sich Altbauer Spöttle. Allerdings habe es damals Stunden gedauert, bis ein Krankenwagen gekommen sei. So sei Plangger im Alter von 41 Jahren schon bald nach der Krankenhauseinlieferung gestorben.

Als technisch versiert bekannt

Spöttle glaubt nicht an die Geschichte, dass die Panzer-Abwehrwaffe beim Bearbeiten des Stammes vom Baum gefallen sei. Der Peter sei als technisch versierter Mächler bekannt gewesen.

Daher ist Spöttle noch heute davon überzeugt, dass der Verunglückte die am Boden liegende 'Panzerschreck'-Waffe aufschrauben wollte, um an die für die Feuerzeugherstellung begehrten 'Feuersteine' zu gelangen. Solche Waffenfunde seien seinerzeit nichts Besonderes gewesen, hätten doch 1945 viele Soldaten und Volkssturm-Angehörige wegen der anrückenden Franzosen ihre Waffen 'einfach entsorgt', so der Altbauer.

Gerührt sitzen Helga Schindele (sie lebt in Altusried) und Wilhelm Gronich auf der Gartenbank von Maria Zwiesler in Ried. Immerhin haben die Hinterbliebenen im Alter von viereinhalb beziehungsweise neuneinhalb Jahren ein Elternteil auf schreckliche Weise verloren. Und: Nach 63 Jahren sahen sie sich erstmals seit der Zeit auf dem Hofe Plangger wieder.

Wilhelm saß übrigens gerade in der Volksschule Ottacker, als er und seine Mitschüler vom 'barbarischen Schlag' der Explosion aufgeschreckt wurden. Nach dem Tod seines Vaters im Lazarett (1942) war der Bub zur Vollwaise geworden.

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