Nordirland
Tobias Schaber schildert Eindrücke von einem einjährigen Auslandsaufenthalt

Junge Menschen gehen auf Zeit ins Ausland, um ihren Horizont zu erweitern oder zu helfen. Tobias Schaber ist einer von ihnen: Zehn Monate verbrachte der BWL-Student der Kemptener Hochschule aus Hegge in Nordirland. Der Waltenhofener beschreibt in einem Bericht seine Eindrücke, die er auf der Insel gesammelt hat:

<< Das kleine Land im Norden der Insel Irland zählt 1,6 Millionen Einwohner, über drei Millionen Schafe und ist seit 1920 von der Republik Irland getrennt. Es gibt, auch heute noch, immer wieder zum Teil blutige Unruhen, Troubles, wie die Nordiren sagen. Ich kann mich an zehn Bombendrohungen an einem Freitagnachmittag in Belfast erinnern. Die halbe Innenstadt war gesperrt, Polizisten standen mit Maschinengewehren neben ihren gepanzerten Autos, während nach den Bomben gesucht wurde.

Die Troubles werden oft fälschlicherweise als Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten dargestellt.

Dabei wird vergessen, dass die Katholiken Irland repräsentieren und die Protestanten auf der Seite Großbritanniens stehen und somit die Troubles eher als Konflikt zwischen Irland und Großbritannien zu betrachten sind. Durch den sogenannten Friedensprozess durch das Good Friday Agreement (Karfreitagsabkommen) im Jahre 1998 ging die Gewalt deutlich zurück. 2011 war allerdings diesbezüglich wieder ein schwarzes Jahr für Nordirland. Die meisten Nordiren lehnen die Gewalt jedoch ab, welche meist in der arbeitslosen Unterschicht ihren Ursprung hat.

Nordirland hat jedoch wesentlich mehr als negative Schlagzeilen in den Medien zu bieten. Es zeichnet sich durch seine wunderschöne Landschaft mit unendlich grün leuchtenden Wiesen, Millionen von Schafen und vor allem durch die Freundlichkeit der Menschen aus.

Ein weiteres, in die ganze Welt hinausgetragenes, Highlight sind die Irish-Pubs mit Livemusik, Guinness, gutem Essen und einer unbeschreiblichen Wohlfühl-Atmosphäre. Weiter ist diese drinking culture auch im Alltag deutlich spürbar. Nach der Arbeit ist es nicht unüblich, mit den Arbeitskollegen im Pub auf ein Pint zu gehen. Da sich der Alltag auch gerne im Pub abspielt, wird dies von den Nordiren liebevoll als social drinking bezeichnet.

Vielleicht sind die Menschen deshalb so gelassen? Den ersten Satz, den ich gelernt habe, war time is flexible, was auf Deutsch bedeutet, dass alles ein bisschen re-laxter und unkomplizierter genommen wird. Genau diese Lockerheit zeichnet die Menschen aus - und beim Arbeiten geht auch vieles sehr gemächlich.

Fünf Monate in Portrush

Die ersten fünf Monate lebte ich in Portrush, einem beliebten Ferienort an der Nordküste und studierte im nahe gelegenen Coleraine an der University of Ulster. An der Partnerhochschule der Hochschule Kempten absolvierte ich unter anderem meinen zweiten Schwerpunkt im Fachbereich BWL, Marketing-Management. In Belfast war ich in einem mittelständischen Industrieunternehmen tätig.

Insgesamt gesehen war Nordirland für mich eine Erfahrung, wie sie besser nicht hätte sein können. Denn das Gute an einem Auslandsaufenthalt ist, dass man seine Vorurteile gegenüber anderen Menschen und Ländern ablegt. Wer Pubs mag, die lockere Lebenseinstellung nachvollziehen kann und ein bisschen Wind und Regen nicht scheut, wird Irland freilich lieben. Sláinte! Wohlsein! >>

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