Mundart
Streifzug dreier Autorinnen in der Sonthofer Kultur-Werkstatt

Auch wenn die meisten Menschen in der 'staden Zeit' alle Hände voll zu tun haben – mit Backen, Basteln, Geschenke kaufen – gibt es unverzichtbare Fixpunkte im prallvollen Terminkalender. Einer davon ist die traditionelle Veranstaltung 'Wiehnächte zue' in Sonthofens Kultur-Werkstatt. Dem konnte selbst Frau Holles derzeitiger Übereifer nichts anhaben.

Wie alle Jahre wieder war es rappelvoll, als die Mundart-Autorinnen Erika Lindner (Sonthofen), Conny Ney (Ofterschwang) und Steffanie Dentler (Oberstdorf) – musikalisch trefflich unterstützt vom glockenhellen Gesang des Jodlerduetts Baiz und der Oberstdorfer Plattlermuseg – zum Streifzug durch den Advent einluden.

Mit einer Melange aus nostalgischen Rückblicken und derzeitiger Umtriebigkeit, aus tiefsinnigen Betrachtungen und schlitzohrig aufgespießten Anekdoten nahmen die gewieften Autorinnen ihr, offensichtlich unisono Dialekt-feingeschliffenes Publikum, von Anfang an gefangen.

Neben der lautmalerisch pointierten Sprachfertigkeit und der karikierend aufgespürten Allgäuer 'Originale', sorgte vor allem die Authentizität der Geschichten wegen ihrer hohen Wiedererkennungsmerkmale für Furore. Wie etwa Conny Neys Erkenntnis, dass Weihnachten inflationär gehandhabt wird und eigentlich 'scho ab dr Scheid' beginnt.

Oder Erika Lindners 's Geschenkle – es sott ebbas Bsünders sing', mit dem Adalbert sein Senzl beglücken will. Oder die Episoden von verbrannten 'Laible' und naschsüchtigen Nachbarn, vom Stress der bevorstehenden Verwandten-Besuche, und dass man im nächsten, spätestens im übernächsten Jahr alles anders machen wird.

Nervige 'Wiehnächtsposcht'

Dann gab es da noch die nervige 'Wiehnächtsposcht' und Balinas liebe Not mit der Terminfülle zwischen 'Adventsfir vum Dackelclub', 'Chorprob’' und der 'unbeaufsichtigt daheimgebliebene Bälg'. Von wegen 'schtilla Advent': Da hatten zunächst mal furchterregende Rumpelklausen das Sagen – von den Interpretinnen verbal lustvoll durchs Dorf gehetzt, die anschließend gleich das einschlägige Liedgut mittels höchst stimmiger aktueller Bestandsaufnahme ad absurdum führten.

Nachdenkliches hatten sie auch im Gepäck, wie eine ganz besondere Weihnachtspost aus Kriegstagen oder dem Sinnieren übers 'Chrischtkindle' und darüber, wie’s eigentlich ausgeschaut hat: blondgelockt oder schwarzhaarig.

Das Jodlerduett Baiz bügelte diese differenzierten mundartlichen Gedankensplitter durch virtuos vorgetragene Lieder aus. Viel Beifall zum Schluss für alle Interpreten, die heuer wieder 'mit Mundart durchs Jahr' führten.

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