Doppeljubiläum
Sonthofens Altbürgermeister Karl Blaser und seine Frau Aglaja feiern 80. Geburtstag

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Er ist ein Urgestein der Sozialdemokratie im Oberallgäu, stand 30 Jahre an der Spitze Sonthofens: Altbürgermeister Karl Blaser. Seine Frau Aglaja zog derweil zwei Kinder groß und wirkte im «Hobbyberuf» als Bergwanderführerin des Alpenvereins. Die Freude am Bergsteigern war es auch, die das Paar zusammengeführt hatte. Zweimal feierten sie jetzt 80. Geburtstag. Aglaja Blaser hatte am 9. Juli ihren Jubeltag, am Samstag Gatte Karl.

Der erinnert sich im Gespräch mit unserer Zeitung gut: In der Frühstückspension der Eltern seines Freundes Dr. Bene Götzfried << war ein hübsches junges Mädchen einquartiert >>. Eben Aglaja, die beruflich nach Sonthofen gekommen war. Der Rest ergab sich. Die Hochzeit folgte am 6. August 1955.

Schon 1946 hatte Karl Blaser als 15-Jähriger bei der damaligen Marktgemeinde Sonthofen als Lehrling begonnen. Mit Fleiß büffelte er in Fernlehrgängen auf die Prüfungen zum mittleren und gehobenen Verwaltungsdienst, trat 1952 in die SPD ein und wechselte 1960 nach Waldkraiburg. 1964 gewann er in Sonthofen die Bürgermeisterwahl auf Anhieb mit gut 67 Prozent.

Souveräne Sitzungsführung, sachorientierte Politik, konsensfähige Empfehlungen und das Bemühen um ein sozialverträgliches Klima - mit solchen Schlagworten wurde Blaser 30 Jahre später in den Ruhestand verabschiedet.

Meilensteine hatte er gesetzt: etwa den Bau von Realschule, Gymnasium, Allgäu-Schwimmhalle, Allgäu-Sporthalle, Tiefgarage und neuem Rathaus. Dazu kamen die Abwasserentsorgung sowie der Einsatz für den Erhalt von Krankenhaus und Landkreis-Sitz.

Besonders freut den Ehrenbürger heute, dass der von ihm verfolgte Grundsatz (<< Für jedes Kind in Sonthofen ein Platz vom Kindergarten bis zur Hochschulreife >>) noch immer durchschlage.

Ein << Sahnehäubchen >> nennt er die Fachoberschule: Weil der Freistaat beim Aufbau der FOS-Standorte ausgerechnet Sonthofen übergangen hatte, gründete Blaser kurzerhand 1970 eine städtische Fachoberschule, die ein Jahr später doch staatlich wurde.

Aglaja Blaser hielt ihrem Mann in all den Jahren den Rücken frei - und sich selbst aus der Politik raus. << Da muss die Ehefrau nicht mitreden >>, sagt sie. Auch wenn der Bürgermeister-Gatte viel unterwegs war, gehörte der Sonntag damals soweit es ging der Familie. Wünschen würde sie sich, dass die Bundeswehr in Sonthofen erhalten bleibt.

Die Berge locken weiter, und das Auto rückt viele schöne Ziele in greifbare Nähe. Nur statt anstrengender Touren gibt es nun << Bergsteigen mit der Seilbahn >> - also hinauffahren und ein bisschen herumlaufen. Den 80. Geburtstag von Aglaja Blaser - sie stammt aus der Wartburgstadt Eisenach - feierte die Familie auf der Zugspitze.

<< Der erste Sozialdemokrat >>

Zur Sonthofer Politik sagt Karl Blaser nur einen Satz: << Die Zeiten sind gewiss schlechter, aber die gehen mit dem Geld um, wie wenn sies hätten. Zu meiner Zeit gab man da mehr Obacht. >> Die Frage nach der Bedeutung der Sozialdemokratie lockert die Zunge mehr: << Nimmt man es genau, war Jesus der erste Sozialdemokrat. >> Keine Partei habe so viele Entwicklungen auf den Weg gebracht wie die SPD. Im Blick hat er unter anderem die Friedenspolitik von Altkanzler Willy Brandt.

<< Ohne SPD würde unser Sozialstaat zugrunde gehen >>, meint Blaser. Und ohne die sozialdemokratische Idee gäbe es Deutschland nicht in der Form, mit Freiheit und ohne Feinde. Aufgaben der Partei für die Zukunft? Genug! << Die soziale Systeme müssen nach dem Grundsatz der Solidarität weiterleben >>, fordert Blaser.

Die vielen Privatisierungen bis herab auf kommunale Ebene seien falsch. Und man müsse die Stabilität des Geldes sichern. Da hätte Blaser mehr Vertrauen in Menschen wie Ex-Finanzminister Peer Steinbrück als in die, die am Werk sind.

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