Stadtökologie
Rollendes Hochbeet soll für Gartenschau in Sonthofen werben

Wäre es der Stadt nicht so ernst mit ihrer Landesgartenschau – man könnte es für eine Posse halten: Das Dach des Sonthofer Stadtbusses wird begrünt. Bürgermeister Christian Wilhelm will so die Bedeutung der Gartenschau (wir berichteten mehrfach) unterstreichen und bei der Bevölkerung um Unterstützung werben. Er hofft auch auf Hilfe der Blumen- und Gartenfreunde.

Die Bürger sind heute, Freitag, gefragt: In der Stadtbus-Mittagspause wird das rollende Hochbeet von 12.30 bis 13.30 Uhr am Rathausplatz präsentiert und bepflanzt. Bürger, die etwa ein Töpfchen Primeln spendieren, erhalten einen Gutschein für eine Stadtbus-Fahrt. Die Hirschbrauerei gibt Freibier aus. Das Projekt passe ausgezeichnet zum Allgäuer Ökobier findet Brauerei-Chefin Claudia Höss-Stückler, will aber ebenso etwas Alkoholfreies mitbringen. Zudem verschenkt die Stadt (Aktion Sonthofen blüht) wieder kostenlose Tütchen mit Hanf- und Blumensamen. Nach der ersten Idee (wir berichteten) ging es jetzt also richtig schnell.

Als der frühere FW-Stadtrat Martin Weihretter beim Freie Wähler-Stammtisch davon erfuhr, war er so begeistert, dass er seine Lehrlinge spontan ein Hochbeet aus Leichtmetall für den Stadtbus konstruieren ließ – kostenlos. Der Unternehmer hofft auf einen Auftrag, falls die Firma Alpenvogel später auch große Busse ökologisch umrüstet. Dass es so flott geht, kommt gelegen, weil der Bus so für den bio-regional-fairen Markt in Sonthofen (Sonntag, 17. April) werben kann.

Im Hauptausschuss des Stadtrates war die Diskussion dennoch kontrovers: Kunstschmied Christian Lanbacher (FW) sähe lieber eine geschmiedete Konstruktion statt so Alu-Zeugs. Doch durch das hohe Gewicht würde der Spritverbrauch unnötig steigen, rechnete ihm Werner Gerngroß (SPD) vor. Grünen-Stadträtin Ingrid Fischer fandet am begrünten Stadtbus Gefallen: Das passe zum ökologischen Image der sonnigen Alpenstadt und verbessere die Luftqualität. Sie bat, auf jeden Fall Sonnenblumen zu pflanzen.

Was Landwirtschaftsreferent Engelbert Bechteler (CSU) als Schmarrn abtat. Man sollte keine Werbung für Parteien machen, schimpfte er. Zudem seien Sonnenblumen völlig ungeeignet, weil sie bei Gegen- oder Fahrtwind schnell einknickten. Auch Zwergsonnenblumen brächten nichts.

Dem stimmte Alpenvogel-Chef Klaus-Peter Kracker zu: Es eigneten sich nur niedrig wachsende Pflanzen: Bodendecker beispielsweise und Primeln. Zur Alpenstadt Sonthofen könnten auch Alpenveilchen passen, regte er an – oder Kräuter, damit es in der Stadt besser riecht. Laut Kracker kam die Idee für begrünte Fahrzeugdächer bereits im Jahr 2010 für die rund 4500 öffentlichen Busse in New York auf den Tisch. Mittlerweile habe auch ein Spanier ein Konzept entwickelt.

Bus-Aktion

Am Freitag präsentieren Rathaus und Busfirma den Stadtbus mit Hochbeet: von 12.30 bis 13.30 Uhr auf dem Rathausplatz. Bürger, die ein Töpfchen Primeln oder Bodendecker mitbringen, dürfen diese selbst aufs Busdach pflanzen. Trauen sie sich nicht auf die Leiter, klettert der Bürgermeister. Dazu gibt es Öko-Freibier vom Hirschbräu und die neue Samenmischung Sonthofens Gärten – eine Schau.

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