Gericht
Rauchbombe bei Eishockeyspiel in Sonthofen: Bewährungsstrafe für Täter (23)

23-Jähriger hatte bei Eishockeyspiel Pyrotechnik abgebrannt und vier Ordner verletzt. Aufgrund von Lügen war der Azubi zunächst freigesprochen worden. Nun wurde er zu einem Jahr und zwei Monaten Haft verurteilt.

Zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten hat das Kaufbeurer Amtsgericht einen 23-Jährigen wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Der damals 20-Jährige hatte im März 2012 bei einem Eishockeyspiel zwischen Sonthofen und Schweinfurt eine Rauchbombe gezündet und vier Ordner verletzt. Unter Tränen sagte der junge Oberallgäuer, dass es ihm leid tue und er nie beabsichtigt habe, jemandem Schaden zuzufügen. Das Pikante an dem Fall war, dass der gebürtige Rheinländer in einem früheren Verfahren vom Amtsgericht Sonthofen zunächst freigesprochen worden war.

Er und mehrere seiner Begleiter, die mit zu der Partie nach Schweinfurt gefahren waren, hatten gelogen. Sie hatten behauptet, dass sie weder Tat noch Täter gesehen hätten. Doch die Sache flog später auf. Der 23-Jährige und seine Begleiter wurden dann wegen Falschaussagen verurteilt. Und die eigentliche Körperverletzung musste erneut behandelt werden. Da das Amtsgericht Sonthofen aus formalen Gründen nicht das Wiederaufnahmeverfahren bearbeiten durfte, wurde nun das Amtsgericht Kaufbeuren damit betraut.

Lungenfunktion eingeschränkt

Der Verurteilte habe nicht gedacht, dass die Rauchbombe (genauer gesagt handelt es sich um einen sogenannten Rauchtopf, der frei im Handel zu kaufen ist) einen derartigen Schaden anrichten würde. Besonders schwer verletzt wurde eine 38-jährige Ordnerin. Sie hatte den Qualm eingeatmet und ihre Lungenfunktion ist seitdem um 50 Prozent eingeschränkt. Ihren Beruf als Sicherheitsfachkraft musste sie an den Nagel hängen. Auch im Gerichtssaal hustete die Frau, die als Zeugin gehört wurde, ständig - was auf den besagten Fall zurückzuführen sei.

Drei weitere Ordnungskräfte erlitten ebenfalls Rauchvergiftungen. Sie wurden mehrere Tage stationär im Krankenhaus behandelt, allerdings im Gegensatz zu der Frau nicht dauerhaft geschädigt. Der 23-Jährige habe seinerzeit gelogen, weil er in der Schweinfurter Presse gelesen hatte, dass durch die Rauchbomben (es waren im Fanblock unter anderem auch noch Bengalos gezündet worden) 100.000 Euro Schaden entstanden seien. Da habe er es mit der Angst zu tun bekommen.

Ein Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe sagte, dass der junge Mann durch die Ereignisse aus der Bahn geworfen worden sei. Seine Beziehung ging in die Brüche, die Leistungen in seiner Ausbildung hätten sich verschlechtert, im Dorf werde er teils geschnitten, weil er dann geholfen hatte, die Namen weiterer Rauchbombenzünder zu ermitteln. Er gelte deshalb in manchen Kreisen als Verräter.

Das Gericht fasste die Bewährungsstrafe von zehn Monaten Haft, die der 23-Jährige wegen der Falschaussage erhalten hatte, mit der Körperverletzung zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und zwei Monaten Haft auf Bewährung zusammen. Außerdem muss der Azubi 2000 Euro an eine gemeinnützige Stiftung zahlen.

Der Staatsanwalt hatte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten und 4000 Euro Geldauflage gefordert. Die Verteidigung plädierte auf eine Geldstrafe ohne Haft.

Autor:

Markus Bär aus Kempten

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