Special Prozesse im Allgäu SPECIAL

Amtsgericht
Pokal gewonnen, aber den Prozess verloren

Gewonnen hatten sie einen Pokal beim Hornerschlittenrennen in Gunzesried im März 2010, Schlittenfahrer aus einem Club im Bregenzerwald. Vier von ihnen haben allerdings jetzt vor dem Amtsgericht Sonthofen verloren.

Weil sie seinerzeit randalierten, Polizisten beschimpften und sogar schlugen sowie sich aggressiv der Festnahme widersetzten, ist das Quartett aus Österreich zu Geldstrafen zwischen 900 und 3200 Euro (30 bis 80 Tagessätze zwischen 30 und 40 Euro) verurteilt worden. Erst ganz zum Schluss der fünfstündigen Verhandlung mit zehn Zeugen räumten sie ihre Taten weitgehend ein und entschuldigten sich bei den als Zeugen geladenen betroffenen Polizisten. Auch die Urteile akzeptierten die vier Männer im Alter von 24 bis 34 Jahre, darunter zwei Bruderpaare.

Bei der feucht-fröhlichen Siegesfeier in der Mehrzweckhalle Blaichach war weit nach Mitternacht eine Menschentraube feiernder Österreicher außer Rand und Band geraten. Alle Bemühungen der ersten anrückenden Streifenwagen-Besatzung und der Saalordner, die Halle aufgrund der entstandenen Randale zu räumen, scheiterten zunächst.

Immerhin hatte zuvor ein Ordner ins Krankenhaus gebracht werden müssen, nachdem man ihm die Schulter ausgekugelt hatte.

Die zuerst angerückten beiden Beamten wurden geschlagen und leicht verletzt. Sie sahen sich einer wütenden, schimpfenden und in den Saal zurückdrängelnden Meute gegenüber, wie aus ihrer Zeugenvernehmung deutlich wurde. In ihrer Not setzten sie Pfefferspray gegen die Menge ein.

Polizeiautos bis aus Kempten

Erst als nach und nach Polizei-Verstärkung mit Streifenwagen bis aus Kempten in Blaichach eingetroffen war, konnte der heftige Widerstand wenigstens teilweise gebrochen werden. Es gab schließlich sieben Festnahmen. Die vermeintlichen Übeltäter wurden auf Arrestzellen in Immenstadt und Sonthofen verteilt. Alle sieben Burschen erhielten Strafbefehle.

Vier von ihnen mussten zur öffentlichen Hauptverhandlung erscheinen, weil sie den Strafbefehlen widersprochen hatten.

Richterin Brigitte Gramatte-Dresse hatte im Gerichtsaal keinen leichten Stand, um die Burschen auf ihre Taten festzunageln, zumal sie entweder jegliche Erklärung verweigerten oder sich als Unschuld vom Lande darstellten. Manchen Disput gab es auch mit den vier Rechtsbeiständen der Angeklagten. Es hatte den Anschein, als ob sie durch ihre vielen Fragen nach letzten Details des Durcheinanders die Polizisten verunsichern wollten, bis die Richterin einmal dazwischenfunkte. Auch die zunächst verstockt wirkenden Beschuldigten taten zwischendrin so, als gehöre die Polizei und nicht sie auf die Anklagebank.

Erst ein Rechtsgespräch zwischen den mitunter aufbrausenden Anwälten, dem Staatsanwalt und der Richterin erbrachte die Wende bei diesem Verfahren. Die Richterin ließ den Vorhalt der gemeinschaftlich begangenen Körperverletzung fallen, obwohl ursprünglich sogar Landfriedensbruch als Strafvorwurf erwogen worden war. Damit kam nur der Strafsachverhalt einer einfachen Körperverletzung infrage, sodass den Wüterichen keine Freiheitsstrafe mehr drohte.

Mit den verhängten Strafen, wie sie ähnlich der Staatsanwalt gefordert hatte, im Gepäck zogen die Schlittenfahrer aus dem Bregenzerwald, mit Blessuren in ihrem Ziel angekommen, von dannen.

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