Erziehung
Neues Projekt zur Sprachförderung in Sonthofen fängt schon bei Eineinhalbjährigen an

Begeistert klatschen die Kinder zu den Wortsilben: Ha-se. Bi-ber. Maul-wurf. Immer schön die erste Silbe betont. Dass sie anhand der Bildkarten nebenbei auch lernen, wie ein Elefant aussieht oder ein Krokodil, ist zwar praktisch, hier aber nicht das Hauptanliegen.

In einem neuen Sprachprojekt sollen die Kinder vielmehr den Sprachrhythmus lernen. Der Wortschatz kommt später sozusagen nebenbei, weil ihn sich die Kinder besser selbst erarbeiten können.

Warum der Sprachrhythmus so wichtig ist, erläutern Kinderhaus-Leiterin Ulrike Fischer und Susanne Beckers, Geschäftsführerin der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde: In der deutschen Sprache werde normalerweise die erste Silbe betont, im Französischen zum Beispiel dagegen meist die zweite. Auch andere Sprachen haben häufig einen anderen Rhythmus. Die Folge: Manches Kind könnte die Worte eigentlich verstehen; weil es aber eine andere Betonung gewohnt ist, kommen Sätze nur wie Brei an. Dann wird das Erkennen und Verstehen schwer.

Neu an dem Projekt «Offensive frühe Chancen», das im Oberallgäu bisher einzig das Kinderhaus Regenbogen und der Johannis-Kindergarten in Sonthofen gemeinsam durchführen, ist vor allem die Zielgruppe: Die Frühförderung beginnt schon bei Kindern im Alter ab 1,5 Jahren.

Etwa 200 bis 300 Worte kann ein «normales» deutsches Kind im Alter von drei Jahren. Doch der Bundesinitiative geht es nicht ums sture Lernen von Worten. Denn vieles vergisst man eh wieder. Und das um so schneller, je weniger bestimmte Worte benutzt werden. Entscheidend ist vielmehr das Sprachgefühl.

Das Projekt zielt unter anderem auf Kinder ab, deren Mutter- und Familiensprache nicht Deutsch ist oder die man schon ganz früh bei der Sprachentwicklung fördern will. Aber eben auch auf Kinder mit deutscher Muttersprache, die da dennoch Schwierigkeiten haben. Denn auch hier nehmen die Probleme zu, weil Eltern zu wenig richtig mit ihren Kindern sprächen, so Fischer. «Es gibt Menschen, die plappern ununterbrochen und an den Kindern bleibt doch nichts hängen.

» Die Gründe dafür sind laut Beckers vielseitig: Manche Eltern seien berufstätig, andere einfach überlastet, und gewiss gebe es auch Eltern, die selbst nur zu viel in den Fernseher schauten. «Um eine Sprache zu lernen, ist Interaktion nötig - Fernsehen bringt da nichts.»

Kinderhaus und Kindergarten versuchen zugleich, die Eltern einzubeziehen. Dazu gehören Informationen, warum das jeweilige Kind in den Genuss der besonderen Förderung kommt, aber bei Bedarf und zu gegebener Zeit auch Hilfe für die Eltern selbst.

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