'Dichterlesung'
Mundart von Beate Lipp und Kollegen begeistern die Besucher der Hintersteiner Festhalle

Ganz schön schlau, um nicht zu sagen bauernschlau, begibt sich die Mina aus 'Hinderschtui' am helllichten Tag zu Bett und mimt die bedauernswerte Kranke. Die Vorteile liegen auf der Hand: Mitleidige Nachbarn besuchen das raffinierte Weiblein mit der eisgrauen Knotenfrisur und bringen ihm allerlei – hoffentlich hochprozentige – Stärkungen vorbei. Die Bewohner des Bergdorfes wissen es längst: Es war wieder 'Dichtarleasüng' in der Hintersteiner 'Feschthalle', gekrönt vom traditionellen 'Theaterle' der Beate Lipp.

Die Zettler-Tochter und Mundartdichterin hat sich wieder einmal in die schon etwas tatterige und schlecht hörende Sefa verwandelt, die ihrer bettlägerigen Freundin Mina (Bärbl Bentele) einen 'Krônkebsüech' abstattet. Und beide sind leicht verstört, als die Vertretung des Hausarztes, der 'schwarze Doktr', den Blutdruck misst und die Lunge abhört.

'Bin i scho in der Hell', bangt Mina, derweil Sefa wie hypnotisiert mit der Freundin tief ein- und ausatmet. Ahmed Arif, Hintersteiner mit maledivischen Wurzeln, spielt den Mediziner und kann sich bisweilen angesichts der Patientin in rüschenbesetzten Unterhosen und beigefarben gehäkeltem Nachthemd ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Die Zuschauer im vollbesetzten Saal sind froh, dass sie sich nicht zurückhalten müssen: Sie prusten bei jeder Gelegenheit ungehindert los. Nicht nur bei dem 'Theaterle', das den Höhepunkt mit der Verkostung von Franzbranntwein erreicht, sondern auch bei den 'Stickle' der versammelten Mundartdichter.

Das sind neben Beate Lipp, die zu Beginn mit einem Gedicht an den langjährigen Gast und früh verstorbenen Martin Hehl erinnert, der 'Käs-Karl' aus Hopferau sowie Richard Wasle und Mizzi Tuschl aus Tirol. Karl Poppler, der seinen Zusatznamen seiner früheren Tätigkeit in einer 'Sennkuche' verdankt, entzückt das Publikum wie gewohnt mit seinem trockenen Humor.

Der Schalk blitzt ihm aus den Augen, wenn er mit fast stoischem Gesichtsausdruck vom ungeliebten 'Hose koofe' berichtet, bei dem er mit seiner langen grünen Bundeswehrunterhose und den weißen Socken im 'Verschlag' auf die modischen Vorschläge von Ehefrau und Verkäuferin warten muss.

Die Mizzi, anfangs ein wenig aufgeregt und zu schnell, erzählt von der Resl, die ihren kreuzbraven Josef vergeblich im Himmel sucht, weil er bei den Märtyrern gelandet ist. Wasle trägt Werke einer Innsbrucker Dichterin vor: Da geht’s um die Vorteile einer 'Regenhaut' gegenüber dem 'Dachl' und den frühen Frust einer Sandkastenliebe.

Beate Lipp, Organisatorin der November-Veranstaltung, erzählt kleine Geschichten, gerne mit einer Prise Moral: vom Helmut, der sein Brüderchen im Regen stehen ließ, oder vom Esel, der sich geschickt gegen zu schwere Bürden wehrt.

Musikalisch aufgelockert wurde die 'Leasüng', wie immer bedächtig moderiert von Hugo Anwander, durch die 'Hinderschtuinar Hirtemuseg', das 'Oschtrachtalar Gitarreduo' und das wohlklingende Jodlerduo Baiz aus Vorderburg. Einen Sonderapplaus erhielten die Gebrüder Kotz für ihren frischen Vortrag als Hirtenbuben und den Auftritt als 'Nochbürs Büebe' im 'Theaterle'. Der Reinerlös geht wie immer an Familien, 'die’s noateg brüche kinnet'.

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