Ausstellung
Müde Krieger und eine Teufels-Geiß

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Die vier Männer geben sich lässig und wirken doch nur wie müde Krieger. Abgekämpft der eine, anlehnungsbedürftig der andere, ausdruckslos in den Himmel starrend ein Dritter. In brauner Schlabberhose und roter Trainingsjacke mit Kapuze erinnern die vier an Teenager. Aber sind sie nicht eher zeitlose Sinnbilder einer Gesellschaft ohne Perspektiven?

'Kritik der reinen Vernunft' nennt Gustav Erb seine mit Acrylfarbe bemalten kleinen Tonfiguren und hat damit bereits zum Auftakt der 'Großen Südlichen' in der Sonthofer Markthalle Aufmerksamkeit erregt. Seine Arbeit erhielt bei der Jahresausstellung der Bildenden Künstler aus dem südlichen Oberallgäu, dem Kleinwalsertal und dem Tiroler Jungholz den Preis 'Der erste Ankauf', der von der Sparkasse Allgäu vergeben wird und heuer mit 1600 Euro dotiert ist.

Mit rund 180 Arbeiten von 50 Künstlern ist diese 'Südliche' die bisher umfangreichste Schau, die von der Kulturgemeinde Oberallgäu veranstaltet wird.

Neben wichtigen in der Region ansässigen Malern und Bildhauern, Holzschneidern und Fotografen wurden heuer von der Jury auch Künstler eingeladen, welche die Region mittlerweile verlassen haben, bis zu vier Werke ihrer Wahl zu zeigen. Wie etwa Gustav Erb, der in Immenstadt geboren wurde und heute in Köln wohnt.

Diese Abgewanderten erweisen sich als erhebliche Bereicherung der Ausstellung, wie etwa der in Neuseeland arbeitende Schmuckdesigner Karl Fritsch, der in Sonthofen das Licht der Welt erblickte. Er heftet zum Beispiel Halbedelsteine wie Amethyst oder Rosenquarz mit Nägeln auf oxidiertes Silber und formt so unkonventionell aus einem Ring eine bizarre Skulptur.

Kühn in der Konzeption erscheint auch die Geiß, die Magnus Auffinger aus Gunzesried aus Muschelkalk herausgearbeitet hat: Das Tier wächst wie ein Turm aus der Erde, windet schlangenartig seinen Körper in die Höhe, auf dem ein dämonenähnlicher Kopf mit Hörnern thront. Und selbst das Bein mit Huf fehlt nicht als Teufelsattribut.

Trend: formale Geschlossenheit

So formvollendet wie diese Arbeit wirken nicht alle Ausstellungsstücke in dieser 'Südlichen', dennoch ist bei vielen deutlich ein Trend zu formaler Geschlossenheit zu beobachten. Solch innere Ausgewogenheit ist manchmal selbst dort zu finden, wo es das Ausgangsmaterial einer Arbeit gar nicht vermuten ließe.

So arrangiert Michael Vogler aus Immenstadt Abfallstücke seiner Kettensägearbeiten, Holzsplitter, zu dichten zerklüfteten Bergpanoramen. Und Regine Schirmer aus Oberstdorf deckt die verborgene Ästhetik in verbeultem und verrostetem Metall auf. Mit dem Kameraobjektiv zum 'Sommernachtstraum' fokussiert, mutiert das fotografierte Motiv am Ende zu einer stimmungsvollen Abstraktion.

Die Ausstellung dominieren allerdings gegenständliche Darstellungen, vor allem im Bereich der Malerei. Dort tritt dann zum Teil erstaunliches handwerkliches Können zutage, etwa in den 'Spiegeleiern' von Tomislav Paunkovi?c aus Jungholz, noch feuchten Eierschalen, die sich in einer mattpolierten Holzplatte spiegeln, und die im Stile eines altmeisterlichen Stilllebens in raffinerter Licht- und Schatten-Regie in Szene gesetzt werden.

Auch die wenigen gezeigten Holzschnitte sind von hoher Qualität, allen voran die Kälte, Einsamkeit und Trostlosigkeit vermittelnde bildhafte Umsetzung des Schubertliedes 'Fremd bin ich eingezogen' von Detlef Willand aus Hirschegg.

Hintergründiger Hu

mor spricht dagegen aus den Acryl-Gemälden von Horst Weiss aus Oberstdorf, der etwa in 'Eingesackt' ein ganzes Bergmassiv in eine Papiertüte steckt. Zur bitteren Gesellschaftssatire spitzt sich die Ironie im 'Wimmelbild' in Öl von Franz Meier aus Sonthofen zu, das Köpfe von Politikern verschiedener Parteien mit hohlen Masken und hässlichen Fratzen mischt. Welche Perspektiven bieten sich wohl hier dem Betrachter?

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