Zukunft
Mit und ohne Schnee: Die Lage des Wintertourismus in den Alpen

Wie soll die Tourismusbranche reagieren, wenn es in den Alpen immer weniger schneit? Von der schwierigen Suche nach Alternativen.

Heidi Thaumiller (Oberstaufen Tourismus) ist überzeugt: Man dürfe nicht immer von "Alternativen" zum klassischen Wintertourismus sprechen, sagte sie bei einer Fachtagung in Sonthofen, zu der die Oberallgäuer Europaabgeordnete Ulrike Müller (Freie Wähler) eingeladen hatte.

Dann komme das so rüber, als gebe es überhaupt keinen Schnee mehr im Allgäu. Tatsache aber ist: Die Alpenregion ist in besonderem Maße im Schwitzkasten und das ist für den Wintertourismus alles andere als förderlich.

Die Fakten:

Ausgangslage Seit 1890 ziehen sich die Alpengletscher aufgrund des Temperaturanstiegs immer weiter zurück. Tendenz: Das Eis schmilzt immer schneller. Diplom-Meteorologe Joachim Schug sagt: "Die Gletscher zeigen uns, wie der Klimawandel stattfindet." Der einzige kleine Gletscher in den Allgäuer Alpen, die Schwarze Milz, wird bald verschwunden sein. Und auch die Ferner auf der Zugspitze schmelzen immer rascher ab - wie im gesamten Alpenraum und in den Gebirgen weltweit. Im Eiswinter 1962/63 war der Bodensee letztmals zugefroren. Schug: "So etwas werden wir wohl nie mehr erleben." Statistiken über die gefallenen Schneemengen zeigen klipp und klar: Vor allem in niedrigeren und mittleren Lagen schneit es immer seltener.

Prognose Darauf müssen wir uns nach Angaben von Geograf und Klimatologe Christoph Beck von der Universität Augsburg einstellen: Bis etwa 2050 wird die Mitteltemperatur um etwa eineinhalb Grad steigen, bis Ende des Jahrhunderts könnten es bis zu vier Grad sein. Eine Zunahme von Starkniederschlägen sei insbesondere im Winterhalbjahr zu erwarten.

Schneesicherheit Trotz des Temperaturanstiegs wird es auch in Zukunft in Bayern schneesichere Skigebiete geben, sind sich die Experten einig. Dazu gehören in erster Linie in Oberbayern die Zugspitze, im Oberallgäu das Nebelhorn und Fellhorn. Aber auch andere Regionen im Allgäu haben Millionen in die Wintersport-Infrastruktur investiert und glauben an die Zukunft des alpinen Skisports. "Ich bin überzeugt, dass Dörfer wie Oberjoch in 1200 Metern Höhe eine Zukunft haben", sagt Julia Lerch vom Panorama Hotel Oberjoch.

Aufgegeben Schon in den vergangenen Jahren haben niedriger gelegene Skigebiete aufgegeben - beispielsweise drei in Immenstadt, darunter zuletzt der frühere "Alpsee-Skizirkus". Dort wurden die Schlepplifte abgebaut. Wo einst Generationen das Skifahren lernten, gibt es jetzt eine Sommerrodelbahn und einen Kletterwald. Dieser Tage wurde an der "Alpsee Bergwelt" ein riesiger Erlebnis-Spielplatz in Betrieb genommen. Zweieinhalb Millionen Euro flossen in das Projekt.

Konzepte Werner Vetter vom Immenstädter Outdoor-Veranstalter Faszinatour sagt auf die Frage, ob Alternativen zum Schnee-Tourismus notwendig sind: "Wir brauchen definitiv neue Konzepte." Das Bergerlebnis müsse durch "Nebenattraktionen" ergänzt werden.

EU-Programm Fünf Millionen Euro hat die EU nach den Worten von Regionalmanagerin Sabine Weizenegger in den vergangenen zehn Jahren allein ins Oberallgäu gezahlt. Im Rahmen sogenannter Leader-Projekte seien auch Vorhaben gefördert worden, die Alternativen zum klassischen Wintertourismus sein können - beispielsweise die Wandertrilogie. Das ist ein einzigartiges Wanderwegenetz durch das gesamte Allgäu.

Bei einer Diskussion um die Zukunft des Wintertourismus im Allgäu geht es natürlich auch um die umstrittene Liftverbindung zwischen Balderschwang und Grasgehren am Riedberger Horn. "Wir leben zu 90 Prozent vom Tagestourismus", sagt Grasgehren-Liftbetreiber Berni Huber. Das Gebiet sei über den Riedbergpass oft schwer zu erreichen. Mit einem Skiverbund könne man leichter über Balderschwang ins Skigebiet. Ein attraktiveres Angebot würde auch die Verweildauer der Urlaubsgäste erhöhen. Gleichwohl gibt Huber zu: "Wir werden uns nie mit den großen Skigebieten in Österreich vergleichen können."

Kulturlandschafts-Pflege Die Menschen, die die Allgäuer Kulturlandschaft pflegen und erhalten, müssten davon auch leben können, mahnt Förster Hugo Wirthensohn von den Freien Wählern im Oberallgäu.

Autor:

Michael Munkler aus Kempten

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