Hörnerrennen
Mit 70 Stundenkilometern ins Tal

Mit hohem technischen Können sausten die Piloten bei der 24. Auflage des Internationalen Gunzesrieder Hornerrennens ins Tal. Rund 70 Hornerschlitten gingen an den Start. Trotz der eisigen Kälte hatten sich sehr viele Zuschauer auf den Weg gemacht, um entlang der Strecke die teils waghalsigen Fahrmanöver zu bejubeln.

Doch die unterhaltsame, sportliche Veranstaltung täuscht bis heute nicht über den Ursprung der waghalsigen Gefährte hinweg. Die Wurzeln der vollständig aus Holz gebauten Lastenschlitten liegen in der beschwerlichen und gefahrvollen Arbeit der Vorfahren. Sie dienten im Allgäu zum Transport von Heu und Brennholz.

Jeden Winter sausten die hölzernen Schlitten, ohne Metallbeschläge und Bremse und mit zwei kräftigen Männern besetzt ins Tal. Fahrer und Helfer absolvierten mehrere Fahrten, um Stall und Ofen mit den nötigen, am Berg gelagerten, Materialien zu versorgen.

Heute ist es ein reines Wettkampfvergnügen für die Zuschauer und eine hohe sportliche Herausforderung für die Fahrer, die den Kampf mit den Tücken der Strecke und gegen die Zeit aufnehmen. In diesem Jahr wurde die Piste im oberen Bereich um etwa 150 Meter verlängert, sodass die Gesamtlänge 1,1 Kilometer betrug.

Ganz nach Weltcup-Manier im Ski-alpin-Bereich wurden vor dem Wettkampfstart einige Vorläufer auf die Strecke «losgelassen», darunter auch Blaichachs Bürgermeister Otto Steiger als Co-Pilot. Im anschließenden Interview sprach er überschäumend von «einem einfach saugeilen Gefühl, wenn man auf so einem Hornerschlitten herunterbrettert».

Danach folgte der Gesamtlauf aller Teilnehmer, die in kurzen Abständen dem jubelnden Publikum den Fahrtwind um die Nase bliesen. Bei Geschwindigkeiten zwischen 50 und 70 Stundenkilometer kann es in den Kurven auch ganz schön «stauben». Neben den tollkühnen Darbietungen der Hornerfahrer sorgten Glühweinstände und die höchst humorvolle Doppelmoderation von Thomas Häuslinger und «Liese» Oßwald für erwärmende Gefühle.

Einige Stürze blieben nicht aus, die aber allesamt augenscheinlich recht glimpflich ausgingen. Zumindest traten alle «Verunfallten» umgehend die Weiterfahrt an. Diejenigen Piloten, die auf der Strecke ihren Beifahrer verloren hatten (so etwas gab es auch), mussten im Ziel auf diesen warten, ehe die Zeitnahme stoppte.

Denn die Regel besagt, dass beide Fahrer samt den bis zu 50 Kilogramm schweren Schlitten über den Zielstrich gelangen müssen, auch wenn der Co-Pilot dies spurtenderweise erledigt. Solche Einlagen sorgten natürlich für großes Amüsement bei den Zuschauern.

Lokalmatadoren vorne dabei

Beim Gesamtlauf konnten sich Gilbert Hammerer und Wolfgang Troy von den Eggener Hornrern in einer Zeit von 1:05,38 Minuten an die Spitze setzen. Zweite wurden Thomas und Johann Greber vom HC Schwarzenberg vor Florian Zeh und Marius Weber vom HC Siggen. Auf Platz vier gelangten mit Georg Oßwald und Martin Knisel zwei Lokalmatadoren aus Gunzesried.

Die Damenwertung gewannen überlegen Christiane und Sabrina Waibel vom HC Gunzesried. Nach dem Gesamtlauf traten die 15 besten Schlittenteams in einer zweiten Konkurrenz noch einmal an, um die ausgelobten Geldprämien auszufahren.

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