Afrika
«Mein Leben hing am seidenen Faden»

Insgesamt 17 Jahre war Christian Rittberger Vorsitzender der Kreisgruppe Sonthofen im Landesjagdverband Bayern und Geschäftsführer der Hochwildhegegemeinschaft Sonthofen. Erstmals jagte Rittberger 1975 im damaligen Südwestafrika. Zwischenzeitlich pensioniert, organisiert er in Tansania und Namibia Safaris. Jetzt hat er das Buch «Jambo! Afrika wango» über seine Erfahrungen in Afrika geschrieben.

Wann haben Sie beschlossen, ein Buch über Ihr Afrika zu schreiben?

Rittberger: Ich hatte eine sehr schwere Malariainfektion durchzustehen. Ich infizierte mich in Tansania an einer Malaria Falciparum, dem tödlichen Tropenfieber. Mein Überleben hing an einem seidenen Faden, besser am funktionierenden Propeller eines Buschflugzeuges, das mich in letzter Minute aus dem Busch holte und einer ärztlichen Behandlung zuführte. Ich versuchte, mir mit der Kurzgeschichte «Malaria», der Schlüsselstory in meinem Buch, etwas von der Seele zu schreiben. Ich gab diese Story weiter, an Freunde, Bekannte und Redakteure - und wurde spontan aufgefordert, diese Story zu veröffentlichen und weiter zu schreiben.

Was macht für Sie die Faszination der Länder Tansania und Namibia aus?

Christian Rittberger: Afrika fasziniert mich ganz allgemein, im Vergleich von Namibia und Tansania vor allem die Gegensätzlichkeit der Landschaften von Namibia am kalten Benguelastrom des Atlantiks und Tansania am tropisch warmen Indischen Ozean. Aber auch die Unterschiedlichkeit der Menschen, der Vielzahl der Stämme und Kulturen fesselt.

Welche Erlebnisse schildern Sie in ihrem Buch?

Rittberger: Mein Buch richtet sich nicht nur an Jäger. Selbst die Kurzgeschichten «Notizen zur Jagd in Namibia» und «Notizen zur Jagd in Tansania» sind so gehalten, dass sie auch den nicht jagenden Leser weder langweilen noch aufbringen.

Zudem sind viele der Geschichten weitab von der Jagd und behandeln «alltägliches» Afrika, beispielsweise die Story «Kirchgang in Windhuk» oder «Mizaki, eine afrikanische Weihnachtsgeschichte», letztlich eine Hommage an eine Prostituierte aus Sambia, die ihrem Gewerbe in Windhuk zum Unterhalt der Familie in Sambia nachging. Aber ich bin mir auch sicher, dass das Buch auch Jägern gefällt. Auch wenn für manche die Jagd in meinen Ausführungen zu kurz kommen mag.

Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Rittberger: Auf die Jagd bezogen nimmt sicher die Jagd auf Büffel und Elefanten einen besonderen Rang ein. Aber ich bin nicht an Sensationen interessiert, mich beeindruckt letztlich das afrikanisch geprägte Alltägliche, in dem Sensationen untergehen, nichtig werden.

Stimmt es, dass die Wilderei in Afrika wieder zunimmt?

Rittberger: In Südafrika nahm die Wilderei von Nashörnern gewaltig zu. Man befürchtet jetzt, dass die dort groß angelegte Wilderei von Nashörnern nun auf Namibia überschwappt. Viagra konnte der Wilderei der als Potenzmittel verwendeten pulverisierten Hörner keinen Einhalt gebieten. In Namibia wird vor allem auf Fleisch gejagt und gewildert. Hier nimmt das einfachere Rauben und Schlachten von Rindern zu. In Tansania wird ebenfalls auf Fleisch gewildert, aber auch die Elfenbeinwilderei spielt immer noch eine große Rolle.

Hat sich das Verhalten der Tiere dadurch verändert?

Rittberger: Die Elefanten sind in Tansania häufig sehr aggressiv. Ich führe dieses Verhalten auf die Wilderei zurück.

Wie kann man effektiv gegen Wilderer vorgehen?

Rittberger: Der beste Schutz der Wildtiere vor dem Wildern, das häufig grausame Züge aufweist, ist die kontrollierte Jagd. Nur über diese ist der Schutz vor Ort über das Jahr gewährleistet.

Die Fragen stellte Michael Mang

Das Buch «Jambo! Afrika wango» von Christian Rittberger ist beim Verlag J. Neumann-Neudamm erschienen.

 

C. Rittberger

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