Viehscheid
Massen strömen zu den Veranstaltungen in Gunzesried und in Immenstadt

Zig Zuschauer, Bilderbuch-Wetter und volle Festzelte: Für Veranstalter und Besucher hätte dieser Viehscheid-Samstag wohl nicht besser laufen können. Während zu den Veranstaltungen nach Gunzesried und Immenstadt tausende Beobachter strömten, fielen die Viehscheide in Missen, Jungholz und Wengen dagegen relativ klein aus - aber dennoch gemütlich. Ein Überblick:

Gunzesried

Vor lauter Autos sah man in dem beschaulichen Ort bei Blaichach kaum mehr die Wiesen: Rund 10.000 Menschen beobachteten wie insgesamt 13 Herden von 16 Alpen, 1458 Rinder und 13 Kühe, in Richtung Scheidplatz rumpelten. Statt der Alpe Obergelchenwang - die Tiere kamen laut Scheidmeister Martin Sichler bereits am Donnerstag herunter - war erstmals die Alpe Untergelchenwang mit von der Partie.

Nächstes Jahr sollen beide Alpen mitmachen. "Heuer war der Sommer eher durchwachsen", berichtet Sichler: Das Frühjahr noch gut und der Juli viel zu nass und zu kalt. Schönes Wetter und saftiges Gras gab es ab der zweiten Augusthälfte.

Ohne Kranzrind marschierten in Gunzesried drei Herden ein. An den Alpen Ornach und Rottach waren zwei Rinder ums Leben gekommen, wie Hirtin Anna Waibel erzählte: "Bei einem ist der Kehlkopf angeschwollen." Das andere war in den Bergen abgestürzt.

Schlechte Nachrichten brachte auch Hirte Xaver Gehring von der Alpe Wilhelmine mit: Dort hatten sich zwei Tiere das Bein gebrochen. In einen Graben gestürzt war ein Rind bei der Alpe Höllrizen. Dabei brach es sich den Oberschenkel.

Darum kam auch Hirte Helmut Feldkircher ohne Kranzrind. Gleich mit zweien kam dagegen Familie Schuster von der Vorderen Rindalp zurück: Stefanie und Alfred feierten dort oben ihr 40-jähriges Jubiläum. 20-Jähriges feierte die Alpe Unterkirche.

Immenstadt

Menschenmassen säumten auch den Immenstädter Viehmarktplatz. "Mir kommt es vor, als kämen jedes Jahr immer mehr Besucher ins Städtle - vor allem die jungen", hat Gerhard Honold beobachtet.

Laut dem Moderator kamen heuer zehn Herden an: Die der Alpen Wildegund, Seifenmoos, Starkatsgund, Schwanden und die Alpe Alp und Kessel - sie sind stets gemeinsam unterwegs - führen Kranzrinder an. Dieses Privileg konnten die Alpen Hinterkrumbach, Mittag, Gund, Ehrenschwang und Mittelberg leider nicht vorweisen:

Wegen Unfällen und dem Verlust eines Tieres. Wie in Gunzesried ist auch das Festzelt in Immenstadt bereits am Mittag voll gefüllt. Zu der Zeit feierte ein Junggeselle seinen Abschied: "Das ist ja so toll hier. Ein Viehscheid mitten in der Stadt, das gibt es sonst nirgends."

Die Musik am Eingang des Viehmarktplatzes traf allerdings nicht jedermanns Geschmack ? unter anderem erklangen über die Lautsprecher Tiroler Lieder über das "Ach so schöne Zillertal." "Und das obwohl wir so tolle Musik im Allgäu haben. Da sollte man doch authentisch bleiben", meinte ein bärtiger Hirte.

Missen

Hunderte Besucher fanden sich am Morgen beim Feststadel in Missen ein. Bevor die Herden am Scheidplatz eintrafen, begrüßte das Missener Alphorntrio die Gäste. Der Scheidmeister erzählte über das Leben des Jungviehs während des Alpsommers.

Fünf Herden wurden von Kranzrindern angeführt - die von der Pfarr- und der Vogtalpe dagegen nicht: Dort oben gab es heuer Unfälle. Nachdem die Herden in Viehtransportern verladen waren, feierten die Gäste. Sie ließen sich von der Missener Kapelle und dem "Chaos-Trio" unterhalten. Mit Spannung verfolgten sie danach das "Schellenwürfeln".

Wengen

Wohlbehalten kehrten 123 Schumpen vom Wengener Eck zurück ins Tal. Zwei Kranzrinder zeugten von unfallfreier Sommerfrische, hunderte Zuschauer säumten die Dorfstraße. Eigentlich hätten die Bauern ihr Jungvieh sang- und klanglos heimtransportieren können.

Aber bei der Wald- und Weidegenossenschaft Wengen wird die jahrhundertealte Tradition des Alp-Abtriebs gepflegt. "Ein kleiner Viehscheid ist etwas ganz Besonderes", sagte Landrat Gebhard Kaiser und überreichte dieses Jahr Alpmeister Hubert Peter die Schelle des Landkreises.

Jungholz

Viele Einheimische und Gäste sahen am Samstag im benachbarten Jungholz zu, wie das Alpvieh in die heimatlichen Ställe zurückkehrte. Zwei prächtig geschmückte Kranzrinder führten die Herden der beiden Jungholzer Alpen Älpele und Stubenbach an.

Zu den insgesamt 80 Kühen und Jungrindern hatten sich auch acht kräftige Rösser gesellt, die den Sommer auf der Alpe Stubenbach verbracht hatten.

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