Beethoven
Konzert in Sonthofen: Der Garstige und das Schöne

Zeitgenossen nennen ihn einen 'kleinen, hässlichen, schwarzen Mann'. Auch die Schriftstellerin Bettina von Arnim, Schwester von Clemens Brentano und Ehefrau von Achim von Arnim, beschreibt sein Aussehen als 'garstig'.

Doch kurz darauf schwärmt sie von seiner 'bedeutenden und herrlichen Erscheinung': Ludwig van Beethoven löste bei seinen Mitmenschen offenbar zwiespältige Gefühle aus, wie Jutta Menzel bei einem Konzert mit Rezitation in der Allgäuer Keramikmanufaktur in Sonthofen-Altstädten verdeutlicht.

Mit ausgewählten Texten skizziert die Stuttgarter Schauspielerin ein plastisches Portrait des Komponisten, dessen Geistesgaben viele bewunderten, auch wenn sie sich mit dem Menschen Beethoven schwertaten. Etwa weil dieser die Eigenart besaß, kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Doch 'Grillen des Künstlers verzeiht man in Wien.' Jutta Menzel erinnert an Beethovens erfolgreiche Jahre um 1800 und liefert damit charmant, kurzweilig und anregend den Hintergrund für jene Variationen-Werke, mit denen das Klaviertrio Würzburg den Ideenreichtum und die Genialität dieses Tonschöpfers aufleuchten lässt.

Drei eher selten gespielte Kompositionen haben Katharina Cording (Violine), Peer-Christoph Pulc (Violoncello) und Karla-Maria Cording (Klavier) ausgewählt: Stücke, in denen Variationen über damals populäre Melodien im Mittelpunkt stehen.

Den Auftakt bilden die 14 Variationen op. 44 über ein Lied aus einem heute vergessenen Singspiel von Carl Ditters von Dittersdorf: Mit trockenem Humor wird das Thema betont einfältig vorgestellt, um dann geistreich verschiedenen Veränderungen unterworfen zu werden.

Noch weiter treibt Beethoven den Scherz in seinem Klaviertrio op. 121a: Eine weit ausschwingende, fast zu einem eigenständigen Satz ausgedehnte langsame Einleitung bereitet dort eine tiefsinnig ernste Atmosphäre, die Großes anzukündigen scheint.

Da erklingt frisch und unbedarft der Gassenhauer 'Ich bin der Schneider Kakadu' aus einer Oper von Wenzel Müller und fegt die elegische Stimmung hinweg. Zunächst nur mit Klavier, dann in verschiedenen Duo-Kombinationen und schließlich mit allen drei Instrumenten folgen zehn anspruchsvolle Variationen.

An ihnen lässt sich auch ablesen, wie Beethoven die Instrumente gleichberechtigt nebeneinanderstellt und damit die moderne Form des Klaviertrios schafft. Den jungen Musikern des Würzburger Klaviertrios gelingt dabei ein sehr ausgewogenes Zusammenspiel, in dem doch jedes der Instrumente einen eigenen Charakter erhält:

Die Geige pflegt – unterstützt durch die trockene Akustik des Glashauses – die noble Sachlichkeit, das Cello setzt auf den schönen, warmen Klang, das Klavier sorgt für den anstreckend munteren Tonfall.

Zum Höhepunkt des Abends erheben die drei Würzburger Interpreten Beethovens Trio op. 38 nach dem Septett für Streicher und Bläser op. 20.

Dort gestalten sie nicht nur die Variationenkette über ein populäres Thema (vermutlich ein rheinisches Schifferlied) lustvoll aus, sondern verleihen auch den übrigen fünf Sätzen des Werkes, insbesondere dem eleganten Adagio cantabile, Kontur, Tiefe und Schönheit.

Was macht es da schon aus, ob der Mann, der diese Musik geschaffen hat, blatternarbig im Gesicht war oder nicht.

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