Tierschutz
Katzenplage im Allgäu: Leiterin des Immenstädter Tierheims fordert mehr Fortpflanzungskontrolle

13Bilder

'Die Situation in den letzten Jahren hat sich zu einer Katzenplage entwickelt.' So formuliert es Iris Thalhofer, Leiterin des Tierheims Immenstadt. Viel zu wenige Katzen im Allgäu seien kastriert. Deren unkontrollierte Vermehrung ist für die örtlichen Tierschutzvereine ein immer größer werdendes Problem.

Was kaum einer weiß: Im Allgäu gibt es eine große Population verwilderter Katzen. Weil die Tiere vielfach nachts unterwegs und zudem sehr scheu sind, ist das Problem nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Die Tierheime in der Region merken es allerdings jedes Jahr aufs Neue, wenn ihre Katzenzimmer voll besetzt oder sogar überfüllt sind. Viele Leute locken die Tiere an und füttern sie. Allerdings wollen sie ansonsten nicht die Verantwortung für die Katzen übernehmen.

Katzen, die nicht kastriert sind, zeugen ungehindert Nachkommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um verwilderte Katzen handelt oder um Katzen, die ein Zuhause haben. Oft genug kooperieren die Halter nicht mit dem Tierschutzverein und lassen ihre Tiere nicht kastrieren. Viele können oder wollen sich die Kastration nicht leisten. Oder die Eltern wollen ihre Kinder das Aufwachsen der kleinen Miezen erleben lassen. An die Konsequenzen denken sie dabei selten. Am Schluss gibt es mehr Jungkatzen als Interessenten. Und diese Katzen landen über Umwege bei Iris Thalhofer und ihren Mitarbeitern.

Sie werden oft unter fadenscheinigen Ausreden direkt im Tierheim abgegeben oder ausgesetzt. Diese verwilderten Hauskatzen können gefährliche Krankheiten übertragen – auch an ihre domestizierten Artgenossen, die Freigang haben. Außerdem pflanzen sie sich weiter unkontrolliert fort.

Im Sommer 2012 musste das Tierheim Immenstadt überdurchschnittlich viele dieser Katzen beherbergen. 60 erwachsene Katzen und über 90 Jungkatzen waren auf das Tierheim und fünf Pflegestellen verteilt – ein trauriger Rekord. Die Kastration dieser Tiere sowie die Behandlung ihrer Krankheiten verschlingen große Summen.

Die örtlichen Tierschutzvereine und Tierheime haben der unkontrollierten Vermehrung der verwilderten Hauskatzen den Kampf angesagt. Das Tierheim Immenstadt beispielsweise führte 2012 und 2013 an mehreren Stellen im Oberallgäu Katzen-Kastrations-Aktionen durch. An bekannten Futterstellen oder Alpen wurden die Tiere mit Lebendfallen eingefangen, in der Tierklinik kastriert und anschließend wieder zurück gebracht – sofern sie gesund waren.

In manchen Fällen holten die Tierschützer die Katzen aus verdreckten und vermüllten Wohnungen. Nicht selten hatten diese Krankheiten oder Verletzungen, mitunter mit tödlichem Ausgang. Überleben die Tiere ihre Krankheiten und Verletzungen, blüht ihnen meist ein lebenslanger Aufenthalt im Tierheim. Durch ihre Scheu bleiben sie unvermittelbar. Im Immenstädter Tierheim sind das momentan circa zwanzig Katzen.

Katzen, die versorgt werden müssen. Der Unterhalt für eine Katze beträgt zwischen 270 und 300 Euro pro Monat – die Tierarztkosten nicht mit eingerechnet. Diese Kosten bezahlt das Tierheim überwiegend, aber nicht komplett, durch Spenden, Mitgliedschaftsbeiträge oder Erbschaften. Weitere Unterstützung erhalten die Tierheime durch Tierpatenschaften, erfolgreiche Vermittlungen und ehrenamtliche Helfer, von denen es gar nicht genug geben kann. Und trotzdem fehlt es an allen Ecken und Enden.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by Gogol Publishing 2002-2019