Energie
«Japan ist überall und wir sind mittendrin»

Die dramatischen Entwicklungen in Japan lassen im Oberallgäu Kritik an Kernkraft neu erstarken. «Japan ist überall und wir sind mittendrin.» Für Beate Schmid (Sonthofen) von der Vereinigung «Antiatom Oberallgäu» und viele Mitstreiter ist der friedliche Widerstand gegen die Atomkraft eine Grundüberzeugung, die sie mit Mahnwachen und Demonstrationen artikulieren. Montagabend trafen sich kurzfristig zwei Dutzend Menschen zur Mahnwache in Sonthofens Fußgängerzone.

Bittere Erkenntnis

Wenige Stunden zuvor hatte Kanzlerin Merkel erklärt, für drei Monate die Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke auszusetzen. Was mancher in Sonthofen nur als Wahlkampftaktik sieht. Mit bei der Mahnwache war Landtagsabgeordneter Thomas Gehring (Grüne): Für ihn ist es eine bittere Erkenntnis, dass man jetzt nach dem Geschehen in Japan wieder über das Thema nachdenke, obwohl es die gleichen Warnungen schon vorher gegeben habe. << Die Argumente sind gleich geblieben. >> Man könnte beim Atomausstieg schon viel weiter sein.

Tätig werden könnten Bürger in vielen Bereichen, meint Beate Schmid. Etwa zu Stromanbietern wechseln, die keinerlei Atomstrom verkaufen. Wichtig sei auch die Beteiligung an großen Aktionen, << wo es um Masse geht >> - wie am Ostermontag, 25. April, vor dem Kernkraftwerk Gundremmingen anlässlich der Katastrophe vor 25 Jahren in Tschernobyl. Schmid rät am Thema interessierten Bürgern, sich gezielt zu informieren und auch über das normale Maß hinaus zu lesen.

Als Erfolg sieht Schmid die Menschenkette zwischen dem AKW Neckarwestheim und Stuttgarts Staatskanzlei am Samstag: Es hätten sich weit mehr Menschen beteiligt als gedacht. Sicher mit eine Folge der aktuellen Ereignisse. Aus dem Allgäu kamen per Bus 66 Atomkraftgegner, die gegen die Laufzeiten deutscher AKWs demonstrierten.

Die bedrückende Realität ihres Tuns hätten die Mitfahrer kaum fassen können, schildert es ein Teilnehmer. << Komm mit >> stand in großen Lettern auf dem Bus. Doch die Fahrt war alles andere als eine Kaffeefahrt zum Heizdeckenkauf. Die Hiobsbotschaften aus Japan machten im Bus die Runde. Die traurige und erschreckende Aktualität der Fahrt drückte auf die Stimmung. Schon öfters waren die Atomkraftgegner zu Demonstrationen gefahren. Viele der Allgäuer hatten schon in Wackersdorf und anderen Orten protestiert - doch nie mit solch einer traurigen Betätigung ihres Tuns.

Bedrückt durch die Ereignisse, aber << zur richtigen Zeit am richtigen Ort >>, wähnte sich zum Beispiel Johannes Vorholzer, Stadtrat der Sonthofer Grünen. Den Bus fuhr Helmut Weidel von Antiatom Oberallgäu. Weidel: << Schon vor 30 Jahren habe ich davon geträumt, mit einem Reisebus voller Menschen zur Demo zu fahren. >> Ziel war zunächst ein Acker bei Bietigheim gewesen. Dort reihten sich die Allgäuer in die Menschenkette. Danach gings zur Kundgebung nach Stuttgart. An eine schnelle Energiewende glauben die Atomgegner weiter nicht. Die Atomkatastrophe in Japan zeige, dass diese Technologie nicht beherrschbar sei, sagt SPD-Unterbezirksvorsitzender Markus Kubatschka. Die schwarz-gelbe Regierung habe im Herbst ohne Not beschlossen, die deutschen AKW-Laufzeiten zu verlängern.

Mehr im Internet unter:

www.antiatom-oa.de

www.ausgestrahlt.de

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen