Tiertragödie
Jäger tötet bei Burgberg zutraulichen Raben

«Raven war sehr zutraulich.» Diese Nähe zu den Menschen wurde ihm allerdings zum Verhängnis. Bei «Raven» handelte es sich um einen jungen Rabenvogel, der eine ungewöhnliche Freundschaft mit der Familie Soul im Burgberger Ortsteil Ortwang geschlossen hatte.

Der Piepmatz, dem die Familie den englischen Namen für Rabe, nämlich << Raven >>, verpasst hatte, ließ sich füttern, wollte spielen und gestreichelt werden. Dieses zahme Verhalten bekam dem gefiederten Freund der Familie Soul schlecht. Als der Rabe im benachbarten Sonthofen auf dem Balkon eines Hauses laut nach Futter bettelte, wurde er getötet. Von einem Jäger, den ein Familienvater rief, weil er Angst hatte, dass die Krähe seinen Kindern etwas antut. Lag es daran, dass die schwarz gefiederten Vögel immer noch einen schlechten Ruf haben? Soll doch erst kürzlich ein Kolkraben-Schwarm angeblich eine Schafherde angegriffen und Lämmer nebst Muttertieren getötet haben.

Im Juni kreuzte der putzige << Raven >> urplötzlich vorm Haus von Melanie und Hans Soul auf. Er wollte danach gar nicht mehr weg. Wahrscheinlich war der Jungvogel aus seinem Nest gefallen, und es hatte ihn auf das Grundstück der Souls verschlagen, vermuteten die Hausbewohner. Von Anfang an war das Tier auf die Familie Soul fixiert. Sogar mit dem Haushund verstand sich << Raven >> bestens. Die Rabenkrähe wurde gehätschelt, als gehöre sie zur Familie. Umso mehr waren die Souls erschüttert, als sie nach ein paar Tagen der Abwesenheit Ravens erfahren mussten, dass der gefiederte Hausfreund von einem Jäger erschlagen worden war.

<< Ich hätte das Tier im Käfig halten sollen >>, berichtet Melanie Soul über die lapidare Antwort des Vaters, der den Jäger gerufen hatte, und den sie zur Rede gestellt hatte.

<< Falsch gehandelt >>

Eckehard Voigt weist als Vorsitzender des Kreisjagdverbands Oberallgäu darauf hin, dass der Jäger falsch gehandelt habe. Voigt: << Er hätte das Tier nicht erlegen dürfen, dazu hatte er keine Berechtigung >>. In einem sogenannten << befriedeten >> Gebiet, wie zum Beispiel in einer Stadt, ist es nach Worten des Jägervorsitzenden einem Waidmann verboten, Tiere zu töten. Nur wenn große Gefahr für Menschen bestehe, dürfe ein Jäger einschreiten.

<< Man darf diese Tiere nicht verteufeln >>, geht << Rabenmutter >> Melanie Soul auf Berichte ein, dass solche Vögel total aggressiv reagieren und sogar eine Schafherde terrorisieren können. Auch ihre Freundin Erika Bauer kann das einfach nicht glauben. << Ich beobachte schon seit Jahren einen Krähenschwarm hier bei uns, der friedlich neben einer Schafherde lebt. >> Erika Bauer schaut den vermeintlichen << Galgenvögeln >> gerne zu. Die scheinbar immer noch vorhandene Furcht der Menschen vor solchen Vögeln hält Melanie Soul für völlig übertrieben und erinnert sich dabei an den putzigen Hausgenossen << Raven >>.

Regelmäßig werden besonders Kolkraben als die größten Rabenvögel in Europa für Attacken auf Weidetiere verantwortlich gemacht. Laut mehrerer wissenschaftlicher Untersuchungen von Biologen sind solche Berichte häufig übertrieben oder gar frei erfunden. Die Allgäuer Diplom-Biologin Brigitte Kraft vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) weist darauf hin, dass Kolkraben sich allenfalls auf junge Lämmer stürzen, << die ohne die Fürsorge des Hirten sowieso nicht überlebensfähig sind >>.

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