Asyl
In das Landhotel Adler in Martinszell sollen 80 Flüchtlinge einziehen

Aus dem Landhotel 'Adler' in Martinszell wird eine Flüchtlingsunterkunft. Diese überraschende Mitteilung macht 'Adler'-Chefin Maria Platz am Freitag.

Nach 25 Jahren, sagt Platz, wolle sie sich aus wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gründen zurückziehen. Das vielfach preisgewürdigte Tagungshotel und Traditionsgasthaus soll zur Herberge werden für rund 80 Asylsuchende.

Dazu, bestätigt Landrat Anton Klotz, werde der Landkreis mit Platz einen Mietvertrag auf zunächst acht Jahre schließen. Ihre Entscheidung teilt die 51-Jährige am Freitagvormittag dem Personal mit. Abends spricht sie mit Gemeinde- und Kirchenvertretern, Vereinsvorsitzenden, Stammgästen und Freunden.

Seit 15 Jahren ist Maria Platz Chefin des 'Adler', den sie 2001 von ihren Eltern übernahm und mit den Jahren vom Metzgerei-Gasthof zum Landhotel umbaute. Doch steigende Kosten, immer strengere Auflagen und der Fachkräftemangel, sagt sie, hätten sie immer mehr Geld und Kraft gekostet.

Ein Problem sei auch die Zweihäusigkeit: 50 Meter neben dem Hotel steht ein ausgelagertes Gästehaus mit 25 Betten. Und es gebe keine Möglichkeit, das Haus durch einen Wellnessbereich oder behindertengerechte Ausstattung aufzuwerten.

Zunehmend, sagt Platz, habe sie gemerkt, dass es so nicht weitergehen könne: 'Ich bin seit längerem gesundheitlich angeschlagen.' Ihr 20 Jahre alter Sohn macht eine gastronomische Ausbildung. Doch bis er soweit sei, eine Entscheidung darüber zu treffen, ob er den 'Adler' übernehmen will, halte sie nicht durch. Zudem wolle sie ihre Kinder nicht zwingen, den Betrieb zu übernehmen: 'Das war früher.' Nicht zuletzt habe der 'Adler' auch keine vernünftige Perspektive.

Die Idee, die Immobile als Flüchtlingsunterkunft zu vermieten, wurde von außen an sie herangetragen, sagt Platz. Letztlich sei die Entscheidung schnell gefallen. Erst vor eineinhalb Wochen habe sie mit Landrat Klotz erstmals gesprochen und ihn gebeten, Stillschweigen zu bewahren. Sie wollte zunächst Mitarbeiter – alle 25 kämen übrigens anderweitig unter –, Freunde und auch Bürgermeister Eckhard Harscher informieren.

Er sei, sagt er der AZ, bereits mit zwei Grundstückseigentümern in Verhandlung, um Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge in Martinszell und Oberdorf zu finden. Das wüssten die Bürger.

Dass jetzt aber der 'Adler' zur Unterkunft wird, kam für ihn überraschend. Bange sei ihm wegen der Unterkunft nicht. Dass Martinszell aber seine letzte Wirtschaft verliere, sei ein großer Verlust: 'Es ist einfach schade. Und schmerzt.'

Überrascht von Platz’ Idee wurde auch Landrat Klotz. Die 51-Jährige, sagte er, habe zunächst geplant, den 'Adler' als Unterkunft an die Regierung von Schwaben zu vermieten. Klotz legte ihr dann nahe, den Vertrag mit dem Landratsamt zu machen. 'So haben wir es selbst in der Hand.'

Den 'Adler' hält der Landrat als Unterkunft für ideal. Etwa 80 Menschen könnten dort eine Bleibe finden – 40 im Gästehaus und noch einmal so viele im Hauptgebäude.

Bis 15. März bleibt der 'Adler' geöffnet. Vor allem beim Brandschutz muss laut Klotz nachgerüstet werden. Danach sollen vor allem Familien einziehen. Klotz hofft, dass die Flüchtlinge in den eigenständigen Dorfgemeinschaften Martinszell und Oberdorf schnell integriert werden.

Der 'Adler', der eine Jahrhunderte alte Geschichte hat, diente übrigens schon mehrfach als Herberge: Auch in den Kriegsjahren um 1850 und 1945 waren hier Notquartiere für bayerische Truppen und französische Streitkräfte eingerichtet worden, 1948 fanden Flüchtlinge aus dem Osten vorübergehend Obdach.

Und wie geht es für Maria Platz nun weiter? 'Der Adler war mein Zuhause und mein Arbeitsplatz. Das hier ist schwer und ich habe keine Ahnung, was kommt.' In den nächsten Monaten sei sie mit der Abwicklung ausgelastet, danach werde sie weitersehen.

Fest steht für sie jedoch: Den Stand auf dem Kemptener Weihnachtsmarkt will sie in jedem Fall behalten. Denn dafür habe sie nun endlich wieder Zeit.

Autor:

Sabine Beck aus Kempten

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