Umwelt
Honigbienen sollen Moorfläche bei Greggenhofen weichen

Bienen. Sie sind klein, flink, wehrhaft und fleißig. Sie machen Honig und bestäuben Pflanzen. Rund 80 Prozent der 2000 bis 3000 heimischen Nutz- und Wildpflanzen seien auf die Honigbienen als Bestäuber angewiesen, heißt es beim Deutschen Imkerbund. Deshalb sind die kleinen Flieger besonders schützenswert. Da mag man den Kopf schütteln, wenn Naturschützer einen Imker mit seinem Bienenhaus vertreiben wollen. Doch alles hat zwei Seiten.

Imker Donat Knoll aus Sonthofen bewirtschaftet seit vier Jahrzehnten ein Bienenhaus am Fellmer Moos bei Greggenhofen. 12 bis 15 Völker leben dort, sammeln Nektar und Pollen. Früher gehörte der Grund noch Knolls Onkel; vor zwei Jahren habe ihn dann sein Cousin an den << Verein zur Förderung von Natur- und Umweltschutz Sonthofen >> verkauft. Das ist ein eigenständiger Verein, der finanzielle Mittel für Projekte organisiert, aber dem Bund Naturschutz nahesteht.

Und dieser Verein (Vorsitzender Alfred Karle-Fendt) will, dass Knoll mit seinem Bienenhaus geht. Nicht erst seit heute. Karle-Fendt hatte den Imker bereits im Mai 2009 aufgefordert, das Bienenhaus zu beseitigen. Denn die Naturschützer möchten die Moorlandschaft renaturieren. Und der Imker habe für das Gelände weder Pachtvertrag noch eingetragene Grunddienstbarkeit.

- Doch das Bienenhaus steht noch immer. Denn Knoll will nicht weg. Dabei, sagt der 74-Jährige, gehe es wohl eh nur um zwei, drei Jahre. Vielleicht auch weniger. Schließlich wisse er nicht, wie lange er die Imkerei noch ausüben könne.

Zu 90 Prozent gefördert

<< Wir ließen ihm zwei Jahre Zeit; jetzt geht das Theater wieder los >>, kontert Karle-Fendt. Man müsse nun loslegen, um nicht einen großen Teil der Förderung zu verlieren. Das aktuelle Projekt werde nur noch heuer zu 90 Prozent aus Steuermitteln gefördert. Karle-Fendt betont, dass man dem Imker etwa 200 Meter weiter das Obergeschoss einer anderen Hütte angeboten habe. Nur das bestehende Bienenhaus müsse weg. Unter anderem, weil man nicht wisse, wie sich dort der Untergrund nach der Vernässung entwickelt und das Bienenhaus womöglich umkippen könnte.

Knoll bezweifelt das: An der Stelle sei der Boden tragfähig, sei schon viel früher eine Hütte gestanden.

Ziel sei, im Fellmer Moos wieder ein komplettes Moorgebiet zu schaffen, also ein größeres Renaturierungskonzept umzusetzen, erklärt Michael Borth, Vorsitzender beim Bund Naturschutz in Sonthofen. Dazu müsse man das ganze Gebiet wieder vernässen, also auch bestehende Entwässerungsgräben entfernen. Borth: << Ein Bienenhaus kann an anderer Stelle stehen. Eine Moorrenaturierung ist nur da möglich, wo Moor war. >> Er hofft, im Gespräch vielleicht noch eine Lösung für alle Beteiligten zu finden.

Reiche Ernte am Obstbaum

Notgedrungen sucht Knoll jetzt Alternativen. Er hofft zum einen, dass sich andere (junge?) Imker für das Bienenhaus interessieren, es abbrechen und anderswo wieder aufbauen. Zugleich sucht Knoll für seine Bienenvölker einen anderen Standort, wo sie (dann ohne eigenes Haus) ihre eigentlichen Aufgaben erfüllen können: Honig sammeln, Blüten bestäuben und nebenbei beispielsweise den Besitzern von Obstbäumen eine reiche Ernte verschaffen. So ein Standort, sagt Knoll, solle im Umkreis von Sonthofen sein.

<< Es ist normalerweise eine schlechte Sache, wenn man ein Bienenhaus vertreibt >>, findet Konrad Schneider, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Sonthofen. Zum aktuellen Fall will er sich dennoch nicht äußern, hofft allerdings, dass sich andere Imker für das Bienenhaus interessieren.

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