Urzeit
Hobbygeologen aus Immenstadt und Kaufbeuren finden Zähne von Dinosauriern in den Allgäuer Alpen

In der Wissenschaft kann es mitunter lange dauern, bis neue Erkenntnisse aus Funden gezogen werden, die bereits vor Jahrzehnten gemacht wurden. Oder bis in Vergessenheit geratene Stücke wiederentdeckt werden. <%IMG id='1388729' title='Gulisano und Klöck, Hobbyforscher '%>

So erging es auch Hobbygeologe Tobias Klöck aus Kaufbeuren, der vor kurzem zusammen mit dem Immenstädter Giuseppe Gulisano bemerkenswerte Entdeckungen in und aus den Allgäuer Alpen machte. Zu den großen Fundstellen von Urzeitreptilien gehören die Allgäuer Alpen mit Sicherheit nicht, sind sich die Hobbyforscher einig.

'Es gibt aber eine unglaublich große geologische Vielfalt, denn das Allgäu mit seinen Bergen gehört mit zu den kompliziertesten geologischen Regionen Deutschlands. Viele Millionen Jahre Erdgeschichte lassen sich hier auf engstem Raum studieren', sagt Klöck.

Lange bevor die Alpen ihr heutiges Aussehen bekamen, bedeckte ein tropisch warmes Meer die Region. Nur in einem kleinen Zeitfenster - während der Trias vor 210 Millionen Jahren - habe man den Nachweis, dass vereinzelt Inseln aus dem Wasser ragten und sich Saurier darauf tummelten. Der Beweis sind einzelne, dolchartige Schneidezähne eines fleischfressenden Landreptils, die am Allgäuer Hauptalpenkamm gefunden wurden.

Geologieprofessor Herbert Scholz von der Technischen Universität München ist sichtlich begeistert: "Das sind für das Allgäu einmalige Stücke, welche auch im wissenschaftlichen Kontext große Bedeutung haben." Ähnliche Fossilien entdeckte man zum Beispiel am UNESCO-Weltnaturerbe Monte San Giorgio im schweizerischen Tessin (der Name des Sauriers wurde danach benannt: Ticinosuchus). "Die Tiere haben wohl ausgesehen wie stelzenbeinige Krokodile mit einer Länge von etwa drei Metern", so Scholz.

Auch in der Umgebung des Iselers bei Oberjoch und des Breitenbergs bei Pfronten entdeckten die Hobbyforscher Reste von Urzeitechsen. Hier enthielt das Gestein Fangzähne eines Nothosauriers, ein Meeresreptil "auf dessen Speisekarte vor allem kleine Fische standen", sagt Klöck.

Gulisano ergänzt: "Auch flache, wie schwarze Knöpfe aussehende Zähne eines wasserbewohnenden Pflasterzahnsauriers findet man hin und wieder." Jahrelang haben sich beide mit dem Bau der Allgäuer Landschaft beschäftigt. Auf gemeinsamen Touren suchen sie nach Orten, an denen die Wahrscheinlichkeit groß ist, etwas zu finden.

Als geologischer Glücksfall entpuppte sich dabei der gewaltige Felssturz bei Hinterstein, der Anfang September 1964 abging. Hier konnten damals aus dem gewaltigen Schuttfächer viele Knochenreste vor der Zerstörung durch Regen, Schnee und Eis gerettet werden. "Der Höhepunkt war der Fund eines nahezu vollständigen Schädels eines Pflasterzahnsauriers", erinnert sich Gulisano.

Dieser wurde nach seiner Entdeckung über viele Monate hinweg aufwändig von Experten präpariert und anschließend wissenschaftlich beschrieben. Nach Abschluss der Arbeiten fand der Schädel seine letzte Ruhestätte im paläontologischen Museum in München und kann dort heute noch besichtigt werden.

Ein großer Wermutstropfen bleibt bei den Geologen jedoch. So wichtig ihre Funde für Wissenschaft und Forschung auch sind, der Öffentlichkeit können sie in absehbarer Zeit wohl nicht präsentiert werden. Der Grund dafür: das Museum im Zumsteinhaus in Kempten, in dessen Sammlung sich viele steinerne Raritäten des Allgäus befinden, wurde jüngst geschlossen.

"Die Stadt hat andere Pläne mit dem Haus", bedauert Scholz. "Leider ist man sich über die Bedeutung der Sammlung nicht bewusst." So werden die Fossilien und Gesteine wohl auf unbestimmte Zeit in einem Depot verschwinden und darauf warten bis sie vielleicht eines Tages von Experten wie Klöck oder Gulisano wiederentdeckt werden.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen