Diskussion
Grüne Landtagsabgeordnete, Lehrer und Eltern fordern in Bihlerdorf Verbesserungen am gymnasialen Schulsystem

Der Druck auf die Schüler am achtstufigen Gymnasium ist groß. Darüber waren sich die Teilnehmer einer schulpolitischen Diskussion mit den grünen Landtagsabgeordneten Adi Sprinkart und Thomas Gehring einig. 'Gymnasium achteinhalb – Reform der Reform oder politischer Aktionismus' war das Thema des Abends in Bihlerdorf.

Dass viele Eltern mit der Schulpolitik in Bayern nicht einverstanden sind, habe sich bereits im Ergebnis der Landtagswahlen 2008 gezeigt, sagte Jürgen Funke, Sprecher des Eltern-Forum Allgäu. 'Die Proteste kommen an.'

Der erste Jahrgang hat das G8 hinter sich, und die Bilanz zeigt, dass es im Vergleich zum neunstufigen System mehr Einserschüler, aber auch mehr Durchfaller gibt. Jetzt hat Münchens Oberbürgermeister Christian Ude angeregt, die Gymnasien selbst entscheiden zu lassen, ob sie G8 oder G9 anbieten wollen.

Die Diskussion sei berechtigt, meinte Gehring. Dennoch hält er es für schwer umsetzbar, Schüler künftig beim Weg zum Abitur zwischen 'zwei Geschwindigkeiten' wählen zu lassen.

Man sollte die Schulen vor großen Umorganisierungsprozessen verschonen und besser 'jetzt alles dransetzen, damit bestehende Defizite im G8 zügig abgebaut werden können'.

'Bulimie-Lernen'

Dass es Defizite gibt, machten Lehrer und Rektoren, Eltern und Elternbeiräte in der Diskussion deutlich. Mittlerweile mache unter Gymnasiasten der Begriff 'Bulimie-Lernen' die Runde. Dieser Ausdruck stehe für 'schnell viel reinlernen, ausspucken und wieder vergessen'.

So könne man nicht die Kompetenzen vermitteln, die später an den Hochschulen vorausgesetzt werden, kritisierten Jörg Pirkl, Oberstudienrat am Gymnasium Immenstadt und der Vorsitzende des Elternbeirats, Peter Liebl.

Notwendig, so war man sich einig, seien mehr Schulstunden und mehr Lehrer, kleinere Klassen und gründlich überarbeitete Lehrpläne. Bei all den Anforderungen im G8 dürfe man nicht vergessen, dass die Schüler ein Jahr jünger sind, sagte Sieglinde Handlos, ehemals Lehrerin am Gymnasium in Sonthofen.

Viele Schüler machen bereits einen Bogen um das achtstufige Gymnasium und gehen ihren Weg zum Abitur über Realschule und Fachoberschule, kritisierte Ludwig Haslbeck, Rektor am Gymnasium Oberstdorf. 'Uns gehen gute Schüler verloren.'

Und viele Schüler legten nach einer erfolgreichen G8-Laufbahn erst einmal ein Jahr Verschnaufpause ein, meinte Petra Deil, Vorsitzende des Elternbeirats am Gymnasium Sonthofen. Das durch das G8 gewonnene Jahr werde so wieder ausgeglichen, sagte Deil.

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