Zwischenbilanz
Für Sonthofens Bürgermeister ist der Zufriedenheitsgrad im grünen Bereich

Halbzeit haben Stadt- und Gemeinderäte im Oberallgäu in der aktuellen Legislaturperiode. Wir sprachen mit Sonthofens Bürgermeister Hubert Buhl über eine Zwischenbilanz für die Kreisstadt. Für Buhl selbst ist die Halbzeit übrigens längst abgelaufen: Sonthofen wählt den Rathauschef seit Jahren außer der Reihe, das nächste Mal im Herbst 2012. Allerdings sollen die unterschiedlichen Wahltermine wieder angeglichen werden.

Wie ist das Klima im Stadtrat?

Buhl: Wir haben keine zwischenmenschlichen Probleme und eine hervor- ragende Atmosphäre. Nach der Wahl 2008 hat sich der Stadtrat eine sehr gute Basis für das sachliche, gemeinschaftliche Klima erarbeitet. Wir diskutieren konstruktiv, entscheiden meist mit großer Mehrheit und akzeptieren das dann auch.

Was waren Schwerpunktthemen?

Buhl: Unter anderem ging es darum, gute Rahmenbedingungen für die Themenbereiche Familie-Arbeit, Bildung und Erziehung zu schaffen. Wir haben Kindergärten ausgebaut und neue Krippen eingerichtet; die Renovierung der Schulen läuft noch. Dazu kamen Verbesserungen in der Innenstadt wie die Abrundung der Fußgängerzone, das neue Spital und der schöne Platz davor.

Sonthofen bietet für fast alle Bereiche hervorragende Rahmenbedingungen.

Und die Kasernen?

Buhl: Ja, das Megathema ist die Konversion. Die Auflösung militärischer Flächen gehen wir als Chance an. Hier sind die Weichen für die zukünftige Entwicklung Sonthofens zu stellen. Da sind wir gemeinsam mit Bürgern sehr früh eingestiegen und haben Ziele formuliert. Und der Prozess läuft intensiv weiter.

Dafür hat sich Sonthofen unter Ihrer Führung verschuldet wie nie zuvor

Buhl: Das ist richtig. Aber nicht mit Krediten für Konsum, sondern für wichtige Investitionen wie in Schulen und Hochwasserschutz. Einiges wurde durch gesetzliche Vorgaben wie Brandschutz, Maßnahmen zur Energieeinsparung und Reformen der Schulsysteme nötig. Die Reduzierung von drei auf zwei Grundschulen ist wegen der demografischen Entwicklung nötig, trägt aber dazu bei, die Schule in Altstädten zu sichern. Investieren kann Sonthofen dank stabiler, kalkulierbarer Einnahmen. Gerade die Gewerbesteuer hat sich positiv entwickelt.

Wie läuft’s mit den Nachbarn?

Buhl: Die Zusammenarbeit der Kommunen ist für mich sehr wichtig. Sie funktioniert in vielen Bereichen wie Musikschule, Feuerwehren oder Bauhof. Dennoch gab es zuletzt Rückschläge: Im Tourismus war es hoffentlich nur ein Stolperer, der unter den neuen Rahmenbedingungen vom Tisch sein könnte. Wirklich schade ist, dass das interkommunale Gewerbeflächen-Management vorerst nicht funktioniert, weil Immenstadt ausgestiegen ist. Ich halte das für einen großen Fehler, der zu mehr Flächenverbrauch und zu höheren Kosten führen wird.

Sollten Sonthofen und Immenstadt als gemeinsames Mittelzentrum in der Verwaltung enger zusammenarbeiten?

Buhl: Das sollte eigentlich Ziel sein. Ich bin mir mit meinem Kollegen Armin Schaupp einig, dass eine enge kommunale Gemeinschaft Sinn macht. Nur: Kann man nicht im Kleinen zusammenarbeiten, funktioniert’s im Großen erst recht nicht.

Welche Versprechen aus dem Bürgermeister-Wahlkampf 2006 haben Sie noch nicht eingelöst?

Buhl: Ich habe keine gemacht.

Naja. In einer Wahlwerbung kündigten Sie vor fünf Jahren den Bau eines Busbahnhofs, den Umbau der Marktstraße und den Ausbau des Hauses Oberallgäu zum Touristik- und Kommunikationszentrum an

Buhl: Einige Themen haben wir wegen der Konversion und dem dafür nötigen Stadtentwicklungskonzept zurückgestellt. Es macht keinen Sinn, die Marktstraße umzubauen, wenn ein neues Verkehrskonzept folgen soll. Und neben dem Haus Oberallgäu steht – noch hinter der Kasernenmauer – ebenfalls ein großer Veranstaltungssaal. Auch da muss man also abwarten. Am Thema Busbahnhof sind wir dagegen dran. Nur ist nun sogar ein umfassendes Mobiltätszentrum angedacht, das Bereiche wie Carsharing und Elektrofahrzeuge mit abdeckt. Wir feilen bereits am Bebauungsplan fürs Bahnhofsareal.

Sind Sonthofens Bürger zufrieden?

Buhl: Ich denke, der Zufriedenheitsgrad ist im grünen Bereich. Es gibt immer mal Kritik, aber in der Regel konstruktiv. Dazu trägt bei, dass sich die Bevölkerung ja im Projekt 'Zukunft Sonthofen' und vielen Arbeitsgruppen einbringen kann.

Und was wurmt Sie?

Buhl: Bei der Sanierung unserer Straßen sind wir derzeit nicht auf dem Laufenden. Ich hoffe, dass wir den Rückstand in Zukunft aufholen. Schade ist auch, dass der vor Jahren eingeführte Stadtbus mangels ausreichender Akzeptant der Bürger wieder eingestellt werden musste. Eine Chance, dass es zumindest etwas weitergeht, bietet da die kleine Bus-Lösung, die Anfang nächsten Jahres kommen soll. Insgesamt denke ich jedoch, dass Sonthofen gut aufgestellt ist. Gerade in Bereichen wie Innenstadt, Wirtschaft, Arbeitsplätze, Schulen und Soziales.

Das Gespräch führte Ulrich Weigel.

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