Neujahrsempfang
Fritz Schösser nimmt für den DGB in Immenstadt die Gesellschaft kritisch unter die Lupe

Als Angriffsflächen dienten der Bundespräsident und die Rente mit 67 ebenso wie Leiharbeit und Bildung nach dem Geldbeutel. Fritz Schösser, lange Jahre Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Bayern, vollführte in seiner Rede beim Neujahrsempfang der DGB-Region 'Allgäu-Iller' in Immenstadt einen temperamentvollen verbalen Rundumschlag. Die oftmals kernigen Sätze stießen im übersichtlich besetzten 'Engel'-Saal auf breite Zustimmung.

Die Rente mit 67 sei 'Unfug', stellte Schösser fest. 'Weil Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, betrogen werden.' Ein spätes Renteneintrittsalter käme einer Rentenkürzung gleich. Das Problem sei nicht nur, dass immer weniger junge Menschen für immer mehr ältere Menschen aufkommen müssten.

Das Problem sei auch, dass es mehr und mehr Niedriglöhne und Arbeitslose gebe. Die Regierung, so Schösser, schaue tatenlos zu, wie der Arbeitsmarkt neu infiziert werde durch befristete Verträge.

Dazu gehörten Leiharbeit sowie die rapide Zunahme von Werk- und Dienstverträgen. 'Das darf nicht die Zukunft der Arbeitswelt sein.

' Es sei ein Armutszeugnis für den Fortschrittswillen der Wirtschaft, wenn junge Leute nach der Abschlussprüfung nur einen befristeten Vertrag erhielten. Das System von 'hire and fire' dürfe nicht die Regel sein, eine Festanstellung nicht zur 'exklusiven Ausnahme' werden. 'Deutschland ist kein armes Land, aber es gibt immer mehr Armut in Deutschland', rief Schösser seinen 'Kollegen' zu.

Unter Armut litten der arbeitslose Akademiker genau so wie der Gelegenheitsarbeiter, die alleinerziehende Mutter sowie der Bankangestellte, der durch einen Automaten ersetzt worden sei.

'Was ist mit unseren Kindern?', schloss Schösser die Frage an, um gleich die Antwort zu geben: 'Es gibt kaum ein Land, wo der Geldbeutel so sehr über Bildungschancen entscheidet wie in Deutschland.' Dabei liege der Schlüssel zur Innovation in der Bildung.

Die Bildung der Kinder entscheide über die Qualität und Wertschöpfung am Arbeitsmarkt und über den Reichtum einer Gesellschaft. Deswegen setze sich der DGB unter anderem für eine Abschaffung der Studiengebühren ein. Außerdem müsse Ziel der betrieblichen Ausbildung die Übernahme in den Betrieb sein.

Bundespräsident ein Thema

Ein aktuelles Thema griff Schösser schließlich mit dem viel diskutierten Verhalten des Bundespräsidenten auf. Süffisant merkte er an: 'Es ist gut, dass wir einen Bundespräsidenten haben, der sich entschuldigen kann. Schlecht ist es, wenn er sich ständig aufs Neue entschuldigen muss.'

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