Konzert
«Es kann doch nicht wahr sein»

Zu einem Weihnachtskonzert lädt der Burgberger Männerchor «Eintracht» Mitte Dezember ein. Das ist nicht außergewöhnlich. Bemerkenswert ist aber, dass die 28 Sänger damit voraussichtlich auch ihren letzten offiziellen Auftritt absolvieren. Denn für den langjährigen Chorleiter Peter Kraus gibt es keinen Nachfolger. Und das, obwohl das Ensemble bereits seit einem halben Jahr nach einem Dirigenten sucht. Im März nächsten Jahres steht die Mitgliederversammlung an. «Wenn wir bis dahin niemanden finden, muss der Verein die Auflösung beschließen», sagt der Vorsitzende Reinhard Raab traurig.

2013 würde der Chor sein 150-jähriges Bestehen feiern. So lange habe das Ensemble noch mindestens durchhalten wollen, meint Raab, mit 59 Jahren einer der jüngeren Sänger. Hinzu komme, dass die Burgberger im nächsten Jahr das traditionelle «Fünf-Chöre-Singen» ausrichten sollen. Im Sommer hatte Chorleiter Kraus (51) der «Eintracht» mitgeteilt, dass er sein Amt Ende des Jahres abgeben wolle. Aus persönlichen Gründen: Der Kirchenmusiker, der drei weitere Chöre leitet, hat kaum noch Zeit für seine Familie, geschweige denn für seine Hobbys. Die Sänger lassen ihren Chef ungern ziehen, der 14 Jahre den Chor geführt hat. Raab: «Wir konnten uns nichts Besseres wünschen.»

Auf der Suche

Schweren Herzens begannen die Burgberger im Sommer die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. «Das haben wir uns ein bisschen einfacher vorgestellt», sagt Raab, der seit 1982 mitsingt. Er fragte alle bekannten Chorleiter in der Umgebung, ob sie die «Eintracht» übernehmen wollten oder ob sie jemanden kennen, der dazu bereit wäre. Doch alle winkten ab: Sie leiten bereits mehrere Chöre. Die Burgberger Sänger inserierten im Gemeindeblatt, im Magazin des Kreischorverbandes: Fehlanzeige. Bis Anfang November habe jedes Chormitglied noch gute Hoffnung gehabt, meint Raab. Aber allmählich mache sich Verzweiflung breit. «Das kann doch wohl nicht wahr sein, dass es zu Ende geht», zitiert der Vorstand einige Kollegen.

Und wenn der Chor einfach ohne Leitung weiter singt? «Wir können uns vielleicht ein viertel Jahr über Wasser halten», sagt Raab. «Aber auf Dauer macht das keinen Spaß, weil wir auch etwas Neues lernen und Konzerte geben wollen.» Das sei ohne einen Dirigenten nicht möglich. Und wenn ein Sänger einen Chorleiterlehrgang besuchen würde? Raab schüttelt den Kopf: Dafür müsse man ein Instrument spielen können und gute Notenkenntnisse haben. Ob und wo der Berufssoldat im Ruhestand, der seit seiner Schulzeit im Chor ist, weitersingen würde, weiß er noch nicht. Wenn, würde er sich am liebsten wieder einem Männerchor anschließen: «Das ist einfach etwas Besonderes.» Aber vermissen würde er die über Jahrzehnte gewachsene Gemeinschaft in der «Eintracht».

Ein Hoffnungsschimmer

Einen Hoffnungsschimmer gibt es allerdings. Am vergangenen Wochenende habe sich ein Musiker gemeldet, der Interesse an der Chorleitung bekundet habe, sagt Raab. Aber es sei nichts Konkretes: «Ein Strohhalm.» Nach dem Gespräch klingelt sein Telefon: Ein weiterer Interessent meldet sich! Raab kann es kaum fassen: «Ein zweiter Strohhalm!»

Konzert: Das Weihnachtskonzert des Männerchors «Eintracht» Burgberg findet am 16. Dezember um 19.30 Uhr im Markthaus Burgberg statt. Am Ende des Konzerts wird Chorleiter Peter Kraus verabschiedet.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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